Trotz Preisexplosion: Diese Produzenten haben dennoch nicht mehr Erträge

Markt / 17.04.2025 • 13:24 Uhr
Die von Fairtrade Österreich unterstützten Produzenten erhielten 2021 knapp 70 Mill. Dollar durch den Verkauf ihrer Produkte.  FA
Mit den Beiträgen von Fairtrade Österreich werden die Produzentinnen und Produzenten sowohl beim Anbau als auch bei der Bildung unterstützt. FA

Hohe Preissteigerungen für „Bestseller“ im Fairtrade-Portfolio. Vorarlberger bleiben trotzdem treue Kunden, auch Firmen sind starke Partner.

Wien, Schwarzach „Höhere Preise sind grundsätzlich gut für die Bauern“, sagt der Geschäftsführer von Fairtrade Österreich, Hartwig Kirner, im Gespräch mit den VN, und schränkt gleich wieder ein. Dafür gibt es Gründe: „Die Ernte ist in mehreren Anbaugebieten ausgefallen.“ Die Ernte in Elfenbeinküste, einem der wichtigsten Anbauländer, brach 2024 um fast die Hälfte ein. Was bedeute: „Die Bauern bekommen zwar mehr für ihre Ernte, sie haben aber deutlich weniger geerntet.“

Nicht wirklich besser

Die Lage für die Genossenschaften, mit welchen Fairtrade zusammenarbeitet, sei also nicht wirklich besser geworden durch den Höhenflug der Preise bei Kakao, Kaffee und Orangensaft, drei der Bestseller im Programm des gemeinnützigen Vereins, der 1993 von Organisationen aus den Bereichen fairer Handel, Entwicklungspolitik, Bildung, Ökologie und Religion gegründet wurde.  Das Preishoch bei Kakao – die Preise für eine Tonne Kakao lag zeitweise bei 12.000 Euro (2023: ca. 3500 Euro), derzeit sind es rund 7000 Euro. Auch die Kaffeepreise steigen weiter – dafür sorgte auch US-Präsident Trump mit seinem Angriff auf den Welthandel. Da die gesamte Lieferkette herausfordernd für die Rohstoffverarbeiter ist, seien bei diesen leichte Rückgänge zu verzeichnen, so Kirner.

Trotz Preisexplosion: Diese Produzenten haben dennoch nicht mehr Erträge
Fairtrade Österreich-Geschäftsführer Hartwig Kirner: “„Die Bauern bekommen zwar mehr für ihre Ernte, sie haben aber deutlich weniger geerntet.“ FA

Mit einem kurz- oder mittelfristigen Rückgang sei also nicht zu rechnen, ist er sich sicher und ihm sei auch bewusst, dass es sich bei Schokolade und Kaffee grundsätzlich um Luxuslebensmittel handle. Umso mehr freut es den langjährigen Fairtrade-Geschäftsführer, dass die Vorarlberger Konsumenten auch nicht jetzt vor Ostern zu billigeren Produkten wechseln, sondern Fairtrade die Treue halten, „auch wenn es etwas teurer geworden ist“. „Vorarlberg ist ein gutes Land für Fairtrade“, macht er auf das Ost-West-Gefälle beim Konsum von Fairtrade-Produkten aufmerksam. Aber es sind nicht nur die Konsumenten, welche den fairen Handel unterstützen. Einige der größten Anbieter blau-grün gelabelter Süßigkeiten und Säften, sind in Vorarlberg beheimatet. Der Lebensmittelhändler Gunz gehört in Österreich zu den größten Abnehmern von Kakao, die Fruchtsafthersteller Pfanner und Rauch sind ebenso starke Partner wie Hämmerle Kaffee und die Großbäckerei Ölz setzt als erste Backwarenmarke weltweit zu 100 Prozent auf Fairtrade-Kakao, zählt Kirner auf.

Verbesserung der Situation

Die höheren Abnahmepreise für die Rohstoffe sollen  – neben einem höheren Verdienst für die Bauern – auch dauerhaft eine Verbesserung der ökonomischen Situation ermöglichen. Wichtige Themen sind dabei die Trainings für bessere Anbaumethoden, Schulen und einen starken Fokus, Frauen zu stärken mit Projekten wie der “Women School of Leadership”, um nur ein Projekt herauszuheben. Dass der langjährige Vorarlberger Partner nicht nur die höheren Preise für und Prämien zahlt, sondern auch selbst tätig wird, begeistert Kirner: „Es ist toll wenn sich Familienunternehmen wie Gunz zusätzlich engagieren“. Nach eigenen Angaben bezieht Gunz jährlich 1760 Tonnen Fairtrade-Kakao, bei einer Exkursion nach Elfenbeinküste fiel die Entscheidung neben den Prämien auch in Schulen zu investieren.

Michael Temel, Werner Gunz
Michael Temel und Werner Gunz, Gunz Warenhandels GmbH, machten sich in Elfenbeinküste selbst ein Bild von der Kakaoernte bei Fairtrade-Partnern. FA

Um die Bäuerinnen und Bauern vor Ort unterstützen zu können, sei es wichtig, in den großen Handelsketten Fuß zu fassen. Besonders gut gelungen ist das bei Spar – Österreichs größter Händler hat rund 1200 Fairtrade-Produkte im Sortiment. Nicht vergessen sollte man die Weltläden, die in Vorarlberg ein dichtes Netz haben. Sie haben ein anderes Sortiment – etwa Handwerksware  – „sehr viele engagierte Menschen sind „die Bannerträger von Fairtrade“, so Kirner, der hofft, dass das Konsumenteninteresse weiterhin hoch bleibt.