Weniger Alkohol, weniger Saft: Was jungen Deutschen jetzt besonders schmeckt

Markt / 28.07.2025 • 18:01 Uhr
Mocktail
Getränke ohne Alkohol liegen im Trend: Doch gerade die jungen Konsumenten wollen neue Produkte wie z. B. diesen Mocktail “Cranberry-Rosmarin-Limonade” ausprobieren. FA/Rauch

Deutschland ist der wichtigste, aber auch herausforderndste Markt im Lebensmittelhandel. Derzeit kämpfen die Fruchtsafthersteller dort mit einem starken Rückgang. Und Jugendliche wählen andere antialkoholische Getränke. So begegnen die Vorarlberger Getränkehersteller darauf.

Bonn, Lauterach, Rankweil Die Deutschen lieben Fruchtsaft, besonders wenn er aus Orangen gepresst ist – oder sollte man sagen, sie liebten Fruchtsaft. Denn in den vergangenen Jahren ist der Fruchtsaftkonsum am wichtigsten europäischen Markt kontinuierlich zurückgegangen. Der Pro-Kopf-Verbrauch sank in den vergangenen Jahren von 26 Litern auf 24 Liter pro Kopf im Jahr 2024. Der Konsum von 100-Prozent-Fruchtsäften sank um 2,5 Liter, allerdings stieg der Konsum von Nektaren um 0,5 Liter pro Kopf.

Pfanner Fruchtsäfte
Peter Pfanner, Pfanner Fruchtsäfte: “Wir setzen auf Innovationen bei Fruchtsaftmixgetränken, Eistees und Nektaren.” Fa

Doch nicht nur das: Laut Untersuchungen im Handel brechen vor allem die Jugendlichen als Käuferschicht weg – bis zu 50 Prozent weniger Fruchtsäfte werden von ihnen gekauft. Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) dokumentiert für den Zeitraum von 2001 bis 2023 einen deutlichen Rückgang der Zahl der 12- bis 17-jährigen Mädchen und Jungen, die schon einmal Alkohol getrunken haben. Auch in der Altersgruppe der 18- bis 25-jährigen Männer ist der regelmäßige Alkoholkonsum seit 2014 kontinuierlich gesunken. Besonders stark ist der Rückgang bei jungen Frauen dieser Altersgruppe: Zwischen 2021 und 2023 sank ihr regelmäßiger Alkoholkonsum von 25,4  auf 16,7 Prozent. Der Verband der deutschen Fruchtsaft-Industrie reagiert jetzt mit einer Kampagne, die Mocktails, also Cocktails mit Fruchtsäften, aber ohne Alkohol, in den Mittelpunkt stellt.

Wichtigster Exportmarkt

Deutschland ist der wichtigste Exportmarkt der Vorarlberger Getränkehersteller Pfanner und Rauch, die beide von den großen Lebensmittelhändlern gelistet und in der Gastronomie gut vertreten sind. Dass der Kauf von Fruchtsäften zurückgegangen ist, wird von beiden Unternehmen ebenfalls festgestellt. Besonders Orangensaft – der in Deutschland beliebteste Saft – ist vom Rückgang betroffen. Ursache sind die starken Preissteigerungen für Orangensaftkonzentrat, erklärt Peter Pfanner, der froh ist, dass Pfanner bei den Fruchtsäften den Schwerpunkt im Bereich Apfelsaft hat und ansonsten mit einem breiten Produktsortiment aufgestellt ist. Entgegen dem Trend am Fruchtsaftmarkt konnte Pfanner in Deutschland den Umsatz steigern, so der Firmenchef. Eine Kampagne für die junge Zielgruppe sieht er dennoch als sinnvoll an. Er weiß aber auch, dass ein Produkt weiter stark gefragt ist: “Der Absatz von Energydrinks steigt weiter explosionsartig.” Bei Pfanner setzt man auf Innovationen bei den Getränken, auf Fruchtsaftmixgetränke, Eistees, bei welchen die Lauteracher Marktführer in Deutschland sind, und Nektare und konnte so dem Trend trotzen, berichtet er.

Vielfalt als Erfolgsrezept

Beim Getränkehersteller Rauch setze man insgesamt und in Deutschland auf Vielfalt als Erfolgsrezept. “Viele der Getränke, die gerade bei jungen Konsumenten beliebt sind, fallen gesetzlich gar nicht in die eng gefassten Kategorien ‚Fruchtsaft‘ oder ‚Fruchtnektar‘”, informiert Rauch-Geschäftsführer Daniel Wüstner auf VN-Anfrage, “so bleiben beliebte Fruchtsaftmischgetränke oder innovative saftbasierte Produkte in der Statistik außen vor – obwohl sie im Markt an Bedeutung gewinnen.” “Wir entwickeln laufend neue Sorten und Getränke, die aktuelle Trends und Geschmäcker aufgreifen”, erklärt Wüstner. Dabei gibt es auch durchaus Parallelen zur Kampagne der deutschen Fruchtsafthersteller: Rauch hat die “Happy Day Cocktail-Kampagne” gestartet, bei der es um kreative Rezeptideen mit Fruchtsaft gehe.

Daniel Wüstner: "Die Stimmung in den USA ist viel unternehmensfreundlicher als in Europa." 
Rauch-Geschäftsführer Daniel Wüstner: “Wir entwickeln laufend neue Sorten und Getränke, die aktuelle Trends und Geschmäcker aufgreifen.” FA

Man sei auch aufgrund der Breite des Portfolios und starker eigener Marken in Deutschland vom Rückgang bei Fruchtsäften nicht tangiert und konnte Umsatz und Marktanteil steigern: Die Rankweiler bieten neben den klassischen Fruchtsäften und Spezialitäten, Saftmischungen, Eistees bis hin zur Gastronomie-Marke Franz Josef Rauch auf vielfältigen Absatzkanälen an.