Bei diesem Unternehmen zahlt sich Fairantwortung aus

Vorarlberger Lebensmittelgroßhändler baut in schwierigem Jahr Umsatz um fast zehn Prozent aus.
Mäder Das Lebensmittelhandelsunternehmen Gunz schreibt weiter an seiner Erfolgsgeschichte. Kern dieses Erfolgs sind ein besonderes Vertriebskonzept und – das unterscheidet Gunz von vielen anderen Firmen – eine besondere Firmenstrategie, die eine Win-win-Situation sowohl mit Lieferanten und Kunden als auch mit den Mitarbeitern festgeschrieben habe. „Werte leben“ umschreibt dieses von der Familie Gunz formulierte Ziel, an dem auch in der zweiten Generation festgehalten wird.
Fast 10 Prozent plus
Im vergangenen Jahr konnte das Unternehmen mit 185 Mitarbeitern den Umsatz um 9,58 Prozent auf 188 Millionen Euro steigern. Für Firmenchef Michael Temel ist erfreulich, dass besonders in den Kernländern des Händlers die Kunden zu Produkten aus dem Hause Gunz griffen. Überdurchschnittlich gewachsen ist der Umsatz in Deutschland mit einem Plus von 13,36 Prozent, in der Schweiz mit plus 12,4 Prozent, in den Niederlanden mit 16,14 Prozent mehr Umsatz als 2022 und Österreich mit plus 17,13 Prozent.

Und das, obwohl „es die Kakaoprodukte aktuell leider schwer haben“, erklärt Temel. Die Preise für Kakao sind auf einem Rekordhoch, was die Konsumentenpreise nach oben treibe. „Das ist im Absatz spürbar.“ Dem Fairtrade-Engagement kann das nichts anhaben. Temel und sein Schwiegervater und Firmengründer Werner Gunz besuchten im vergangenen Jahr zusammen mit anderen Lebensmittelunternehmen aus Österreich Elfenbeinküste, um sich mit Produzenten zu treffen. Immerhin wird für das Unternehmen mit Sitz in Mäder sowie in Deutschland und in der Schweiz ein Prozent des weltweit über Fairtrade gehandelten Kakaos verarbeitet. Wert legt Temel darauf, dass man keine Spenden in die Kakao-Länder schicke, sondern die Arbeit fair entlohne.
Fairness gewinnt
Dass das Unternehmen Fairness großschreibt, zeigt auch das Festhalten am belarussischen Standort. Die Mitarbeiter werden trotz der Handelseinschränkungen – „Süßwaren sind auf der roten Liste“ – gehalten. Dafür wurde das Geschäftsmodell geändert, das Team vor Ort arbeite nur im Transitgeschäft und in der Exportbetreuung, berichtet der Geschäftsführer im VN-Gespräch. Wie seit Jahren wurde außerdem heuer wieder an alle Mitarbeiter eine Erfolgsprämie ausbezahlt, Mitarbeiter, die in Not geraten, werden unterstützt, und Sozialprojekten wie dem Schulheim Mäder oder „Ma hilft” mit Spenden unter die Arme gegriffen.

In Mäder laufen die Fäden des Unternehmens zusammen, am Standort Magdeburg (Bild) steht die Logistik im Mittelpunkt. Fa
Im vergangenen Jahr wurden vom Gunz-Team 86 Länder direkt beliefert, erstmals schickte das Unternehmen Container, gefüllt mit einer Auswahl des über 1200 Artikel umfassenden Sortiments, in die Länder Aruba und Reunion. Die 1200 Produkte des Portfolios bezieht Gunz von 150 Produzenten aus ganz Europa, viele dieser Waren davon sind Eigenmarken, die international registriert sind.
Besonders gut konnte sich der Großhändler in den Bereichen Gebäck und Snackartikel entwickeln, so Temel. Und auch wenn die Kosten im vergangenen Jahr ausschlugen, sei man mit vielen Produkten im Preis-Leistungs-Verhältnis sehr gut aufgestellt. So gut, dass man „in vielen Märkten mit unseren Produkten sowie Produktgruppen weiter wachsen konnte und kann“.
Die Snacks der Fußballfans
Neben den eigenen Marken setzt Gunz auch auf die Kraft ganz besonderer Marken. Einige der berühmtesten Fußballteams Europas arbeiten mit den Vorarlbergern zusammen. Die Fans von FC Bayern München, Borussia Dortmund, Paris St. Germain greifen inzwischen seit vielen Jahren zu Knabbereien und Sweets aus Mäder. Das bestehende Sortiment wird von Liverpool FC, Inter Mailand und AC Milan ergänzt. Damit nicht genug: „In Kooperation mit dem Fanmagazin Kicker werden wir passend zu den oben genannten Marken neue Produkte für die vielen Fußballfans in der D-A-CH-Region entwickeln“, berichtet der Firmenchef. Gestartet werde mit Popcorn anlässlich der Fußball-EM und einem Adventkalender für die kommende Weihnachtssaison.

2024 hat so begonnen, wie 2023 für das Unternehmen endete: erfreulich. „Wir sind mit einem Großauftrag aus Frankreich ins neue Jahr gestartet“, so Temel, „und waren bereits im Jänner über zehn Prozent gewachsen.“ Um die Expansion zu bewältigen, werden dringend Mitarbeiter gesucht, so Temel, besonders Menschen mit guten Sprachkenntnissen „auch in exotischen Sprachen” würden die Aktivitäten des Unternehmen im weltweiten Export unterstützen. In Mäder werden derzeit auch die Büros auf neuesten Stand gebracht, um optimale Arbeitsbedingungen zu gewährleisten, außerdem soll „ein neues Warenwirtschaftssystem gefunden und in den nächsten Jahren eingeführt werden“, so Temel.