“Lösungen erarbeiten, die keine der beiden Seiten überfordert”

Der Metaller-Kollektivvertrag ist ein Prüfstein in einer Zeit, in der österreichische Wirtschaft mit einer nie dagewesenen Rezession zu kämpfen hat. Sie sei aber auch eine Chance für das Modell Sozialpartnerschaft, das Österreich zu Wohlstand führte, sagt der neue Geschäftsführer der Gewerkschaft GPA.
Schwarzach, Wien Ende Juni hat der Bundesvorstand der Gewerkschaft GPA Mario Ferrari einstimmig zum Bundesgeschäftsführer bestellt. Der 43-Jährige, zuletzt Geschäftsführer der GPA Wien und seit April im Leitungsteam der Abteilung Interessenvertretung, die für die Kollektivverträge im Wirkungsbereich der Gewerkschaft GPA verantwortlich ist, ist Nachfolger des langjährigen Geschäftsführers, des Vorarlbergers Karl Dürtscher, der verstorben ist (die VN berichteten).
Ins Hintertreffen geraten
Eine lange Einarbeitungsphase hat der Gewerkschafter, der aufgrund seiner bisherigen Tätigkeit die Materie kennt, nicht, wie er bei Besuch der VN-Redaktion feststellt. Denn der Wirtschaftsstandort Österreich hat schwere Jahre hinter und vor sich – ist nach zahlreichen guten Jahren ins Hintertreffen gekommen. Verantwortlich sind wirtschaftspolitische Fehlentscheidungen in Österreich, hohe Energiekosten, die zusammen mit anderen Faktoren zu einer nicht nachlassenden Inflation führen und der längsten Krise in der Zweiten Republik führten, und natürlich das geopolitische Umfeld, das es auch nicht einfacher mache, wieder auf die Erfolgsspur zu finden, analysiert der Gewerkschafter die aktuelle Lage.
“Es wäre an der Zeit, mehr Optimismus zu präsentieren, man darf nicht alles schlecht machen, sondern positiv an die Sache herangehen.”
Mario Ferrari, Geschäftsführer GPA Österreich
Ferrari übernimmt mit seiner Berufung zum Geschäftsführer auch die Leitung der Kollektivvertragsarbeit in der Gewerkschaft GPA und wird Chefverhandler der Angestellten in der Herbstlohnrunde. Ferrari: “Mit über 170 Kollektivverträgen (KV) sichert die Gewerkschaft GPA die Gehälter, Arbeitszeiten und Arbeitsbedingungen von über zwei Millionen unselbständig Beschäftigten in Österreich.” Unter den 170 KVs sticht einer besonders hervor: Der Metaller-KV gilt als “Mutter aller Kollektivverträge”, an ihm richten sich in der Regel alle weiteren Lohnverhandlungen aus. “Wir müssen Lösungen erarbeiten, die keine der beiden Seiten überfordert”, gibt er zusammen mit GPA-Landesgeschäftsführer Marcel Gilly einen Ausblick auf das, was kommt. Natürlich müsse die Inflation abgegolten werden, die Arbeitnehmer haben in den vergangenen Jahren bereits unter den Preiserhöhungen zu leiden gehabt, stellt Ferrari fest.
“Es braucht eine Plan”
“Fakt ist, dass es Lösungen braucht, und da müssen nun die Sozialpartner zusammenarbeiten – er habe ein gutes Gefühl, dass man in dieser herausfordernden Situation auch mit konstruktiven Gesprächen zu Ergebnissen komme. “Das ist eine Chance für die Sozialpartnerschaft, sind sich Ferrari und Gilly sicher. Was es aber auch brauche, sei eine Regierung, die nun die richtigen Maßnahmen setze, um aus der Situation, in die sich Österreich gebracht habe, herauszufinden. Es brauche nicht Bekundungen, was man vorhabe, sondern tatsächlich einen Plan, der auch umgesetzt werde, denn derzeit investiere die Wirtschaft nicht, weil alles unsicher ist und die Menschen geben ihr Geld nicht aus, weil sie Angst vor einer ungewissen Zukunft haben. “Es wäre an der Zeit, mehr Optimismus zu präsentieren”, sagt der GPA-Geschäftsführer.
Man dürfe jetzt nicht alles schlechtreden, sondern müsse positiv an die Sachen, die anstehen, herangehen. Zu den Sachen zählt auch die Inflation, deshalb begrüße er, dass nun die Preisaufschläge im Handel ein Thema seien – “Da braucht es auf europäischer Ebene eine Harmonisierung”, und da müssen auch die österreichischen Vertreter ihre Stimme erheben, fordert Ferrari. Die derzeitige Lage jedenfalls sei inakzeptabel für die vielen Menschen, die darunter leiden.