Wie Trump den Welthandel ins Chaos stürzt – und was Vorarlberger Unternehmer davon halten

Trumps neue Zoll-Weltordnung hätte massive Auswirkungen auf Wirtschaftsentwicklung – auch im Exportland Vorarlberg. Doch wer sagt, dass er die Pläne nicht wieder ändert?
Washington, Schwarzach „Den einen – Putin – beschimpfen wir, den anderen – Trump – lachen wir aus“, formulierte Walter Fürst in Bezug auf die europäische Dipomatie kürzlich in einem Leserbrief in den VN. Die „Gags“ von Donald Trump sind schon lange nicht mehr zum Lachen, erst recht nicht nach seinem Auftritt in der Nacht auf Donnerstag (MEZ), als er mit einem Papier in der Hand wedelte, dessen Inhalt Sprengstoff für den globalen Handel ist und am Schluss nur Verlierer zurücklässt, wie nicht nur viele Ökonomen warnen, sondern auch die Wirtschaft weiß. Am Donnnerstag schickte er die Börsen auf Talfahrt (siehe Grafik).
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Es bleibt noch die Hoffnung, dass Trump angedrohte Zölle aussetzt. Aber darauf zu hoffen, geht nicht, es herrscht „komplette Unplanbarkeit“, wie es der Geschäftsführer des Harder Kranbauers Künz, Günter Bischof formuliert. Das Unternehmen hat einen Servicestandort in den USA.
Wie schauen die Zölle aus?
Die USA belegen ab Samstag Einfuhren aus allen Ländern pauschal mit Zöllen von zehn Prozent. Zudem kündigte der Präsident einen Mechanismus an, der für viele Länder und vor allem die EU höhere Zölle vorsieht, die ab 9. April gelten sollen. Getroffen werden sollen laut Weißem Haus die “schlimmsten Übeltäter“, also jene Staaten, die nach Auffassung der Trump-Regierung ein besonders großes Handelsdefizit (wenn man es herunterbricht, wäre da Vorarlberg ganz vorne dabei) haben. Die US-Administration hat für jedes Land einen Prozentsatz ermittelt, der Zölle als auch andere Handelshemmnisse abbilden soll.
Wie reagiert die EU?
Für die EU heißt das, dass Exporte, also auch aus Österreich, in die USA ab kommender Woche mit einem Zoll von 20 Prozent belegt werden. Trump schimpft über die EU nicht nur ob höherer Zölle, er kritisiert auch die Mehrwertsteuer als bedeutende Handelsbarriere für US-Produkte. Eine Mehrwertsteuer für Produkte aus der EU ist aber auch in den USA fällig. Dem deutschen Ifo-Institut zufolge beträgt die Zolldifferenz zwischen USA und EU im Schnitt nur 0,5 Prozentpunkte – im Vergleich mit der nun angekündigten Zollerhöhung von 20 Prozent.
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Die EU bereitet Gegenmaßnahmen vor. “Wir finalisieren bereits das erste Maßnahmenpaket als Reaktion auf die Stahlzölle und bereiten nun weitere Maßnahmen vor “, sagt EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen. Nach Angaben aus Kommissionskreisen würden sie aber u.a. die Einführung von Gegenzöllen beinhalten. Zudem werden Abgaben auf digitale Dienstleistungen von US-Unternehmen in der EU erwogen. Sie würden die Plattform X und z. B. Google, Amazon oder Netflix treffen.
…und Österreich?
Für Österreich würden oder werden die Zölle das Wachstum um 0,35 Prozentpunkte verringern. Doch je nach Produktgruppe können die Zölle zu starken Verwerfungen führen. „Am Ende gibt es bei einem Zollkrieg nur Verlierer. “Und die durch die Zölle erhöhten Preise bezahlen letztendlich die Konsumenten“, betont der Präsident der Vorarlberger Industriellenvereinigung. Die Konsumenten mischen sich inzwischen schon weltweit in Trumps Späße ein: Sowohl in Canada als auch in mehreren europäischen Ländern werden Alternativen zu Produkten mit US-Wurzeln propagiert – von Coca Cola über Levis Jeans bis zu den digitalen Dienstleistern.
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Wie beurteilen Sie die US-Zölle?

“Als grosse Volkswirtschaft beeinflusst die Politik der US-Regierung maßgeblich die ökonomischen Rahmenbedingungen für unser weltweit operierendes Unternehmen. Seit vielen Jahren gehört der US-amerikanische Markt als Einzelmarkt zu unseren wichtigsten Absatzmärkten. Wir sehen Zölle als kritisch, da diese den internationalen Handel behindern und damit zu einer deutlichen Investitionszurückhaltung führen könnten. Wir warten die weiteren Entscheidungen der US-Regierung und der EU-Behörden ab, um auf dieser Basis die richtigen Maßnahmen zu ergreifen, mit denen wir unser US-Geschäft auch langfristig erfolgreich gestalten können. Umso wichtiger ist es für uns, positive Impulse von der BAUMA 2025, der weltweit größten Baufachmesse, die nächste Woche in München stattfindet, mitnehmen zu können.” Wolfgang Pfister, Sprecher Liebherr Nenzing

“Die neuen und zusätzlichen US-Zölle stellen insbesondere für ein exportorientiertes Land wie Österreich eine äußerst negative Entwicklung dar. Zumal die USA ein wichtiger Wachstumsmarkt für unsere Exportwirtschaft sind. Besonders betroffen sind exportintensive Industrien, und dies nicht nur direkt, sondern auch indirekt durch US-Zölle, die gegen andere Handelspartner wie Mexiko, Kanada oder Japan verhängt wurden. Die EU muss jetzt geschlossen und entschlossen reagieren und eine starke Antwort geben, die gleichzeitig eine kluge und zeitnahe Lösung am Verhandlungstisch offenlässt. Eine weitere Eskalation des Handelskonflikts würde jedenfalls gravierende Nachteile für beide Seiten des Atlantiks mit sich bringen – sowohl für Unternehmen als auch für die Verbraucher. Das Ziel muss ein weiterhin möglichst barrierefreier Außenhandel mit den USA sein. Dieser darf keinesfalls aufs Spiel gesetzt werden.” Karlheinz Kopf, Präsident Wirtschaftskammer Vorarlberg

„Obwohl das Thema Zölle schon lange schwelt, sind die Höhe und der Zeitpunkt der Umsetzung auch für uns überraschend – insbesondere, weil wir auf verschiedenen Ebenen von den neuen Zöllen betroffen sein werden. Wir verfügen in den USA über eine starke Tochtergesellschaft und produzieren seit Jahrzehnten viele Produkte lokal vor Ort, dennoch versenden wir sowohl Rohmaterialien, Halbfertigprodukte als auch fertige Produkte von der EU in die Vereinigten Staaten. Aktuell versuchen wir, die konkreten Auswirkungen einzuschätzen. Fest steht jedoch: Durch diese Entscheidungen werden die Preise für Beschläge in den USA steigen. Langfristig betrachtet nützen Handelskriege niemandem. Import- oder Strafzölle haben noch nie zur Steigerung des Wohlstands beigetragen und die Endverbraucherinnen und Endverbraucher sind letztlich die Leidtragenden, da sie höhere Preise bei einer gleichzeitig geringeren Kaufkraft bezahlen müssen. Auch wenn unser Unternehmen stark in Österreich verwurzelt ist, sind wir in der Welt zu Hause. Eine global vernetzte und offene Welt ohne Grenzen hat unsere Gesellschaft in den letzten Jahrzehnten weit gebracht – diese Errungenschaften sollten nicht leichtfertig aufs Spiel gesetzt werden.“ Philpp Blum, Geschäftsführer Blum Gruppe

Das größte Problem für unser Unternehmen, die nach USA exportierende Wirtschaft insgesamt und für unsere Kunden in den Vereinigten Staaten ist, dass komplett nichts mehr planbar ist. Für Künz ist die USA ein wichtiger Markt – 20 Prozent unseres Umsatzes machen wir dort. Wir haben bereits jetzt einen Service- und Montagestandort in Raleigh in North Carolina, doch je nachdem wie sich der Zollstreit weiterentwickelt, werden wir uns überlegen, auch in den USA einen Produktionsstandort zu errichten. Aber wie eingangs gesagt – das sind Überlegungen. Denn es kommt darauf an, wie sich die Sache weiterentwickelt und ob der Präsident nicht doch wieder einen Schwenk macht. Günter Bischof, Künz GmbH

“Die USA sind Österreichs zweitwichtigster Exportpartner, daher ist es unerlässlich, dass die EU jetzt reagiert. Langfristig brauchen wir aber einen klugen Deal, bei dem beide Seiten profitieren. Es fällt uns jetzt auf den Kopf, dass das Freihandelsabkommen mit den USA, TTIP, nie abgeschlossen wurde. Handelshemmnisse gefährden Arbeitsplätze und schwächen die Wettbewerbsfähigkeit, am Ende gibt es bei einem Zollkrieg nur Verlierer. “Und die durch die Zölle erhöhten Preise bezahlen letztendlich die Konsumenten.” Elmar Hartmann, Präsident IV-Vorarlberg