Arbogast-Geschäftsführer Mutschlechner: „Wir sind längst nicht mehr rein kirchlich geprägt“

Jugend- und Bildungshaus zieht nach der Eröffnung im Vorjahr eine zufriedene Bilanz. Heuer sollen Zahlen des Vor-Corona-Jahres erreicht werden.
Götzis Im April vergangenen Jahres öffnete das Jugend- und Bildungshaus St. Arbogast die Tore nach einer umfangreichen Sanierung wieder. „Wir haben bewusst auf einen radikalen Umbau verzichtet“, sagt Geschäftsführer Daniel Mutschlechner. „Wir wollten auch das, wofür das Haus steht, fortschreiben und dennoch den Blick nach vorn gerichtet halten. Das Feedback ist positiv, auch wenn es für manche eine gewisse Umgewöhnung bedeutet.“

Mehr Offenheit
Blickt man allerdings genauer hin, hat sich doch einiges getan. Seminarräume, Café und Gästehäuser wurden technisch und optisch modernisiert. „Es herrscht mehr Offenheit“, sagt Mutschlechner. Das ist nicht nur architektonisch gemeint, denn auch inhaltlich hat sich Arbogast über die vergangenen Jahre einem stetigen Wandel unterzogen. Längst ist es kein Ort mehr, der rein kirchlich geprägt ist. Auch wenn er in manch einem Kopf nach wie vor so gesehen wird.

Mutschlechner weiß, dass es oft lange dauert, bis sich gewisse Bilder früherer Zeiten in den Köpfen verändern. „In Arbogast sind mittlerweile auch viele Unternehmen zu Gast. Es gibt ein gutes Miteinander. Hier trifft die Jugendgruppe den Politiker genauso wie den Firmenchef. Es ist ein Ort für alle.“

1960 eröffnet
Arbogast blickt auf eine lange Geschichte zurück. 1960 wurde das Jugend- und Bildungshaus eröffnet. Später kamen die Gästehäuser sowie die Kapelle hinzu. Heute sei man ein professionelles Seminarzentrum, und auch wenn man eine kirchliche Trägerschaft habe, habe man in der Seminargestaltung freie Hand und dementsprechend viel Spielraum.

200 Kurse und Seminare im Jahr veranstalten Mutschlechner und sein 50-köpfiges Team selbst. „Es ist schön, hier so viele unterschiedliche Menschen begrüßen zu können. Dabei gilt es, immer die Balance zu halten, was hierher passt und was wir selbst anbieten“, betont der Geschäftsführer.

Bezug aufs Wahljahr
Heuer – im Super-Wahljahr – zieht sich ein stark proeuropäischer Kurs durch das Programm. Wichtig ist es den Verantwortlichen, im Gespräch zu bleiben, zu diskutieren, eine gute Streitkultur zu pflegen. „Unser Anspruch ist es, einerseits dazu beizutragen, die Welt menschlicher und damit besser zu machen und andererseits den Einzelnen zu stärken. Wo gibt es denn diese Orte noch? Allem liegt auch Spiritualität zugrunde, aber das bedeutet nicht, nicht weltoffen zu sein“, so Mutschlechner.

Und so gibt es in Arbogast Exerzitien genauso wie den Vortrag von Professor Gerhard Mangott über Russland und die Ukraine oder das Kabarett mit Florian Scheuba.

Gastronomie als Zugpferd
Auch die hauseigene Gastronomie ist ein Zugpferd in Arbogast. Seminarteilnehmer und Gäste werden mit regionalen Gerichten verköstigt. Im Jahr werden hier 50.000 Mahlzeiten zubereitet. Allerding ist es kein À-la-carte-Restaurant, obwohl die Nachfrage vorhanden wäre.

An erster Stelle stehen die Teilnehmer im Haus – deren Anzahl entscheidet über freie Plätze. „Die Kulinarik ist ein weiterer guter Grund, um nach Arbogast zu kommen“, betont Mutschlechner.

Teilnehmer würden gerne von einem „Kraftort“ sprechen, wenn sie nach Arbogast kommen. Sie schätzen die Ruhe, die Natur. „Wir bleiben ein physischer Ort, der dazu beiträgt, das Vertrauen ins Leben zu behalten.“

Zahlen erreichen
Für heuer ist der Geschäftsführer optimistisch, an vergangene Zeiten anzuknüpfen. 2019 – also vor Corona – verzeichnete Arbogast 26.000 Gäste und 19.000 Nächtigungen. Dahin will man heuer wieder kommen, sagt Mutschlechner. „Wir waren durch die Pandemie und die Sanierung lange weg. Nun möchten wir den Ort wieder aufladen.“

Arbogast-Fakten
Veranstaltungen 2019: gesamt 1040
Besucher 2019: gesamt 25.346
Verpflegung 2019: 58.331 Mahlzeiten
Nächtigungszahlen 2019: gesamt 16.743