Wie Vorarlberg wieder zum Land der Eigentümer werden kann

Traum vom Eigentum rückt für viele in weite Ferne. Experten schlagen Alarm – und fordern ein Umdenken in der Wohnbaupolitik.
Schwarzach Hohe Zinsen und die KIM-Verordnung haben in den vergangenen Jahren zu einem Paradigmenwechsel geführt: Statt Wohnraum zu kaufen, entscheiden sich immer mehr Vorarlberger fürs Mieten. Doch diese Entwicklung hat langfristige Folgen, warnt Günther Ammann, Geschäftsführer von Panorama Wohnbau und Sprecher der Vorarlberger Immobilien- und Vermögenstreuhänder. Dabei seien die Grundvoraussetzungen für Kaufinteressierte gut.
Nachteile für Generation
„Jungen Menschen wurde die Möglichkeit genommen, in Eigentum zu investieren“, sagt Ammann. „Das bringt einer ganzen Generation große Nachteile – denn ein zu großer Mietmarkt ist volkswirtschaftlich nicht erstrebenswert. Besonders im Hinblick auf Altersarmut: Wer in Pension geht und keine eigene Immobilie besitzt, hat ein deutlich geringeres verfügbares Einkommen.“

Auch die Bautätigkeit hält mit dem steigenden Wohnraumbedarf nicht Schritt. Fachgruppengeschäftsführer Hilmar Müller verweist auf eine Studie des Instituts IIBW von Wolfgang Amann, laut der jährlich rund 2800 neue Wohnungen nötig wären, um den Bedarf zu decken. Derzeit liegt der tatsächliche Output bei etwa 2000 Einheiten – und das wohl noch bis 2027. Die Folge: steigende Preise und Mieten. „20 Euro pro Quadratmeter Miete sind keine Seltenheit mehr“, sagt Immobilienunternehmerin und WKV-Vizepräsidentin Petra Kreuzer. Die Zeiten, in der alle Wohnungen in Neubauten schon vor dem ersten Spatenstich verkauft waren, seien vorbei.

Zahlreiche Betriebe entlang der Bau-Wertschöpfungskette würden aktuell von einer zunehmend angespannten Lage berichten. Um gegenzusteuern, hat die Branche eine Schnellumfrage durchgeführt – mit konkreten Lösungsvorschlägen.
Ein zentrales Anliegen ist die Verlängerung der Wohnbauförderung über das Jahr 2025 hinaus. Sie sei für viele die einzige Möglichkeit, Eigentum zu erwerben – und dürfe trotz Spardruck nicht gestrichen werden, heißt es aus der Branche.

Ebenso gefordert sei eine effizientere Nutzung bestehender Flächen, etwa durch höhere Baunutzungszahlen und verdichtetes Bauen. Auch die Rolle der Gestaltungsbeiräte wird kritisch gesehen: Diese würden in manchen Fällen über ihren rein beratenden Auftrag hinaus Einfluss nehmen.

Lenkungsinstrument Bankenabgabe
Ein weiterer Vorschlag: „Wir sehen auch die Bankenabgabe als mögliches Lenkungsinstrument“, sagt Müller. „Sie könnte so gestaltet werden, dass sie jenen Banken Vorteile bietet, die ihr Hypothekarkreditvolumen ausweiten.“