Innovationsquartier Bregenz droht zu scheitern

Markt / 16.06.2025 • 16:27 Uhr
Fritz am See, Siemens-Areal, Weiherviertel
Das Siemens-Areal von oben, hier wäre das Innovationsquartier entstanden.

Widrigkeiten und Verzögerungen: Siemens sucht nach alternativem Standort.

Bregenz Keine guten Nachrichten gibt es für den Wirtschaftsstandort Bregenz. Denn die im Mai 2022 vom Standort- und Projektentwickler Prisma vorgestellten Pläne für die Errichtung des Innovationsquartiers Bregenz am derzeitigen Vorarlberg-Stammsitz von Siemens werden wohl ohne diesen prominenten Ankermieter umgesetzt. Das ehrgeizige Projekt hatte schon in der Planungsphase mit erheblichen Widrigkeiten und Verzögerungen zu kämpfen. 

Siemens
Der Siemens-Standort in Bregenz.

Monatelanger Planungsstopp

So ist unter Insidern schon länger bekannt, dass für das Projekt im Jänner 2025 ein Planungsstopp verhängt wurde. Die ursprünglichen Pläne, wonach im Herbst 2025 mit den ersten Bauarbeiten begonnen werden soll, sind längst Makulatur. Bislang hat noch nicht einmal eine Baueingabe für das mehr als 65 Millionen Euro schwere Projekt mit drei großen Baukörpern, zweigeschossiger Tiefgarage und 9400 Quadratmeter Nutzfläche stattgefunden. Siemens sollte laut Vereinbarung 1200 Quadratmeter dieser Fläche mieten. An den Gewerbeflächen im Erdgeschoss soll sich dennoch nichts ändern, heißt es bei Prisma.  Der mit Siemens vereinbarte Zeitplan ist allerdings ob der Verzögerungen nicht zu realisieren.

Siemens sucht nach Alternative

In den vergangenen Wochen haben zudem Informationen die Runde gemacht, wonach Siemens auf der Suche nach einem alternativen Standort außerhalb von Bregenz ist. In konkreten Gesprächen sind etwa bereits bestehende, aber nicht vollständig genutzte Industriegebäude in Wolfurt und Hohenems sowie ein Neubau für Siemens im Millennium Park in Lustenau. Dieses Betriebsgebiet mit vielen auch technologisch ausgerichteten Betrieben wird von Prisma seit vielen Jahren entwickelt. Im letzten Detail bestätigen möchten das die maßgeblich beteiligten Projektpartner Prisma als Investor und Eigentümer und Siemens als wichtigster zukünftiger Kernmieter derzeit zwar noch nicht. Allerdings lassen die Statements erahnen, wohin die Reise geht.

So bestätigt Siemens-Vorarlberg-Leiter Mike Pichler, dass Siemens derzeit viele Optionen prüfe. Nicht zuletzt aufgrund der deutlichen Verzögerungen während der Planungen sei es nachvollziehbar, dass der Konzern jetzt endlich Planungssicherheit für den Umzug wünsche. Die Optionen würden deshalb auch explizit die Prüfung alternativer Standorte außerhalb von Bregenz, aber in Vorarlberg beinhalten. “Wir benötigen jetzt so rasch wie möglich eine Entscheidung, wir brauchen Klarheit für unseren zukünftigen Standort”, so Pichler. Denn Prisma habe signalisiert, dass man den Zeitrahmen in Bregenz vermutlich nicht einhalten werde können.

Mike Pichler
Mike Pichler (Siemens).

Gestaltungsbeiräte-Debatten

Prisma-Vorstandsvorsitzender Bernhard Ölz sagt, dass das Zeitfenster für die Umsetzung des Innovationsquartiers Bregenz immer kleiner geworden sei. “Wir sind hier vertraglich und terminlich eng gebunden.” Maßgeblich dafür verantwortlich sei die mehr als einjährige Verzögerung aufgrund der Unstimmigkeiten zwischen den Gestaltungsbeiräten von Stadt und Land. Dazu seien zuletzt vermehrt Probleme mit Anrainern gekommen, die das Projekt nach Überarbeitung und Freigabe durch die Gestaltungsbeiräte weiter verzögert hätten.

Prisma
Bernhard Ölz.

Vermutlich ein Wohnquartier

Das sich abzeichnende Aus für das Innovationsquartier Bregenz bedeutet jedoch nicht automatisch das Aus für das millionenschwere bauliche Investitionsvorhaben. Wie Ölz sagt, könnte es jetzt tendenziell in Richtung eines hochwertigen Wohnquartiers gehen. “Das passt an diesem Standort auch sehr gut.”