Die Geschichte einer Entfremdung

Menschen / 18.05.2020 • 21:51 Uhr
Als Harry und Meghan am 19. Mai 2018 heirateten, sah alles nach einem modernen Märchen aus. AFP
Als Harry und Meghan am 19. Mai 2018 heirateten, sah alles nach einem modernen Märchen aus. AFP

Harry und Meghan und ihr Verhältnis zur Öffentlichkeit.

London, Los Angeles Als die US-Schauspielerin Meghan Markle (heute 38) und Prinz Harry (heute 35) am 19. Mai 2018 in Windsor heiraten, wird das verschlafene Städtchen an der Themse westlich von London von Zehntausenden Besuchern aus dem In- und Ausland überrannt.

Die ganze Welt scheint entzückt von diesem Paar: Harry hat sich vom traurigen kleinen Buben, der mit gesenktem Kopf und geballten Fäusten hinter dem Sarg seiner Mutter hertrottete, über den aufmüpfigen Party-Prinzen zum Hoffnungsträger der britischen Monarchie gewandelt. Er läuft gar seiner Großmutter, Queen Elizabeth II. (94), den Rang als beliebtestes Mitglied der Königsfamilie ab. Meghan gilt als unabhängig, selbstbewusst und als Vertreterin einer neuen Generation von Feministinnen. Im Vergleich dazu kommen Harrys Bruder Prinz William (37) und seine Frau Kate (38) als geradezu langweilig daher.

Zauber verflogen

Zwei Jahre später ist der Zauber verflogen. Harry und Meghan haben ihre Verbindungen zum Königshaus teilweise gekappt. Auf die Anrede „Königliche Hoheit“ verzichten sie. Auch die Marke „Sussex Royal“, unter der sie ihre Webseite und ihre Social-Media-Kanäle betrieben, ist nun tabu. Sie leben inzwischen in Los Angeles (USA). Harry ist in der Beliebtheitsskala der Royals auf Platz vier gerutscht. Ein Großteil der Briten findet, er sollte nicht mehr finanziell von seinem Vater Prinz Charles unterstützt werden. Wie konnte es dazu kommen?

Boulevardmedien schuld?

Die Antwort könnte im stets schwierigen Verhältnis von Harry und Meghan zur Öffentlichkeit, vor allem zu den Boulevardmedien liegen. Bereits vor der Hochzeit hatte sich Harry in einer Mitteilung über „eine Welle der Beleidigung und Belästigung“ gegen seine damalige Freundin durch die Medien beschwert.

Harry macht kein Geheimnis daraus, dass er die Schuld am Tod Prinzessin Dianas in erster Linie bei den Paparazzi sieht, die ihr und ihrem damaligen Freund Dodi Al Fayed in dieser verhängnisvollen Nacht in Paris im Sommer 1997 hinterherjagten. „Die Leute, die den Unfall verursacht hatten, machten Fotos von ihr anstatt zu helfen, als sie auf dem Rücksitz im Sterben lag“, sagte er der BBC in einer Doku zum 20. Jahrestag des tödlichen Autounfalls. Auch der Dauerzwist mit Meghans Vater Thomas Markle ist nach Ansicht des Paares das Werk skrupelloser Journalisten der „Mail on Sunday“, wie aus Gerichtsdokumenten hervorgeht. Auch der „Megxit“ lässt sich auf den Konflikt mit der Presse zurückführen.

Zukunftspläne

Was sie für die Zukunft planen, ist bisher nur in groben Umrissen bekannt. Das Paar bestätigte, dass es in den USA einen Antrag auf die Eintragung der Marke „Archewell“ für eine wohltätige Organisation gestellt hat.

Doch dass die beiden von L. A. aus dieselbe Magie noch einmal entfesseln können, könnte möglicherweise schwieriger sein als gedacht. Harry dürfte sich
darüber im Klaren sein. Dem US-Magazin

„Newsweek“

sagte er einmal: „Echter Mist wäre, in einer Position zu sein, in der man etwas bewegen könnte, aber die Leute hören dir nicht zu.“