Bauwirtschaft weiterhin mit tristen Auftragszahlen – wieso sie trotzdem hofft

<br>Vorarlberger Bauwirtschaft sieht trotz weiterhin schwieriger Lage Licht am Horizont – Ruf nach fairen Voraussetzungen für leistbaren Wohnbau
Dornbirn Die com:bau war der richtige Rahmen für die Vorarlberger Bauwirtschaft, um einen Blick in die aktuelle Lage zu gewähren. Und gleich vorweg: die harten Zeiten sind noch nicht vorbei, immerhin sei nach dem Einbruch durch hohe Energie- und Materialkkosten, hohen Zinsen und steigenden Personalkosten eine leichte Bewegung in Sicht. Das versuchten bei der Präsentation der Blitzumfrage unter den Vorarlberger Betrieben der Sprecher der Branche, Johannes Wilhelm, der Sprecher der Immobilientreuhänder, Günther Ammann und der Innungsmeister der Sanitär- und Heizungstechniker, Karl-Heinz Strele, und Bauinnungsgeschäftsführer Hilmar Müller zu vermitteln.
“Bis minus 30 Prozent”
Doch es bleibt herausfordernd am Bau (alleine die Bauwirtschaft beschäftigt rund 4100 Mitarbeiter): Das unterstreicht eine interne Umfrage der Wirtschaftskammer Vorarlberg unter betroffenen Handwerksbetrieben aus mehreren Branchen zur wirtschaftlichen Aussicht: Die Stimmungslage der 235 befragten Betriebe ist seit 2022 negativ und bis 2026 werden auch keine signifikanten Veränderungen erwartet.“ Gesamt gesehen schätzen die meisten den wirtschaftlichen Rückgang für dieses Jahr auf bis zu minus 30 Prozent“, berichtet Wilhelm. Insbesondere das Baunebengewerbe, wo z.B. die Installationsbranche knapp 1000 Mitarbeitende beschäftigt, rechne sogar mit einem Minus von bis zu 40 Prozent. Zugleich geben die Betriebe aber auch an, ihren Personalstand überwiegend halten zu wollen.

Auf Erholung am Wohnbaumarkt zu hoffen, basiert auf der Hoffnung, dass der Zugang zu Krediten auch tatsächlich leichter werde und bei den Betroffenen ankomme. „Es darf nicht passieren, dass neue Vorgaben durch die Hintertür eingeführt werden. Es würde die sich langsam einstellende Erholung einbremsen, noch bevor sie richtig begonnen hat“, warnt Johannes Wilhelm.
Vorschriften entrümpeln
Dass die Finanzierung wieder etwas leichter wird, ist gut, doch man müsse die bürokratischen Vorgaben dringend entrümpeln. Bei behördlichen Vorgaben und Landesvorschriften gäbe es zahlreiche Möglichkeiten dafür: langwierige und komplizierte Verfahren sowie überschießende Regularien werden von den Unternehmen an erster Stelle genannt.

Ein Dorn im Auge sind Baufirmen und Immobilientreuhändern „unfaire Voraussetzungen“. „Das Reduzieren von bestimmten Standards und Vorgaben wird beim gemeinnützigen Wohnbau umgesetzt. Warum beim privaten Bau nicht gleich vorgehen?“, fragt der Sprecher der Immobilientreuhänder ,Günther Ammann. Während es beim Bau von gemeinnützigen Starterwohnungen zum Beispiel zulässig ist, auf Parkplätze, Aufzüge oder Gestaltungsbeiräte zu verzichten, sind diese für private Bauvorhaben Vorschrift.

Und der Obmann der Installationsbranche, Karl-Heinz Strele sorgt sich um Förderungen: „Die Sanierung von Wohnungen und Immobilien wurde in den vergangenen Jahren seitens der öffentlichen Hand unterstützt. Wenn durch Politiker angekündigt wird, dass diese Förderungen von heute auf morgen zur Gänze gestrichen werden, führt das zwangsläufig zu Verunsicherung. Die Branche spürt dies auch bereits aufgrund von Auftragsstornierungen“.