Diese Branche am Bau war 2024 zufrieden und rechnet mit einer großen Zukunft

Markt / 12.01.2025 • 17:26 Uhr
Berchtold Holzbau
Kunden, die beim Bauen auf klimafreundliche Materialien achten, entscheiden sich deutlich öfter für Holz statt Zement. Auch die Vorfertigung (hier bei Berchtold Holzbau) ist ein Vorteil für die Zimmerei-Betriebe. FA

Der Einbruch im Wohnbau war im vergangenen Jahr für viele Baufirmen und Projektentwickler herausfordernd. Doch der Holzbau konnte sich gut behaupten – der Trend zu “zementfreiem Bauen” dürfte weiter zunehmen.

Schwarzach Die Geschichte des modernen Holzbaus ist untrennbar mit Vorarlberg verbunden. Aufbauend auf einer jahrhundertealten Tradition entwickelten junge Architekten und Baukünstler im letzten Viertel des 20. Jahrhunderts einen eigenen Vorarlberger Holzbaustil, der international reüssieren konnte. Und das bis heute tut, auch wenn inzwischen Architektinnen und Architekten international genauso wie die Auftraggeber den Baustoff lieben lernten. Es ist eine Liebe, die auch der Vernunft und Zukunftsperspektiven Platz einräumt.

Kontinuierliches Wachstum

Das verändert die Branche. Inzwischen bauen Vorarlberger Holzbaubetriebe in Mitteleuropa riesige Gebäude – von der Firmenzentrale über Schulen und öffentliche Bauten bis hin zu Wohnquartieren. „Holz ist der Baustoff der Zukunft“, sind sich denn auch Innungsmeister Manuel Feuerstein, Holzbaukunst-Obmann Werner Flatz und der Architekt Johannes Kaufmann einig und verweisen dabei auf die Eigenschaften von Holz: regional, klimafreundlich und praktisch auf ewig wiederverwertbar. Der Anteil der Gebäude, die in Holz entstehen, ist in den letzten Jahren kontinuierlich weitergewachsen, allerdings nicht in den Himmel, wie Feuerstein beim Rückblick auf das vergangene Jahr feststellt. „Wie insgesamt in Vorarlberg hat es auch bei uns im Wohnbau Rückgänge gegeben“. Doch die sind weit geringer ausgefallen als in der Bauwirtschaft insgesamt.

Einfamilienhaus Lauterach
Einfamilienhäuser wie dieses schöne Beispiel in Lauterach wurden 2024 weniger gebaut, der Trend geht zu Umbauten, Verdichtungen und Erweiterungen bestehender Häuser. FA/VHBK

Zurückgegangen ist der Bau von Einfamilienhäusern (EFH), das dürfte sich auch in Zukunft fortsetzen, ist Werner Flatz aufgrund der schwindenden Grundstrücksreserven und der damit einhergehenden hohen Quadratmeterpreise überzeugt. Doch was boomt, ist die Ertüchtigung sowie der Umbau und die Erweiterung von EFH, die in den1970er- und 80er-Jahren errichtet wurden. Holz biete sich dafür an. Projekte können schnell umgesetzt werden und Holz sorge für ein gutes Wohnklima und entspräche den statischen Voraussetzungen. Das sorge für eine gute Auftragslage, so Feuerstein. Bei kommunalen Projekten, die besonders im ländlichen Raum inzwischen fast immer in Holz umgesetzt werden, pochen die Zimmerer darauf, dass die Gemeinden darauf achten, dass heimische Betriebe zum Zug kommen und nicht einfach der Billigstbieter den Zuschlag bekomme. Bei der Wahl des Baustoffes seien meist die Architekten entscheidend – auch hier appellieren die Holzbauer an deren Verantwortung.

Statements

Unser triales Ausbildungsmodell ist Vorbild für den Holzbau in anderen Bundesländern. Und es gefällt den jungen Menschen, die Sinn in der Arbeit suchen. Wir haben 185 Lehrlinge. Manuel Feuerstein, Innungsmeister Holzbau
Die Nachfrage nach unseren Leistungen steigt und die Auftragslage ist im Großteil der Betriebe sehr gut. Was wir uns von kommunalen Bauherren und Architekten wünschen ist, dass bei Projekten die Regionalität stärker berücksichtigt wird und man sich auf das Handwerk besinnt. Manuel Feuerstein, Innungsmeister Holzbau, Bludenz
Werner Flatz
Das laufende Jahr wird sicher nicht ganz einfach, besonders für die kleineren Betriebe, die in einer ARGE allerdings auch größere Projekte umsetzen könnten. Die Nachverdichtung bestehender Bauten hat sich zuletzt gut entwickelt. Was wir weiterhin brauchen, sind gut ausgebildete Mitarbeiter. Werner Flatz, Obmann Vorarlberger Holzbaukunst, Alberschwende
Diese Branche am Bau war 2024 zufrieden und rechnet mit einer großen Zukunft
Gerade bei großen Projekten sind die Zimmerer gut ausgelastet, Firmen und Kommunen setzen immer stärker auf Holz. Der Holzbau muss jetzt dranbleiben und ganz wichtig ist, dass sich die Zimmerer durch Ausbildung neuer Fachleute entsprechende Kapazitäten für die Zukunft sichern. Johannes Kaufmann, Architekt JK&P, Dornbirn