Trotz KIM-Verordnung: Einfamilienhäuser bleiben in Vorarlberg teuer

In Vorarlberg wurden im vergangenen Jahr über ein Drittel mehr Einfamilienhäuser als 2023 verkauft. Was nach Erholung ausschaut, scheint aber eher ein Nachzieheffekt zu sein.
Schwarzach, Lauterach Ist es ein Strohfeuer oder zeichnet sich eine nachhaltige Erholung am Markt für Einfamilienhäuser ab? Denn im vergangenen Jahr haben die Verkäufe in Vorarlberg deutlich angezogen – 75 Häuser mehr, das sind in Bezug auf das letzte Jahr sagenhafte 31,8 Prozent plus, haben den Besitzer gewechselt. Das sind 311 Verbücherungen, wie der Immospiegel des Immobilienspezialisten Remax zeigt. Doch so sehr das Plus von fast einem Drittel gegenüber 2023 vielleicht zu falschen Schlüssen verleitet, es bleibt nach 2023 die zweitgeringste Verkaufsmenge seit der Remax-Immospiegels 2009 erscheint. Im nationalen Mengenranking liegt Vorarlberg auf Rang neun, wobei Wien mit dem geringstmöglichen Vorsprung von nur einem Vertragsabschluss vorne liegt.

Die Steigerung der Verkäufe wirkt sich auch entsprechend auf den Gesamtumsatz aus. Der ist von 172 Millionen Euro im Vorjahr um 54 Millionen auf 226 Millionen Euro angewachsen. Und es wird nicht verwundern, dass auch hier mit einem Plus 31,3 Prozent unter den Bundesländern der prozentual zweitstärkste Anstieg verbunden ist. Vorarlberg übertrifft den österreichischen Durchschnitt um 13,1 Prozentpunkte.
Es ist eher ein Nachzieheffekt, der im vergangenen Jahr zu beoachten war, denn an den Preisen kann es nicht liegen. Im Durchschnitt sind die Preise für Einfamilenhäuser ist lediglich um 1,2 Prozent gesunken. Im Durchschnitt waren daher im vergangenen Jahr für ein EFH 684.109 Euro fällig. Zum Vergleich: Im Burgenland kostet ein Einfamilienhaus 202.704 Euro. Wohl mit ein Grund, dass in der vergangenen Jahren mehr Vorarlberger ihr privates Wohnglück im Burgenland suchen. Noch teurer als in Vorarlberg waren die Häuser 2024 in Wien (746.206 Euro) und Tirol (743.331 Euro).
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Die Worte „günstig“ und „Vorarlberg“ miteinander zu nennen, klingt fast schon zynisch, heißt es denn auch im Remax-Kommentar zur Entwicklung in Vorarlberg. „Günstig ist also relativ zu verstehen.“ Im Durchschnitt begann 2024 die Untergrenze für ein Vorarlberger Einfamilienhaus im oberen Preissegment bei 850.000 Euro. Im Hinblick auf die einzelnen Bezirke waren es mindestens 660.000 Euro (-14,0 Prozent) oder mehr für ein Einfamilienhaus in Bludenz, zumindest 786.750 Euro (-7,1 Prozent) in Dornbirn, zumindest 850.000 Euro (-2,7 Prozent) in Feldkirch und zumindest 937.625 Euro (-3,3 Prozent) in Bregenz. Während über alle Preissegmente hinweg die Preise geringfügig nach unten gingen, muss man, wenn man im Bezirk Feldkirch ein Haus kauft, sogar 1,5 Prozent mehr bezahlen – macht 703.507 Euro.
Ob das Plus im Jahr 2024 nur ein Lüftchen war oder ob es im laufenden Jahr zu einer weiteren Steigerung kommt, sehen Fachleute kritisch. Denn auch wenn das Ende der KIM-Verordnung naht, ist noch lange nicht ausgemacht, dass dies zum lang ersehnten Ende der Wohnbaukrise führt. Was die Finanzmarktaufsicht (FMA) als zuständige Behörde stattdessen plane, biete keinen Anlass zur Hoffnung darauf, dass die Kreditvergabe danach wesentlich erleichtert werde. Hypo-Vorstandsvorsitzender Michel Haller: “Es ist zu befürchten, dass eine Verschärfung durch die Hintertür kommt und dass es keine wirkliche Erleichterung bei der Kreditvergabe geben könnte.” Es bestehe die konkrete Befürchtung, dass die bislang zwar starren, aber klaren Regeln für die Banken in eine “unklare Regelung” übergehen. “Der Geist der KIM-Verordnung soll nämlich durchaus erhalten bleiben, hört man aus der FMA”, so Alge.