Michael Hagspiel bringt Hanf auf die Baustelle

Bregenzerwälder Unternehmer will nachhaltige Alternative in Vorarlberg etablieren.
Krumbach Michael Hagspiel (38) hat ein besonderes Gespür für Materialien. Seit Jahren fertigt er in seiner Manufaktur Möbel und Accessoires aus Beton. Nun zieht es ihn auf neues Terrain: Er baut ein zweites Standbein auf, und dabei spielt ein Baustoff die Hauptrolle, der hierzulande kaum bekannt ist – HanfKalk.

Fasziniert vom Baustoff
Zum ersten Mal kam er damit auf der Baustelle der Manufaktur von ClarissaKork in Krumbach in Berührung, auf der er selbst tätig war. Clarissa Steurer hatte den Südtiroler Bauunternehmer und Hanfpionier Werner Schönthaler eingeladen. Sie wollte ihre Wände aus HanfKalk errichten lassen – eine Idee, die Hagspiel sofort faszinierte. “Mich hat das einfach nicht mehr losgelassen”, sagt er. Warum, fragte er sich, kennt man diesen Baustoff in Vorarlberg kaum? Und warum macht das hier niemand? Aus dieser Frage wurde schnell ein Plan – und schließlich sein Unternehmen.

Hanf, Kalk und Wasser
Die Hanfwand besteht aus Hanfschnipseln, Kalk und Wasser. Die Masse wird erdfeucht angerührt und dann – ähnlich wie Lehm – Schicht für Schicht von Hand gestampft. Es entsteht eine feste, atmungsaktive Wand, die sich durch besondere bauphysikalische Eigenschaften auszeichnet. “Sie ist feuchtigkeitsregulierend, sie nimmt überschüssige Feuchtigkeit auf und gibt sie bei Bedarf wieder ab”, erklärt der Bregenzerwälder.

Die Wände aus HanfKalk seien kein tragendes Bauteil, es brauche immer ein statisches Skelett, wie etwa Holzständer. Dafür benötige man aufgrund der Dicke von rund 40 Zentimetern keine zusätzliche Dämmung. Ist die Wand einmal fertig gestampft, kann sie so bleiben – es braucht keinen Putz, keinen Maler, keinen Spachtel.

Außerdem eigne sich HanfKalk auch gut zur Vorfertigung in der Zimmerei und garantiere so einen schnelleren Bauablauf. “Es ist ein nachhaltiger Baustoff und neben Holz oder Lehm eine neue Option. Außerdem sind die Hanfwände CO2-negativ. Das heißt, sie nehmen mehr Kohlendioxid auf, als bei der Herstellung entsteht.” Und auch Schädlinge machen einen Bogen darum. “Das Material hat in jeder Hinsicht Zukunft”, sagt Hagspiel.


Weitere sollen folgen
Noch steht das erste und bislang einzige HanfKalk-Projekt Vorarlbergs in Krumbach. Doch Hagspiel ist überzeugt, dass bald weitere folgen. Mit seinem jungen Unternehmen Hanf Wand Werk will er den Baustoff in der Region bekannt machen. Nicht als exotisches Nischenprodukt – sondern als zukunftstaugliche Lösung für nachhaltiges Bauen.
Veranstaltung mit Werner Schönthaler und Michael Hagspiel zum Baustoff HanfKalk am 27. Juni um 17 Uhr bei ClarissaKork in Krumbach; Anmeldung unter michael@hanfwand.at.