Vom Haifischbecken ins eigene Studio

Menschen / 26.06.2020 • 22:34 Uhr
Heiko und Roman Lochmann wollen heuer ihre ersten Songs veröffentlichen. Reuters
Heiko und Roman Lochmann wollen heuer ihre ersten Songs veröffentlichen. Reuters

Die Lochmann-Brüder sprechen über Verwechslungen, Zukunftspläne und die Gefahren des Ruhms.

München Vor gut neun Jahren fing es an: Zwei Zwölfjährige stellten ihre ersten Videos bei YouTube ein, mit Parodien, Sketchen und jeder Menge Spaß. Die Lochis waren da – und bald berühmt. Ihr YouTube-Kanal hat aktuell rund 2,7 Millionen Abonnenten, auch wenn die Zwillinge vor einem Jahr verkündeten: Keine neuen Videos und keine Lochis mehr. Mit 21 Jahren feilen Heiko und Roman Lochmann lieber an ihrer Karriere als Musiker und spielen in dem Kinofilm „Takeover – Voll vertauscht“ mit.

 

Andere zieht es in eurem Alter eher in Großstädte wie Berlin oder Köln. Ihr dagegen wohnt in Darmstadt. War ein Umzug für euch mal Thema?

Heiko Wir sind auf dem Dorf groß geworden und sind vor einem Jahr in die Stadt gezogen. Wir haben eine kleine Liebe fürs Land.

Roman Wir sind ja gefühlt jede Woche in Berlin, weil es auch die Musik-Hochburg ist. Da findet alles statt. Und wir sind auch in anderen Großstädten wie München, Hamburg, Köln. Wir sind sehr viel unterwegs, deswegen ist es immer super schön, wenn wir in Darmstadt ein bisschen unsere Ruhe haben. 

In „Takeover“ spielt ihr zwei Jungs, die sich zufällig treffen und dabei feststellen, dass sie gleich aussehen. Aus Spaß tauschen sie heimlich ihre Leben und keiner merkt es. Wurdet ihr früher auch oft verwechselt?

Roman Unser ganzes Leben ist gefühlt eine Verwechslungskomödie. Als Zwilling kennst du es gar nicht anders.

Heiko Wir sind zweieiige Zwillinge. Aber als wir jünger waren, sahen wir uns wirklich komplett ähnlich. Unser Fußballtrainer stand am Spielfeldrand und hat einfach auf gut Glück einen Namen gerufen in der Hoffnung, dass es der richtige ist. Für unseren Film wurden wir in der Maske komplett gleich geschminkt, die Haare sahen gleich aus. Ich wurde noch nie so oft verwechselt wie in dieser Zeit.

 

Gut ein Jahr lang ist euer letztes YouTube-Video jetzt her. Fehlt euch das?

Roman Wir vermissen YouTube nicht. Es war eine schöne und sehr prägende Zeit. Aber wir hatten immer einen kreativen Druck, ein- bis zweimal die Woche ein neues Video hochzuladen. Der Druck ist jetzt nicht mehr da. Was nicht heißt, dass wir weniger Arbeit haben. Im Gegenteil, das ist gerade sehr viel und das macht auch Spaß. Aber wir können uns den Sachen widmen, die wir am allermeisten lieben.

 

Wie geht es jetzt weiter?

Roman Wir haben immer gesagt, es ist kein Karriere-Ende und keine Trennung. Wir sind erwachsen geworden und nicht mehr die zwölfjährigen Lochis. In Zukunft wird die Musik im Vordergrund stehen. Wir sind sehr happy. Wir haben schon einen Sound gefunden. Wir sind total gespannt, wenn es dann dieses Jahr so weit sein wird und die ersten Songs herauskommen.

 

Ihr seid damals zu Beginn eurer Karriere als Die Lochis sehr schnell berühmt geworden. Was würdet ihr künftigen YouTubern raten?

Heiko Bei uns ging es sogar noch, das war ein relativ organischer Prozess. Uns kam es nie so vor, als hätten wir einen Riesenhype gehabt. Was ich generell raten kann, ist, die Demut nicht zu verlieren. Wenn man irgendwann erfolgreich ist und mit dem, was man liebt, Geld verdienen kann, ist das ein Riesenprivileg. Man darf nicht vergessen, dass das nicht selbstverständlich ist und dass es ein Geschenk ist. Und das sollte man behüten wie ein Baby und einfach alles dafür geben, damit es nicht verloren geht.

Roman Und man sollte auf sich selbst hören und sich nicht in dieser schnellen Welt verlieren.
Heiko Das Showbusiness ist teilweise wie ein Haifischbecken. Wir haben selbst negative Erfahrungen damit gemacht.

Roman Es gab auch eine Zeit, da waren wir beide ein bisschen kaputt und haben über den Verhältnissen gelebt. Da waren wir extrem naiv und haben Leuten vertraut, die uns negativ beeinflusst haben.

 

Was hat euch in dieser Zeit geholfen, am Boden zu bleiben?

Heiko Wir wohnen immer noch zu Hause, bei unseren Eltern, die Freunde in der Nähe. Und wenn mal einer von uns durchdreht, dann kriegt er es mit seinem Zwillingsbruder zu tun und der holt ihn direkt auf den Teppich zurück. DPA