Elyas M’Barek spricht im “VN”-Interview über Starruhm und die Vorbereitungen zum Film “Der Fall Collini”.

Menschen / 19.04.2019 • 16:00 Uhr
Elyas M'Barek hat mit "Fack Ju Göhte" Starruhm erreicht.   Vienna Press / Andreas TISCHLER
Elyas M’Barek hat mit “Fack Ju Göhte” Starruhm erreicht. Vienna Press / Andreas TISCHLER

Der Schauspieler verkörpert im Film einen jungen Anwalt.

Wien Er ist einer der besten und wichtigsten Autoren im deutschen Sprachraum. Seine Erzählungen werden regelmäßig verfilmt. Wie eben „Der Fall Collini“, der erste Roman von Ferdinand von Schirach. Hauptdarsteller ist Elyas M’Barek als junger Anwalt.

War es für Sie wichtig, nach dem Megaerfolg der drei „Fack Ju Göhte“-Späße eine Hauptrolle im „dramatischen“ Fach zu spielen?

Es war eine tolle Zeit mit „Fack Ju Göhte“, aber, als Schauspieler möchte man auch einmal etwas Anderes machen, sich nicht festfahren. Es geht ja darum, den Zuschauer emotional zu erreichen.

Als junger Anwalt Caspar Leinen werden Sie zum Pflichtverteidiger des 70jährigen Italieners Fabrizio Collini, der anscheinend grundlos den Großindustriellen Hans Meyer in dessen Berliner Hotelsuite erschossen hat. Wie haben Sie sich auf diese Rolle vorbereitet?

Unter anderem durch Gespräche mit Rechtsanwälten und dem Autor Ferdinand von Schirach und auch durch Besuche im Gerichtssaal.

Ihre Figur wird anders als im Buch gezeichnet. Warum?

Im Buch stammt der Anwalt aus derselben Gesellschaftsschicht wie das Mordopfer, im Film kommt er aus einem anderen Milieu. Ich glaube, das macht die Konflikte des jungen Anwalts bei seinen Recherchen greifbarer.

Was hat Ferdinand von Schirach zu den Veränderungen gesagt?

Er wurde immer gefragt. Wäre er mit etwas nicht einverstanden gewesen, hätte er es sicher sofort gesagt.

Kannten Sie Schirachs Bücher?

Ich habe sie alle gelesen und bin ein großer Fan. Was mich besonders fasziniert, ist die unglaubliche Nüchternheit seines Schreibstils. Alles wirkt so echt, so authentisch, so nah am Leben. Wenn man seine Bücher liest, ist man sofort Teil der Geschichte. So ging es mir auch mit dem „Fall Collini“.

Wie haben Sie sich bei den vielen Szenen im Gerichtssaal gefühlt?

Der Gerichtssaal wirkt sehr imposant, nicht wahr? Er wurde extra gebaut, sieht sehr amerikanisch aus und erinnert an große US-Gerichtssaalthriller. Auch die Figur des von Heiner Lauterbach gespielten Staatsanwalts gemahnt an amerikanische Vorbilder.

Der Mann, den Sie verteidigen, wird von Franco Nero verkörpert. Er hat kaum mehr Sätze als die Buhlschaft im „Jedermann“ zu sprechen, ansonsten redet sein Gesicht?

Ja., und es ist unglaublich, wie er das – fast ohne Worte, nur mit Gestik – macht, wie er einen anschaut mit seinen blauen Augen. Das zeigt, warum er eine solche Legende ist. Grundsätzlich bin ich von großen Namen nicht so beeindruckt, sondern mich interessiert viel mehr, wie sie als Menschen sind und wie sie mit ihrer langen Karriere umgehen. Und da kann ich über Franco nur das Beste sagen.

Sie sind Pass-Österreicher. Haben Sie noch genug Zeit, Ihre Familie in Oberösterreich zu besuchen?

Ich komme immer gern nach Österreich. Egal wohin. Die Kontakte reißen nie ab.

In vielen Städten sehen Sie Ihr Konterfei auf Riesenplakaten, der Fanansturm ist groß. Wie kommen Sie mit dem, was man „Starruhm“ nennt, zurecht?

Das sehe ich relativ gelassen. Es hindert mich nicht daran, zu Hause ein ganz normales Leben zu führen. Und: Wenn nicht gerade einer meiner Filme in den Kinos ist, flacht das alles immer wieder ab. Glauben Sie mir: Wenn ich anonym sein möchte, kenne ich auch Wege, um anonym zu bleiben. Von Ludwig Heinrich