Fries: Was aus dem Gelben-Sack-Inhalt jetzt wird

Markt / 03.04.2024 • 12:00 Uhr
Fries Extrusionsblasmaschine
Die Extrusionsblasmaschine eröffnet dem Unternehmen neue Märkte und Wachstum, so die Geschäftsführung von Fries. FA

Nach Umsatzsteigerung investiert Kunststofftechnik-Unternehmen in Sulz in Umwelttechnologie.

Sulz Die positive Umsatzentwicklung in wirtschaftlich herausfordernden Zeiten und steigender Kosten schafft für Fries Kunststofftechnik neue Möglichkeiten. Und zwar dazu, neue Umwelttechnologie zum Einsatz zu bringen, wie Geschäftsführer Gerhard Bertsch berichtet. Das Unternehmen investiert nun in eine neue Extrusionsblasmaschine. Denn mit dieser Maschine sei es nun erstmals möglich, Rezyklat aus dem Gelben Sack für die Herstellung von lebensmittelechten Fässern zu nützen, informiert er.

Großinvestition in die Zukunft

Erwirtschaftet hat die Fries Kunststofftechnik GmbH mit Sitz in Sulz 2023 einen Rekordumsatz von 41 Millionen Euro in der Gruppe. In die neue Maschine werden rund 2,4 Millionen Euro investiert. Die neue Hightech-Maschine sei klar eine Großinvestition in die Zukunft und verdeutliche die Weiterentwicklung des Unternehmens und das Wachstum. „Die Co-Extrusion wird uns neue Märkte eröffnen, für die wir innovative Lösungen für höchste Ansprüche an die Herstellung entwickeln werden“, ist Bertsch überzeugt. Zum ersten Mal kann damit Rezyklat aus dem Gelben Sack (Kunststoffabfall) für die Herstellung von Lebensmittelverpackungen eingesetzt werden.

Fries: Was aus dem Gelben-Sack-Inhalt jetzt wird
Die Geschäftsführer des Kunststofftechnik-Pioniers, Katharina Rhomberg und Gerhard Bertsch, achten auch auf nachhaltige Lösungen. VN/Stiplovsek

Und so funktioniert das “Wunderwerk”: Jeder hat schon einmal einen Luftballon aufgeblasen. Durch die Atemluft vergrößert sich das Volumen des Materials und im Inneren entsteht ein Hohlraum. Nach einem ähnlichen Prinzip funktioniert auch eine Extrusionsblasmaschine. Freilich stecke dahinter mehr als nur Luft, es sind komplexe Systeme, die es beispielsweise ermöglichen, lebensmittelechte Fässer herzustellen. Dabei wird das aufgeschmolzene Polymer über eine Förderschnecke durch die Düse gepresst, sodass ein schlauchförmiger Vorformling entsteht. Dieser wird in eine Blasform übergeben und durch Innendruck den Innenkonturen der Form angepasst.

Fass statt Gelber Sack

Entscheidend sei jedoch nicht nur die Technik, sondern vor allem das Material, das so zusammengesetzt sein muss, dass Nahrungsmittel damit nicht kontaminieren. Auf die Herstellung solcher 220-Liter-Fässer hat sich Fries spezialisiert. Beim Unternehmen mit Sitz in Sulz “geht man seit jeher einen Schritt weiter.” Nachhaltigkeit und langlebige Nutzung von Produkten der Sulner Firma habe oberste Priorität.

Fries L-Ringfass
Und so sieht der Kunststoffabfall aus dem Gelben Sack aus, wenn er durch die Maschine transformiert wird. Das L-Ringfass von Fries. FA

Derzeit wird im Werk alles für die Ankunft der Maschine vorbereitet. Die Extrusionsblasmaschine ist ein österreichisches Produkt, sie stammt vom weltweit führenden Hersteller Bekum aus Traismauer. Bewusst setzen Geschäftsführerin Katharina Rhomberg und Geschäftsführer Gerhard Bertsch auf österreichische Qualität. „Nach der Anlieferung Ende April 2024 verfügen wir über die größte Extrusionsblasmaschine in Vorarlberg.“ Was das Unternehmen alles macht, das kann man am Tag der offenen Tür diesen Freitag (5. April) besichtigen.

Fries Kunststofftechnik Fakten

Gegründet 1895
Geschäftsführung Katharina Rhomberg-Shebl, (Vorsitzende der Geschäftsführung), Gerhard Bertsch (Geschäftsführer Vertrieb & Marketing)
Hauptsitz Sulz in Vorarlberg, Österreich
Weitere Standorte Deutschland, Österreich, Belgien, Niederlande
Mitarbeiter 250
Lehrlinge 7
Verarbeitung von 5000 Tonnen Kunststoff pro Jahr
Exportquote 89 Prozent
Exportländer 50 Länder weltweit
Umsatz 41 Millionen Euro (2023)
Vier Geschäftsfelder Industrieverpackungen, Gastro-Spülkörbe, Werkstückträger und Industriekörbe sowie technische Formteile.