“Künstliche Intelligenz hilft beim Suchen, nicht beim Verstehen”

Markt / 27.02.2026 • 12:57 Uhr
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Vor 13 Jahren hat Friederike Hehle ihre Geschichtsagentur “historizing” gegründet.VN/REH

Wie Digitalisierung und KI die Arbeit in der Geschichtsagentur von Friederike Hehle verändern.

Schwarzach Wie verändern Digitalisierung und Künstliche Intelligenz die Arbeit einer Agentur, die sich mit Unternehmensgeschichten befasst? “Sehr stark”, sagt Friederike Hehle, die in Schwarzach mit der Firma historizing eine Agentur für Geschichte betreibt.

Was ist relevant?

“Vor ein paar Jahren führte der Weg noch viel öfter physisch in Archive. Heute ist vieles digital verfügbar, und es gibt KI-gestützte Werkzeuge”, beschreibt die studierte Kunsthistorikerin und Betriebswirtin die veränderte Recherche. “Es steht eine enorme Fülle an Informationen zur Verfügung. Umso wichtiger wird deren Einordnung: Was ist relevant? Was ist belastbar? Das Entscheidende zu finden, hat eine neue Bedeutung bekommen.”

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Das Buch hat Hehle zum 70-Jahr-Jubiläum von Alpla gestaltet.VN/REH

Im Geschichtsstudium beschäftige man sich intensiv mit Quellenkritik. “Diese Fähigkeit, gute von schlechten Quellen zu unterscheiden, ist heute wichtiger denn je. Auch die feinen Nuancen in Interviews mit Zeitzeugen erfordern menschliche Einordnung. Erfahrung und Kontextwissen lassen sich nicht einfach automatisieren.”

Nicht konjunkturabhängig

Sorgen, dass KI ihre Arbeit ersetzt, hat Hehle deshalb nicht. “Meine Tätigkeit ist wenig konjunkturabhängig. Anlass ist zwar oft ein Jubiläum, doch meist sind es Eigentümer, die schon lange den Wunsch haben, sich mit der Geschichte ihres Unternehmens auseinanderzusetzen.”

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Geschichte ist für Friederike Hehle viel mehr als ein nostalgisches Zurückblicken.VN/REH

Das geschieht auf vielfältige Weise: als Buch oder als Serie kleiner Geschichten auf digitalen Kanälen. “Ein Klischee ist, dass nur traditionsreiche Unternehmen mit mehr als 100 Jahren Geschichte dafür infrage kommen. Ich bekomme auch Anfragen von Betrieben, die erst 15 oder 20 Jahre alt sind. Es ist vor allem eine Frage der Haltung, ob man sich für die eigene Geschichte interessiert”, erklärt die Unternehmerin.

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Gerade wurde das Buch zu 175 Jahre Wirtschaftskammer Vorarlberg fertiggestellt.VN/REH

Geschichte endet nicht

Für Hehle ist Geschichte kein nostalgischer Rückblick. “Sie endet nicht – sie wirkt in die Zukunft.” Unternehmensgeschichte sei vertrauensbildend, auch in der Außenwahrnehmung. “Man lernt ein Unternehmen emotional kennen, versteht Entscheidungen im Kontext und erkennt, wie Identität und Werte gewachsen sind. Das stärkt Mitarbeiterbindung, Positionierung und Glaubwürdigkeit – und ist damit ein strategisches Asset.” Wichtig sei dabei Offenheit: “Wenn immer alles glatt läuft, wirkt das unglaubwürdig. Auch Herausforderungen gehören zur Geschichte.”