Palmers-Mitarbeiter warten noch auf ihre Löhne

Markt / 13.02.2025 • 12:55 Uhr
Palmers-Mitarbeiter warten noch auf ihre Löhne
Der kriselnde Wäschehersteller Palmers ist insolvent. apa

Wäschehersteller insolvent. Nun soll ein Sanierungsverfahren den Fortbestand sichern.

Wien Der kriselnde Wäschehersteller Palmers ist insolvent. Das Unternehmen hat am Donnerstag einen Antrag auf ein Sanierungsverfahren mit Eigenverwaltung gestellt. Damit soll die Fortführung des Unternehmens gesichert werden, teilt Palmers mit.

Die Insolvenz musste laut dem Unternehmen angemeldet werden, “weil erforderliche Kapitalzuflüsse nicht zeitgerecht erfolgten”. Die Passiva liegen bei rund 51 Millionen Euro. “Für eine positive Fortbestandsprognose per Ende Jänner 2025 wären zeitnahe erhebliche liquide Mittel notwendig gewesen”, heißt es vom Unternehmen.

Die Geschichte von Palmers

Das Unternehmen wurde ursprünglich 1915 von Ludwig Palmers als Geschäft für Schürzen und Stoffreste gegründet. Nach dem Ersten Weltkrieg spezialisierte sich das Unternehmen auf Strümpfe und entwickelte sich zu einem führenden Anbieter von Unterwäsche und Dessous in Österreich. Bereits 13 Jahre nach der Gründung betrieb das Unternehmen acht Filialen in Österreich. In den 1930er-Jahren folgte Walter Palmers seinem Vater nach und erkannte das Potenzial des Franchisekonzepts, das eine erfolgreiche Expansion ermöglichte. Nach dem Tod seines Vaters im Jahr 1943 übernahm er offiziell die Unternehmensleitung. Der Plakatskandal der 1950er-Jahre verschaffte dem Unternehmen bereits unerwartete öffentliche Publicity. Und auch in den 1990er-Jahren erlangte Palmers wieder internationale Aufmerksamkeit durch provokante Werbekampagnen. Seit August 1991 wird das Unternehmen in der Rechtsform einer Aktiengesellschaft geführt. Mit der Jahrtausendwende erweiterte Palmers seine Vertriebswege und etablierte sich auch im Online-Markt.

Übrigens wurde auch der Strumpfhersteller Wolford 1949 von dem Vorarlberger Fabrikanten Reinhold Wolff und dem Wiener Unternehmer Walter Palmers als Wolff & Co. KG gegründet.

Zwar wird derzeit den Angaben zufolge ein Investor gesucht, auf die Schnelle konnte aber keiner gefunden werden, der sich an der Finanzierung beteiligt. Palmers ist aber zuversichtlich, dass die derzeit laufenden Investorengespräche noch erfolgreich abgeschlossen werden können und das Unternehmen mit einem Sanierungsverfahren “mittelfristig wieder auf Erfolgskurs gebracht werden kann”.

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Mitbewerb und Zinsen

Die Insolvenzursachen liegen im starken Mitbewerb in einem gesättigten Markt, im Zinsanstieg und in der Inflation und dem damit einhergehenden Kaufkraftverlust. „Mit Palmers wird eine weitere Ikone der österreichischen Wirtschaftsgeschichte insolvent. Der toxische Mix aus Billigkonkurrenz und Inflation haben letztendlich zu diesem Schritt geführt. Es bleibt abzuwarten, wie das Traditionsunternehmen eine nachhaltige Sanierung umsetzen wird“, betont Gerhard Weinhofer, Geschäftsführer des Gläubigerschutzverbandes Creditreform.

Palmers-Mitarbeiter warten noch auf ihre Löhne
Hygiene Austria stellte während der pandemie Masken her. apa

Außerdem hatte Palmers im ersten Corona-Lockdown auch die Hygiene Austria LP GmbH gegründet, die FFP2-Masken produzierte. Dieses Engagement endete mit einem Millionenverlust, nachdem 2024 ein Insolvenzverfahren eröffnet wurde.

Im Wirtschaftsjahr 2023/2024 wurde bei einem Umsatz von 66,6 Millionen Euro ein Verlust von 14,68 Millionen Euro erzielt. Somit hat sich der Verlust zum Vorjahr mehr als verdreifacht. Ende Juni 2025 wird darüber hinaus ein millionenschwerer COVID-Kredit fällig.

Bilanzzahlen

2021/ 2022

Umsatz: 75,027 Millionen Euro

Jahresüberschuss: 6,368 Mill. Euro

2022/ 2023

Umsatz: 71,472 Mill. Euro

Jahresfehlbetrag: – 4,479 Mill. Euro

2023/ 2024

Umsatz: 66,603 Mill. Euro

Jahresfehlbetrag: – 14,680 Mill. Euro

Sieben Filialen in Vorarlberg

Von der jetzigen Sanierung sind 490 Gläubiger und 515 Arbeitnehmer betroffen. Löhne und Gehälter sind seit Jänner 2025 offen. Es gibt 113 Filialen. In Vorarlberg hat Palmers sieben Standorte. Zwei davon in Dornbirn – in der Innenstadt und im Messepark – und jeweils eine in Bregenz, Rankweil, Bludenz, Feldkirch und Bürs.

Marktanteil gesunken

RegioData hat in der aktuellen Marktanalyse den über die Jahre gesunkenen Marktanteil von Palmers analysiert.

Entwicklung marktanteil

  • 2009: Palmers hatte einen Marktanteil am gesamten Bekleidungshandel von 2,3 %, bei einem Umsatz von etwas mehr als 100 Mill. Euro und einer Anzahl von 211 Standorten. Der Marktanteil von Calzedonia/Intimissimi lag damals bei bescheidenen 0,3 %.
  • 2014: Der Marktanteil von Palmers sank auf 1,5 %, während Calzedonia/Intimissimi auf 0,7 % erhöhen konnte.
  • 2019: Palmers konnte seinen Marktanteil trotz einer deutlichen Reduktion der Filialzahl wieder steigern. Calzedonia/Intimissimi erreichte zu diesem Zeitpunkt einen Marktanteil von 1,3 %.
  • Aktuell: Palmers hält derzeit 1,3 % Marktanteil am gesamten Bekleidungshandel, Calzedonia/Intimissimi 1,6 % und Hunkemöller 0,6 %.
  • Der Onlineanteil in dieser Warengruppe liegt aktuell bei 29 %Diese Onlineumsätze fließen allen voran zu Zalando, gefolgt von H&M und Intimissimi/Calzedonia.
  • Durchschnittlich gibt jeder Österreicher jährlich knapp 80 Euro für Wäsche aus.