Immobilienmarkt in Vorarlberg: Nachfrage rückläufig, gebrauchte Immobilien werden teils günstiger

Experten gehen davon aus, dass sich der Markt im Jahr 2024 wieder normalisieren wird. Sehr gut ausgestattete Eigentumswohnungen bleiben aber in bestimmten Regionen teuer.
Dornbirn Der Vorarlberger Immobilienmarkt hat sich in den letzten 20 Monaten stark gewandelt. Gründe seien die strengeren Eigenmittelvorschriften der KIM-Verordnung, ein deutlich höheres Zinsniveau und der allgemeine Preisanstieg. Dies habe 2023 allgemein zu einem deutlichen Rückgang der Nachfrage geführt, so die Experten von s REAL Vorarlberg, dem Immobilien-Dienstleister der Erste Bank und Sparkasse.
Gebrauchte Immobilien günstiger
Vermehrt kommen nun auch Gebrauchtimmobilien günstiger auf den Markt. „In den meisten Regionen sind leichte Preisbewegungen zu registrieren, vor allem bei hochpreisigen Immobilien und bei preiswerten gebrauchten Wohnungen und Häusern bis 350.000 Euro”, sagt Christian Hagspiel, Geschäftsführer von s REAL Vorarlberg. Es sei aber vorerst weder ein nachhaltiger Preisrückgang noch eine deutliche Leitzinssenkung in Sicht.
4800 Euro pro Quadratmeter
Der gerade neu erschienene Immo-Guide, der die Richtwerte für Gewerbe- und Wohnimmobilien für die wichtigsten Regionen des Landes ausweist, geht für 2024 von leicht rückläufigen Preisen aus. So müsse man auch im kommenden Jahr beispielsweise bei gebrauchten, sehr gut ausgestatteten Eigentumswohnungen im Bezirk Dornbirn mit durchschnittlich 4800 Euro pro Quadratmeter rechnen.

Regionen entwickeln sich unterschiedlich
Die Analyse der Grundbuchtransaktionen (01 bis 10/2022 gegenüber 01 bis 10/2023) spiegle die aktuelle Situation wider: Immobilientransaktionen in Vorarlberg sind um 44,4 Prozent gesunken. Das Transaktionsvolumen ist um 47,44 Prozent zurückgegangen. Die Analyse zeigt aber auch deutliche regionale Unterschiede auf. Während die Transaktionen in den Bezirken Bregenz, Feldkirch und Bludenz ähnlich stark nachgelassen haben, ist der Rückgang der An- und Verkäufe im Bezirk Dornbirn deutlich geringer. Gleichzeitig nahm dort der durchschnittliche Transaktionspreis sogar um rund drei Prozent zu. „Das könnte den Schluss zulassen, dass in und rund um die Stadt Dornbirn vermehrt Immobilien im Luxussegment die Besitzer wechselten“, erklärt Hagspiel. Ganz anders die Situation im Bezirk Bludenz, wo das Transaktionsvolumen (-64,44 %) und der durchschnittliche Transaktionspreis (-33,23 %) abnahmen, offensichtlich 2023 also weniger hochpreisige Immobilien auf den Markt kamen.

Langsame Entscheidungen
Abwarten heiße es aber bei den Verkäufern: Wechselten früher Objekte innerhalb weniger Wochen die Besitzer, betrage heute die durchschnittliche Vermarktungsdauer sechs Monate und mehr. „Wir beobachten außerdem vermehrt, dass nur verkauft wird, wenn verkauft werden muss. Das gilt vor allem für ältere, kleinere Wohnungen und kleinere Grundstücke bis 400 Quadratmeter. Da hat sich auch nichts im Preis verändert“, so der Geschäftsführer: “Abwartend zeigen sich aber auch die Bauträger, die aktuell meist nur noch bei echten ‚Sahnestückchen‘ zuschlagen.“
Markterholung in Sicht
Martina Hirsch, zweite Geschäftsführerin s REAL Vorarlberg geht davon aus, dass sich der Immobilienmarkt 2024 wieder einigermaßen normalisieren wird: „Menschen passen sich meist recht schnell den Gegebenheiten an und werden auch 2024 Möglichkeiten zum Eigentumserwerb finden. Insgesamt ist die aktuelle Situation für Suchende sogar recht vorteilhaft, denn sie können sich ruhig auf dem Markt umsehen, ohne vorschnelle Entscheidungen treffen zu müssen.“
Der neue Immo-Guide
Der neu erschienene Immo-Guide richtet sich an Rechtsanwälte, Notare, Treuhänder und interessierte Privatpersonen und steht digital auf den Websites aller Vorarlberger Sparkassen sowie auf Ländleimmo zum Download zur Verfügung.