Ländle-Lebensmittel: Höhere Kosten, niedrige Preise

Markt / 30.04.2024 • 15:30 Uhr
Alpenkäse Bezau
Die Alpenkäse Bregenzerwald-Genossenschaft vermarktet ihre Produkte über eine eigenen Kette von Sennereiläden. Dort gibt es jetzt auch Fleischwaren, deren Fleisch von milchliefernden Partnerbetrieben stammt. FA/Pallinger

Insgesamt berichtet Ländle-Qualitätsprodukte Marketing über gutes Jahr. Doch die Anstrengungen sind gewachsen.

Bezau Die Alpenkäse Bregenzerwald eGen ist froh, dass sie in den vergangenen Jahren ein eigenes Vertriebsnetz aufgebaut hat. Denn in den inzwischen acht eigenen Sennereiläden – weitere werden folgen – und im Onlineshop können sie für ihre 450 Mitglieder und 180 Milchlieferanten bessere Erlöse erwirtschaften. Denn die Landwirtschaft kämpft – genauso wie andere Branchen hat sie 2023 unter Inflation, Arbeitskräftemangel und hohen Energiekosten zu leiden. Da zählt jeder Cent mehr in der Kasse. Doch der Lebensmittelhandel, so Alpenmilch-Geschäftsführer Hermann Metzler, sei nicht bereit mehr für die Produkte zu bezahlen.

Herausforderung Klima

Was bei den Landwirten und der Vermarktungsgesellschaft Ländle Qualitätsprodukte Marketing (LQM) in zunehmendem Maß für Kopfschmerzen sorgt, ist aber das Wetter. “Das Wetter wird durch den immer schneller voranschreitenden Klimawandel eine große Herausforderung bleiben”, betont Marcel Strauß, Geschäftsführer der LQM bei der Bilanz des vergangenen Jahres. Im vergangenen Jahr gab es keine großen Ausfälle wegen des Wetters, doch viele kleine Störungen. Und heuer hat den Landwirten der späte Wintereinbruch im April Sorgen bereitet.

Alpenkäse LQM PK 2024
V. l.: Martin Wagner (Leitung Marketing & Kommunikation Ländle Qualitätsprodukte Marketing GmbH), Hermann Metzler (Geschäftsführer Alpenkäse Bregenzerwald Sennerei eGen) und Marcel Strauß (Geschäftsführer Ländle Qualitätsprodukte Marketing GmbH). VN/sca

Für die LQM ist aber klar: “Im laufenden Jahr werden wir den Themenkreis “Klima – Landwirtschaft – Lebensmittel” als Schwerpunkt setzen und die verschiedenen Aspekte beleuchten”, informiert bei der Präsentation am Dienstag Martin Wagner, Marketingverantwortlicher von LQM. Und Strauss betont: “Wir wollen aufzeigen, wie der CO₂-Fußabdruck von regionalen Produkten aussieht. Eines vorweg: Die Ländle-Produkte steigen dabei sehr gut aus.” Ziel ist es natürlich, dass die Produkte noch besser aussteigen und bei klimabewussten Kunden im Einkaufskorb landen.

Zurück zum Vorjahr: die Farmer, also die Produzenten im pflanzlichen Bereich, hatten mit unterschiedlichen Wetterereignissen zu kämpfen, letztlich war aber die Ernte “zufriedenstellend”, im tierischen Bereich sinkt der Verbrauch von Fleisch weiter leicht sinkt. Während Rind- und Schweinefleisch weniger oft gekauft werden, steigt die “Verzehrmenge von Geflügel” leicht, erläutert Strauß. Selbstredend setzt man bei der Ländle Marketing auf noch höhere Tierwohlstandards. Das wird auch überprüft, damit der Konsument Sicherheit hat, ordentliche Lebensmittel auf den Teller zu bekommen.

Ein Problem ist für die Qualitätserzeuger natürlich jeder Tierhalteskandal, darunter leiden alle und geschuldet sei es nicht den kleinen Betrieben, sondern solchen, die zu groß geworden seien. “Im Durchschnitt hat ein Betrieb in Vorarlberg rund 15 Kühe und wird oft im Nebenerwerb bewirtschaftet”, so Strauß, “da ist die Landwirtschaft oft Teil der Familie”, und da achte man darauf, dass es die Tieren gut gehe. Die Konsumenten im Land greifen gerne zu den Ländle-Qualitätsprodukten, so das Resümee des letzten Jahres, insgesamt sei aber festzustellen, dass “viele Menschen zu Preiseinstiegsartikel gegriffen haben”. Derzeit leiden Produzenten weiterhin unter der für sie negativen Preisschere, für Hermann Metzler von Alpenkäse Bregenzerwald ist deshalb klar, dass “spätestens zum Jahresbeginn 2025 die Preise angepasst werden müssen.