Börsenexperte Christoph Flatz: “Ein Handelskrieg an gleich mehreren Fronten”

Wie die Aktienmärkte auf die Drohungen aus Washington reagieren.
Dornbirn Am Sonntag machte Donald Trump seine Drohung aus dem US-Wahlkampf wahr und kündigte neue Zölle für Waren aus Kanada, Mexiko und China an. Nachdem die Verunsicherung darüber die Börsen nach unten schickte, gewährte Trump schon tags darauf eine 30-tägige Aussetzung der 25-Prozent-Zölle auf Importe aus Kanada und Mexiko. Beide Länder sagten zu, ihre Grenzkontrollen zu verschärfen, um die illegale Einwanderung und den Drogenhandel in Richtung USA einzudämmen. Mit China jedoch bleibt die USA auf Konfrontationskurs. Peking hat deshalb Vergeltungsmaßnahmen angekündigt und will neue Zölle auf Kohle, Flüssigerdgas (LNG) und Rohöl, große Fahrzeuge und Agrarmaschinen aus den USA einheben. Der Export kritischer Mineralien für die Halbleiter- und Batterieproduktion soll beschränkt werden.
Die Finanzmärkte reagierten nervös. Der US-Leitindex S&P-500 verlor am Montag im untertägigen Handel fast 2 Prozent, konnte diese Verluste aber teilweise wieder aufholen, nachdem das temporäre Aussetzen der Zölle auf mexikanische und kanadische Importe durchsickerte. Der Index schloss den Tag mit 0,8 Prozent im Minus. Ein ähnliches Muster zeigte sich auch bei europäischen Aktien, die den Handelstag am Montag mit einem Rückgang von 0.9 Prozent beendeten (zwischenzeitlichen Verluste 1,5 %). Auch die Renditen von US-Staatsanleihen waren zum Wochenauftakt größeren Schwankungen unterworfen, genauso wie der Goldpreis. Der US-Dollar wertete gegenüber dem Euro untertags merklich auf, gab diese Gewinne aber wieder ab. Dies reflektierte die Erwartung der Marktteilnehmer, dass Zölle zu einem weiteren Aufgehen der Zinsschere zwischen den USA und dem Euroraum führen könnte.