Sennerei Thüringerberg: „Die Bauern bleiben auf der Strecke“

Genossenschaftmitglieder hängen in der Luft – Suche nach neuen Partnern läuft. Auch die Nahversorgung im Großen Walsertal ist in Gefahr, wenn keine neuen Absatzmöglichkeiten gefunden werden.
Thüringerberg Der 23. September 2024 wird den zwölf Vorstandsmitgliedern der Sennereigenossenschaft Thüringerberg lange im Gedächtnis bleiben. Ohne Vorwarnung kündigte Sepp Krönauer, Eigentümer der Sulzberger Käserebellen, den rund 50 Bergbauern, 40 Prozent davon Biolandwirte, den Pachtvertrag für die Sennerei. Und nicht nur das: Inzwischen erhielten auch alle Landwirte das Kündigungsschreiben ihres seit 2005 bestehenden Milchliefervertrags mit Jahresende 2025.
Bisher keine Optionen
Bis dahin ist zwar noch etwas Zeit, doch die Milchlieferanten im Biosphärenpark sind alarmiert. Derzeit gibt es keine Optionen für sie, wie es weitergehen soll, erklärt Obmann Bernd Pfister im Gespräch mit den VN. „Die Kündigung kam überraschend“, berichtet er, „bisher hatten wir eine faire Partnerschaft mit den Sulzberger Käserebellen“, Anzeichen einer Veränderung in der Geschäftsbeziehung habe es keine gegeben. „Ich hätte mir erwartet, dass man sich an einen Tisch setzt und gemeinsam nach Lösungen sucht“, ist Pfister jetzt ernüchtert. Geliefert werden jährlich im Durchschnitt drei Millionen Kilogramm Heumilch, im vergangenen Jahr waren es sogar 3,3 Millionen Kilogramm.

Die Sennerei hatte der Allgäuer Unternehmer Sepp Krönauer angepachtet, die beiden Senner sind Angestellte der Sulzberger Käserebellen. Ihnen soll ein Angebot für einen Ersatz-Arbeitsplatz in Sulzberg angeboten werden, teilte das Unternehmen mit. Ob das eine echte Option ist, darf bezweifelt werden. Denn einer der Senner ist auch Milchbauer im Großen Walsertal. Die Genossenschaftsmitglieder haben die Pacht für die Sennerei kontinuierlich in diese investiert: so wurde die Kühlzelle auf neuesten Stand gebracht, die Betriebsräumlichkeiten gefliest, in Kürze stehe die Erneuerung des Dampfkessels zum Sennen an, zählt Pfister auf. Fester Wille der Genossenschaft sei es denn auch, den Betrieb in Zukunft weiterzuführen.
Neue Partner gesucht
Die Frage ist nun, wer neuer Partner der Genossenschaft werden könnte. In der Sennerei wurde nicht die gesamte Milch verarbeitet, der größte Teil der Milch wurde abgeholt und in Sulzberg verarbeitet. Notwendig dafür ist ein Sammelfahrzeug. „Wir haben früher eines gehabt, jetzt müssten wir ein neues anschaffen“, sorgt sich der Obmann. „Wir könnten uns vorstellen, auch an zwei bis drei verschiedene Partner zu liefern“ sagt er mit Blick auf die Sennereien in Schnifis und Schlins. „Auch mit Vorarlberg Milch werden wir Gespräche darüber führen, welche Möglichkeiten es gibt“, sagt Pfister. Ihm und seinen 49 Mitgenossenschaftern, die über das ganze Tal verteilt ihre Höfe haben, sei wichtig, dass sie gemeinsam und geschlossen auftreten – auch in einer Zukunft, die sich derzeit noch nicht abzeichnet.

Nahversorgung in Gefahr
Es gehe um Existenzen im Großen Walsertal, wird Pfister im Gespräch konkret. Jene der 50 Genossenschafter und ihrer Familien. Aber auch die landwirtschaftlich geprägte Kultur und die Naturpflege sei in Frage gestellt, wenn keine Lösung gefunden werde. „Die kleinen Bauern bleiben auf der Strecke“, fürchtet er, falls keine neuen Abnehmer für die Heumilch gefunden werden. Ebenfalls in Gefahr ist dann die Nahversorgung. Die Sennereigenossenschaft betreibt die beiden Nahversorgungsgeschäfte mit drei Vollzeitarbeitsplätzen in Thüringerberg und Blons. Derzeit seien diese „ein Nullsummenspiel“, sollte es zum äußersten kommen, „müssen wir diese zusperren“, sagt Pfister.