Umstrittenes Rondo-Kraftwerk in Frastanz wird verhandelt: “UVP wäre unsere letzte Hoffnung”

Markt / 22.04.2024 • 16:00 Uhr
Anrainerin Marilyn Oswald vor der Wiese, die dem Parkplatz weichen soll. Dahinter, vor dem Bürogebäude, soll das Rondo-Kraftwerk entstehen. Die Anrainerin ist gegen das Projekt.VN/MIH

Am Dienstag, 23. April 2024, wird das Kraftwerk von Rondo Ganahl in Frastanz verhandelt. Nicht alle Bürger sind von dem Vorhaben überzeugt. Derweil wartet man noch auf das Erkenntnis des Höchstgerichts in Wien.

Von Matthias Rauch und Mirijam Haller

Frastanz Marilyn Oswald ist unmittelbare Anrainerin der Firma Rondo Ganahl AG. Das Unternehmen in Frastanz ist eines der größten Erdgasverbraucher des Landes. Es benötigt laut eigenen Angaben allein sieben Prozent der in Vorarlberg genutzten Gasmengen für die Produktion von Wellpappe-Verpackungen. Künftig soll die benötigte Wärmeenergie in einem eigenen Kraftwerk erzeugt werden. Dieses soll mit Produktionsabfällen und Biomasse betrieben werden und die Abhängigkeit von Erdgas reduzieren.

So stellt sich Rondo Ganahl den Kraftwerksbau vor. Rondo Ganahl

Mündliche Verhandlung

Morgen, Dienstag (23. April 2024), wird im Feuerwehrhaus Frastanz die vom Abfallwirtschaftsgesetz vorgesehene öffentliche Verhandlung durchgeführt. Im Fokus stehen dabei die kritisierten Themen wie die befürchtete Abgas- und Lärmbelästigung. “Solange nicht geklärt ist, ob eine Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP) notwendig ist, kann gar nichts passieren”, sieht Anrainerin Marilyn Oswald der öffentlichen Verhandlung unaufgeregt entgegen.

Marilyn Oswald; Rondo
Anrainerin Marilyn Oswald ist gegen das Kraftwerk. VN/MIH

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Unter den besorgten Anrainern seien die Stellungnahmen der Sachverständigen aus den Beanstandungen bezüglich dem ausgebliebenen UVP-Verfahren hinlänglich bekannt. “Wir als Anrainer fühlen uns nicht ernst genommen”, hat sie weiterhin Bedenken.

Rendering Reststoff-Kraftwerk Rondo Ganahl AG
Rendering Reststoff-Kraftwerk Rondo Ganahl AG

Im Herbst formierte sich die Gruppe “Besorgte BürgerInnen”, die negative Auswirkungen auf Mensch und Umwelt befürchten. Die Verantwortlichen der Initiative halten unter anderem den Standort aufgrund der immer wiederkehrenden Inversionswetterlage im Walgau und der Nähe zur Wohnbebauung für kritisch. Hinzu kommt die Gebäudehöhe von 32 Metern, außerdem will man das ausgewiesene Streuwiesen-Biotop für einen Parkplatz opfern, da das Kraftwerk auf dem bestehenden Parkplatz geplant ist.

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Betrieben werde das Kraftwerk einerseits mit Biomasse von Holz bis Faserschlämme und andererseits mit Reststoffen aus der eigenen Papier- und Pappeproduktion, insgesamt 70.000 Tonnen Brennstoff. Laut dem Unternehmen werden maximal 34.650 (98,5 Tonnen pro Tag) Tonnen pro Jahr nicht gefährliche Abfälle verbrannt werden. 11.000 Tonnen Abfall fallen laut Rondo Ganahl derzeit im Jahr an. Dass die Grenzwerte eingehalten werden, soll eine Wiegeanlage im Kraftwerk sicherstellen. Läge der Wert über 35.000 Tonnen, wäre eine UVP erforderlich. Die besorgten Bürger befürchten, dass wenn einmal das Kraftwerk steht, der Abfallanteil nachträglich nach oben angepasst werden könnte. 

Bei Rondo Ganahl selbst geht man optimistisch in die mündliche Verhandlung. Man sei gut vorbereitet, alle Themen durch Sachverständige detailliert geprüft. “Wir waren von Anfang an transparent und informierten offen”, betont Geschäftsführerin Sigrid Rauscher. Sie ist zuversichtlich, dass in der Verhandlung alle Bedenken geklärt werden können. Man sei natürlich weiterhin offen für Gespräche mit den Anrainern. Das Kraftwerk sieht sie als große Chance, die Kreislaufwirtschaft bei Rondo Ganahl auszubauen. Und auch für die Region sei das Projekt interessant: Das Kraftwerk könne neben dem Werk auch die nahe Brauerei und an die 500 Haushalte mit Wärme versorgen und somit einen Beitrag zur Energieautonomie abseits fossiler Brennstoffe bieten. 

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Warten auf Erkenntnis

Gegen einen Bescheid der Umweltabteilung des Landes, dass für das Kraftwerk keine UVP notwendig ist, sind 40 Einsprüche von Anrainern und auch der Gemeinde Göfis eingegangen. “Eine UVP ist unsere letzte Hoffnung”, ist Anrainerin Oswald überzeugt. Derzeit sehe alles danach aus, dass das Höchstgericht im Juni die UVP verhandeln wird. Eine Entscheidung könnte damit Ende Sommer vorliegen, der Bescheid nach dem Abfallgesetz ist an dieses Erkenntnis geknüpft.

Ursprünglich sollte das Kraftwerk Anfang 2026, nun im Jahr 2027 in Betrieb gehen. Budgetiert war es bei der Präsentation im Juni 2022 mit 95 Millionen Euro.

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