Arbogast-Geschäftsführer Daniel Mutschlechner: “Wir wollen den Einzelnen stärken und die Gesellschaft menschlicher machen”

Markt / 05.02.2025 • 13:17 Uhr
Arbogast-Geschäftsführer Daniel Mutschlechner: "Wir wollen den Einzelnen stärken und die Gesellschaft menschlicher machen"

Der Fokus des neuen Programms liegt heuer besonders auf gesellschaftspolitischen Themen.

Götzis An der Infotafel in Arbogast werden an dem Tag zwei Veranstaltungen angekündigt. Ein internes Seminar eines großen Vorarlberger Unternehmens und ein Treffen der katholischen Kirche. Das ist sinnbildlich für den Ort, der, wie Geschäftsführer Daniel Mutschlechner betont, keine Klientel oder Zielgruppen kennt. „Bei uns stehen Menschen im Mittelpunkt, mit allem, was sie sind. Für sie wollen wir ein guter Ort sein.“

Arbogast
Arbogast soll ein Ort für alle sein, man spricht keine speziellen Zielgruppen an. arbogast

Die vielen Mythen

Oft noch als „Jugendherberge“ abgestempelt oder als Haus für Katholiken, sei Arbogast heute vielmehr ein top ausgestattetes Seminarhaus mit guter Küche, das von immer mehr Unternehmen frequentiert wird, genauso wie von Schulklassen oder einer Pfarrgruppe. Insgesamt sind es 27.000 Menschen, die pro Jahr Zeit oberhalb von Götzis verbringen. „Wir sind sehr glücklich über dieses selbstverständliche Miteinander“, so Mutschlechner.

Arbogast
Arbogast
Mit dem Umbau wurde auch in die Seminartechnik investiert. Arbogast

Viele eigene Formate

Neben dem Vermieten von Seminarräumlichkeiten bietet Arbogast auch ein eigenes Programm. Heuer umfasst es 80 Veranstaltungen, die genau dieses Miteinander abbilden, auch wenn sie auf den ersten Blick nicht unterschiedlicher sein könnten. Da geht es um Existenzanalyse, um politische Diskussionen, um Organisationsberatung, um Psychologie, um Gartenarbeit, um Meditation, um Hochsensibilität, um Führung oder um Spiritualität.

Arbogast
Arbogast bietet das ganze Jahr über verschiedene Veranstaltungsformate. vn/reiner

Sich selbst stärken

„Ein Firmenchef kann zugleich auch Familienmensch sein, oder in einer Krise stecken oder ein besonderes Hobby haben. Wir fokussieren auf die persönliche, berufliche oder gesellschaftliche Relevanz und darauf, sich selbst zu stärken. Auch wenn auf der Welt gerade viele negative Dinge passieren, kann man selbst mehr gestalten, als man denkt. Außerdem haben wir den Anspruch, die Gesellschaft menschlicher zu machen. Wir stehen für eine liberale Demokratie, für europäisches Denken, für Weltoffenheit und für ein gutes Zusammenleben trotz unterschiedlicher Meinungen“, so Mutschlechner. Deshalb liegt ein Schwerpunkt heuer auch stark auf gesellschaftspolitischen Themen.

Arbogast
Essen mit Blick ins Grüne. vn/reiner
Arbogast
Die Küche setzt auf ein regionales und saisonales Angebot. vn/reiner

Auf eine gute Art

So wird etwa Psychologin Ulrike Schiesser über den Umgang mit Fanatismus und Verschwörungsglaube sprechen, der bekannte Tübinger Oberbürgermeister Boris Palmer über die „Leidenschaft Politik“ oder Kulturwissenschaftlerin Judith Kohlenberger über die Macht der Zivilgesellschaft in der Zeitenwende. „Bei uns entstehen gute Diskussionen, die nicht auf den sozialen Medien, sondern live stattfinden. Es ist wichtig, Kontroversen zuzulassen. Das passiert bei uns immer in einer guten Art“, sagt der Geschäftsführer.

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Arbogast-Geschäftsführer Daniel Mutschlechner. vn/reiner

Das liegt für ihn auch am Ort. „Arbogast hat eine sehr besondere Energie und Wirkung. Das bestätigen uns viele Gäste. Auch, dass sie hier bei uns bei speziell heiklen Themen den Knoten lösen konnten.“

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Arbogast wurde in den vergangenen Jahren umfassend saniert. vn/reiner
Arbogast
Der Empfangsbereich in Arbogast. Hier gibt es eine Auswahl an Zeitungen sowie einen kleinen Shop. vn/reiner

Einfach einen Kaffee trinken

In Arbogast kann man Seminare abhalten, Veranstaltungen besuchen und auch einfach übernachten. Der Ort steht jedem offen. „Man kann hier auch einfach nur einen Kaffee trinken“, so Mutschlechner, der auf ein Team von 45 Mitarbeitern bauen kann. Auch an den Berufsbildern zeigt sich die Bandbreite des Hauses. Da gibt es den Betriebswirt genauso wie den Koch und den Seelsorger.

Die Geschichte von Arbogast

In den späten 1950er Jahren setzten sich Jugendliche der Katholischen Jugend für den Bau eines Jugend-Bildungshauses ein. Die Grundidee wurde von Jugendseelsorger Anton Nenning weitergeführt und unterstützt. Ende der 50er wurde das Bildungshaus St. Arbogast mitsamt einem Gästehaus nach den Plänen der Architekten Anton Rhomberg und Hans Feßler errichtet. Am 8. Dezember 1960 fand die Eröffnung statt. Zwischen 1967 und 1969 kamen die Gästehäuser 2 und 3 sowie die Kapelle dazu.

1991 bis 1993 entstand das Bildungshaus in seiner heutigen Form, geplant von den Architekten Hermann Kaufmann und Christian Lenz. 

Zwischen Herbst 2022 und Frühjahr 2023 wurde eine umfassende Generalsanierung umgesetzt – erneut geplant von Christian Lenz und dem Büro von Hermann Kaufmann.

Realisiert werden konnte das Sanierungsprojekt aufgrund einer großzügigen Spende einer Vorarlberger Industriellenfamilie, durch eine Förderung des Landes Vorarlberg und dank der Unterstützung der Diözese Feldkirch.

Der Name Arbogast stammt übrigens aus dem Althochdeutschen: arbi = Erbe, Gast = Fremder, Gast. Also: der Gast, der zum Erben wird.