Dieser Standort über der Grenze ist für Vorarlberger Firmen sehr attraktiv

Markt / 01.09.2024 • 15:00 Uhr
Kieswerk Symbolbild
Ein Kiesabbaugebiet soll, so es nicht mehr genutzt werden, künftig als Gewerbegebiet Platz für Ansiedlungen bieten. Symbolbild/Wiki -Schuhmacher

Weil in Vorarlberg der Platz für die Wirtschaft immer enger wird und die Akzeptanz vielerorts abnimmt, schauen sich zahlreiche Betriebe im benachbarten EU-Ausland um.

Leutkirch, Schwarzach „Wir haben Platz und mögen die Vorarlberger gern, das passt auch menschlich sehr gut“, sagte der Oberbürgermeister der 26.000-Einwohnerstadt Leutkirch, Hans-Jörg Henle, im Jahr 2019 im Gespräch mit den VN. Anlass war damals der Kauf des Wolfurter Seilbahnspezialisten Doppelmayr, der den ehemaligen Holzhof bei Unterzeil als mögliche Erweiterungsfläche erworben hat. Derzeit nutzt Doppelmayr das Gelände als Lager, doch der Kontakt zwischen Stadt und dem Unternehmen ist gut, was Henle 2019 gesagt halte, gelte natürlich auch heute. „Bei einem Besuch in Wolfurt hat mich ein Mitarbeiter namentlich begrüßt“, so Henle vor wenigen Tagen gegenüber den VN, „es hat sich herausgestellt, dass der Mann aus Leutkirch ist“. Der Austausch sei also gegenseitig.

Max Wild Friesenhofen
Der neue Standort des Baulogistikers Max Wild in Leutkirch wird von der Alberschwender Firma Sohm Holzbau errichtet. FA

Erst vor Kurzem – beim Spatenstich für den neuen Standort des Bau- und Logistikunternehmens Max Wild – nahm Henle den Faden wieder auf. Da Vertreter der Firma Sohm Holzbau, die das Gebäude errichtet, vor Ort waren, flachste er, dass sich Sohm “gerne auch in Leutkirch beziehungsweise der Region ansiedeln könnte”. Die spaßige Aufforderung hat einen ernsten Hintergrund, der auch schon in der Vorarlberger Landesregierung für den Griff zum Telefon gesorgt haben soll: Ein zuständiger Landesrat habe einen Unternehmer, der sich mit dem Gedanken, nach Leutkirch abzuwandern trug, mit Hinweis auf die tatsächlich wieder abgeblasene Ansiedlung eines Bregenzer Unternehmens im Allgäu (die VN berichteten) aufgefordert, von seinen Plänen Abstand zu nehmen.

Bürgermeister Hans-Jörg Henle (r.) macht offensive Standortpolitik und hat dabei Rückhalt der Bürger und über die Fraktionsgrenzen hinweg.  SL
Bürgermeister Hans-Jörg Henle (2. v.r.) macht offensive Standortpolitik und hat dabei Rückhalt der Bürger und über die Fraktionsgrenzen hinweg.  SL

Derzeit sei ein Unternehmen aus Vorarlberg auch bei der Nachnutzung für ein frei gewordenes Industriegebäude im Gewerbegebiet Friesenhofen-Bahnhof involviert. Namen will Henle keinen nennen. Die Vorarlberger Firma wartet noch zu, sie will wegen des Mitbewerbs die Karten noch bedeckt halten, so Henle. Das berichtet auch die Schwäbische Zeitung. Mit mehreren Firmen aus Vorarlberg sei man aktuell in Kontakt, sagt der Oberbürgermeister im Gespräch mit den VN. Allerdings müssen sich die noch etwas gedulden, denn die aktuell verfügbaren Gewerbeflächen werden an örtliche Firmen vergeben.

Vorderhand wird das von Doppelmayr erworbene Gelände des ehemaligen Unterzeiler Holzhofes in Leutkirch als Lagerplatz verwendet.  Schwäbische/u. Jauß
Vorderhand wird das von Doppelmayr erworbene Gelände des ehemaligen Unterzeiler Holzhofes in Leutkirch als Lagerplatz verwendet.  Schwäbische/u. Jauß

Doch es ist nur eine Frage der Zeit, bis das noch für den Kiesabbau genutzten Gelände südwestlich der Kernstadt zum Gewerbegebiet erschlossen werde, erklärt Henle. Aktiv und offensiv bewerbe man den Standort Leutkirch in Vorarlberg nicht. Trotzdem erkundigen sich regelmäßig Interessenten aus Vorarlberg nach Möglichkeiten, sich anzusiedeln. Zwei Firmen haben das bereits gemacht, erklärt er und weiß auch warum: „Leutkirch ist aus Vorarlberg schnell erreichbar und ist sehr gut an die Verkehrsinfrastruktur angebunden: Neben der Autobahn Lindau/ München und dem Autobahnkreuz Memmingen, gebe es gut ausgebaute Verkehrswege nach Oberschwaben. Außerdem liege die ehemalige Reichsstadt an der Bahnlinie. „Auch Doppelmayr hat in Oberzell einen Bahnanschluss“, informiert Henle. Eine grundsätzlich wirtschaftsfreundliche Verwaltung unterstütze bei Ansiedlungen, bestätigen Vorarlberger Unternehmer, die schon bei der Wirtschaftsabteilung der Stadt angeklopft haben, dass der Standort Potenzial habe.

Leutkirch im Allgäu
Leutkirch im Allgäu ist für etliche Firmen aus Vorarlberg ein attraktiver Standort: Wirtschaftsfreundlich, gute Infrastruktur und Entwickungsmöglichkeit sprechen für die Allgäuer. SL

Das Interesse an einer Ansiedlung im rund 60 Kilometer entfernten Leutkirch ist in Vorarlberg übrigens nicht nur in der Landesregierung bekannt, auch bei der Wirtschaftsstandort Vorarlberg GmbH (WISTO) weiß man um das Interesse einer Ansiedlung von Vorarlberger Firmen im schwäbischen Allgäu. Und versucht alles zu tun, damit sich die Firmen aus dem Land doch noch hier entwickeln können, wie Wisto-Geschäftsführer Joachim Heinzl versichert.