“Homeoffice ist gekommen, um zu bleiben”

Das erste „Vorarlberger Personalbarometer“ zeigt: Flexible Arbeitsmodelle sind in vielen Unternehmen längst Realität.
Dornbirn “Homeoffice ist kein Corona-Phänomen”, sagt Hannes Tschütscher, Hochschullehrer für Personalmanagement und Arbeitspsychologie an der Fachhochschule Vorarlberg. In einer aktuellen Erhebung hat er sich eingehend mit der Arbeitsrealität in Vorarlberger Unternehmen beschäftigt. Das Ergebnis seiner Untersuchung ist nun im erstmals erschienenen “Vorarlberger Personalbarometer 2025” veröffentlicht.
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Zwei Drittel machen es möglich
Befragt wurden 82 Personalverantwortliche aus Vorarlberg. Eines der zentralen Ergebnisse: In zwei Dritteln der Unternehmen sind für Vollzeitkräfte – sofern ihre Tätigkeit nicht an einen festen Arbeitsplatz gebunden ist – zwei oder mehr Homeoffice-Tage pro Woche möglich. Und: Eine Rückkehr zur Präsenzpflicht steht bei den meisten Firmen derzeit nicht zur Debatte. Vier von fünf Organisationen planen in den kommenden zwölf Monaten keine Änderung ihrer bestehenden Homeoffice-Regelungen.

“Damit widerspricht die Realität klar der öffentlichen Debatte rund um eine vermeintliche Rückkehr ins Büro – angefacht durch die Schlagzeilen großer Konzerne”, sagt Tschütscher. Die Ergebnisse der Erhebung decken sich auch mit internationalen Studien, etwa aus Deutschland oder den USA: Dort hat sich der Anteil der Beschäftigten im Homeoffice seit 2022 stabil bei rund 25 Prozent eingependelt.
Das Thema bleibt
Für Tschütscher steht fest: Homeoffice ist gekommen, um zu bleiben. “Auch weil Daten und Studien bestätigen, dass hybrides Arbeiten positive Auswirkungen auf Motivation und Mitarbeiterbindung hat”, so der Hochschullehrer. Auch die lange verbreitete Skepsis gegenüber Homeoffice, insbesondere unter älteren Führungskräften, nehme zunehmend ab.
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Ein eindeutiges Fazit zur Produktivität sei hingegen schwieriger zu ziehen, betont Tschütscher. Zwar würden die meisten Studien der vergangenen Jahre neutrale bis positive Effekte feststellen, letztlich hänge der Einfluss jedoch stark von Branche und Tätigkeit ab.
Einen Nachteil will er aber nicht verschweigen: “Wer ausschließlich von zu Hause arbeitet, wird bei Beförderungen häufiger übersehen – schlicht, weil er oder sie weniger sichtbar ist.”
Überrascht hat Tschütscher ein weiteres Ergebnis der Studie: Rund ein Drittel der befragten Unternehmen gewährt den Mitarbeitenden bei der Arbeitszeitgestaltung weitgehende Freiheit – mit Kernarbeitszeiten unter drei Stunden oder gänzlich ohne feste Regelung. “Besonders größere Betriebe geben ihren Mitarbeitenden mehr Spielraum bei der Tagesplanung. Viele Unternehmen setzen auf Eigenverantwortung und Vertrauen.”
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Wer mitzieht, gewinnt
Jedenfalls bleiben die Themen Arbeitszeit und Arbeitsplatzautonomie die großen Trends im Recruiting, ist sich der Hochschullehrer sicher. “Es gibt einen klaren Wunsch nach einer flexiblen Mischung aus Büro und Homeoffice. Unternehmen, die darauf nicht reagieren, gefährden ihre Attraktivität als Arbeitgeber.”
Am 21. Mai um 19 Uhr gibt Hannes Tschütscher an der Fachhochschule detaillierte Einblicke in das Vorarlberger Personalbarometer 2025. Anmeldung unter www.fhv.at