Vertrauen in Pensionssystem schwindet: 56 Prozent glauben, dass es nicht verlässlich ist

Markt / 01.02.2024 • 19:15 Uhr
Manfred Bartalszky, Vorstand Wiener Städtische, und Martin Jäger, Sprecher der Vorarlberger Sparkassen, stellten die Studie vor.  <span class="copyright">FA</span>
Manfred Bartalszky, Vorstand Wiener Städtische, und Martin Jäger, Sprecher der Vorarlberger Sparkassen, stellten die Studie vor.  FA

Vorsorgestudie 2024: Vorsorgebewusstsein in Vorarlberg bei 91 Prozent der Bevölkerung.

Dornbirn Einer der stehenden Sätze im Programm jeglicher österreichischen Regierung betrifft die Altersvorsorge. „Die Pensionen sind sicher“, predigen die Politiker von ihrer Kanzel und wissen doch, dass es Handlungsbedarf gibt. Deshalb wohl geben 56 Prozent der Vorarlberger an, dass der Grund für ihre finanzielle Vorsorge der ist, „dass man sich nicht mehr auf staatliche Systeme verlassen kann“. Das ist eines der Ergebnisse der von den Sparkassen, der s-Versicherung und der Wiener Städtischen jährlich durchgeführten Vorsorgestudie, deren Vorarlberger Ergebnisse am Donnerstag vom Vorstand der Wiener Städtischen Versicherung, Manfred Bartalszky, und dem Sprecher der Vorarlberger Sparkassen, Martin Jäger, vorgestellt wurden.

Sparbuch ist Nr. 1

Während das Vertrauen in die staatliche Altersversorgung schwindet, steigt das Bewusstsein in der Bevölkerung für eine eigene Vorsorge. „Ich will das System nicht schlechtreden“, so Bartalszky, „aber dauerhaft funktioniert das nicht. Das ist auch 91 Prozent der Vorarlberger bewusst, und deshalb investieren sie vermehrt in Lebensversicherung, wieder in Bausparverträge und zunehmend in Fonds und andere Vorsorgeinstrumente. Unangefochtene Nummer eins als Vorsorgeform bleibt in Österreich und Vorarlberg das Sparbuch. „In den deutschsprachigen Ländern wird traditionell konservativer veranlagt als zum Beispiel in Nordeuropa oder den USA“, so Jäger, der das Sparbuch aber ebenfalls schätzt, wie er sagt – zum Beispiel als kurzfristig verfügbare Reserve. Die Nummer eins der Anlageformen korrespondiert natürlich mit den wichtigsten Kriterien der Vorarlberger bei Veranlagungen für die Vorsorge. 46 Prozent der befragten Personen legen nämlich Wert darauf, dass es bei der Veranlagung kein bzw. ein geringes Risiko gibt.

Beratung zur Vorsorge sollte bei jedem Jahresgespräch mit Bank oder Versicherung ein Fixpunkt sein. <span class="copyright">APA</span>
Beratung zur Vorsorge sollte bei jedem Jahresgespräch mit Bank oder Versicherung ein Fixpunkt sein. APA

Ein souveränerer Umgang mit Finanzen, darin sind sich Bartalszky und Jäger einig, würde meist auch bessere Renditen bringen. 70 Prozent der Befragten geben in der Studie auch an, „keine gute Finanzbildung zu haben“. Deshalb wiederhole sich auch die seit Jahren erhobene Forderung der Branche nach einer schulischen Finanzbildung. Man mache auch selbst was, etwa mit dem digitalen Sparkassen-Instrument „George“, wo man spielerisch den besseren Umgang mit den Finanzen erfahre, so Jäger. Bei allen Sorgen in Zeiten wie diesen: Sieben von zehn Vorarlbergern sind derzeit mit ihrer Lebenssituation zufrieden.

Vorsorgestudie 2024

43 Prozent der Vorarlberger gehen mit Skepsis ins Jahr 2024

71 Prozent geben an, dass ihnen Gesundheit am wichtigsten ist, darauf folgen Sicherheit (69%) und Vorsorge (62%)

91 Prozent der Vorarlberger (Österreich 85%) sind sich der Bedeutung von Vorsorge bewusst

317 Euro legen im Durchschnitt Männer im Monat für die Vorsorge zurück, bei Frauen sind es 170 Euro

67 Prozent der Befragten in Vorarlberg geben an, dass man sich Vorsorge durch die Teuerung nicht mehr leisten kann

Work-Life-Balance mit Konsequenzen

Platz zwei im Ranking der wichtigsten Lebensziele gibt man in Vorarlberg dem Wunsch, „genügend Freizeit zu haben bzw. nicht überlastet zu sein“ (57 %). 41 Prozent der Befragten nehmen wahr, dass Work-Life-Balance besonders jungen Menschen immer wichtiger wird. „Spannend ist aber, dass gleichzeitig knapp drei Viertel im Ländle davon überzeugt sind, dass man es später bereuen könnte, hauptsächlich in Teilzeit oder nicht genügend lang gearbeitet zu haben, weil dann im Alter das Geld fehlt. Hier treten die Themen Kaufkraftverlust bis hin zur Altersarmut zutage, denen viele jüngere Menschen leider noch zu wenig Beachtung schenken“, so Bartalszky.