VW-Schock und Autokrise: Das sagen Vorarlberger Automobilzulieferer

Der europäische Branchenprimus muss Maßnahmen setzen: Gewerkschaft und Politik kündigen Gegenwehr an. Doch in der Branche – auch in Vorarlberg – ist klar, wer für die Autokrise verantwortlich ist.
Wolfsburg, Dornbirn, Rankweil Der deutsche Bundeskanzler Olaf Scholz sagt, was Politiker so sagen, wenn ein Unternehmen in die Krise schlittert, “nämlich, dass mögliche falsche Managemententscheidungen aus der Vergangenheit nicht zulasten der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer gehen dürfen”. Es gehe darum, Arbeitsplätze zu erhalten und zu sichern.

Genau das aber habe die Politik verabsäumt, sind die Chefs der Vorarlberger Automotive-Zulieferer Angelo Holzknecht von Hirschmann Automotive in Rankweil und Martin Ohneberg, Henn-Gruppe, Dornbirn, einer Meinung. Anlass ist der ins Trudeln geratene Autokonzern Volkswagen. Bevor sich die Firmenleitung zu konkreten Maßnahmen äußerte, hat am Montag die Betriebsratsvorsitzende Daniela Cavallo bei einer Betriebsversammlung Alarm geschlagen: Demnach wolle Volkswagen mindestens drei Werke in Deutschland schließen, Zehntausende Arbeitsplätze seien in Gefahr. Die verbliebenen Standorte sollten geschrumpft werden. Cavallo sprach von einem Aushungern. “Niemand von uns hier kann sich noch sicher fühlen.”

Der Konzern, in dem durch die 20-Prozent-Beteiligung des Landes Niedersachsen traditionell Betriebsräte ein gewichtiges Wort im Aufsichtsrat mitreden, bestätigt die Zahlen bisher nicht. “Fakt ist: Die Lage ist ernst”, so Personalvorstand Gunnar Kilian. “Ohne umfassende Maßnahmen zur Wiedererlangung der Wettbewerbsfähigkeit werden wir uns wesentliche Zukunftsinvestitionen nicht leisten können.”
Scharfe Kritik an Politik
Bei den Vorarlberger Zulieferern der Automobilindustrie ist VW nicht der wichtigste Kunde, informieren Holzknecht und Ohneberg. Doch die Krise ist auch ohne VW längst bei den Zulieferern angekommen und werde noch für schwierige Jahre sorgen. „Das ist nur der Anfang“, sagt Ohneberg, er sei gerade in China und den USA gewesen, wo die Dynamik eine ganz andere sei, während Europa weiter an der Deindustrialisierung arbeitet”, so Ohneberg weiter. Eine Einschätzung der Lage, die auch Holzknecht vertritt: “Jetzt bekommen wir die Quittung für die verfehlte Industriepolitik der EU”. Auch wenn Hirschmann neben den deutschen Autobauern zahlreiche weitere Hersteller weltweit beliefere, sei mit weiteren schwierigen Jahren zu rechnen. Es gebe keinen Plan der EU für eine Übergangsphase der Antriebssysteme. “Wir wurden im Stich gelassen.”
