Warenstau auf Schiene und See

Markt / 25.01.2024 • 22:09 Uhr
Umweltfreundliches Speditieren funktioniert nur, wenn die bevorzugten Transportmittel auch funktionieren. Fa
Umweltfreundliches Speditieren funktioniert nur, wenn die bevorzugten Transportmittel auch funktionieren. Fa

Lokführer-Streik verschärft nach der Gefahrenlage im Roten Meer Lieferketten-Engpass.

Lauterach Politisch ist klar, was das Verkehrsministerium in Österreich will, auch im Land hält der zuständige Landesrat mit seinen Plänen nicht hinterm Berg: Güter auf die Bahn ist die Devise, die ihre Berechtigung hat. Doch wie das klaglos funktionieren soll, ist weder von den politischen Protagonisten noch den wirtschaftlichen Nutznießern zu Ende gedacht. Denn zumindest jene Bahnbetreiber, die im Eigentum des Staates sind, sorgen dafür, dass weder Passagiere noch Unternehmen mit einer funktionierenden Infrastruktur rechnen können – und zu guter Letzt wieder auf der Straße landen.

Das zeigt sich gerade jetzt wieder deutlich: Denn der sechstägige Streik der Lokführer bringt die Lieferketten in Europa schwer unter Druck. Das Chaos trifft die eh schon sehr anfällige Infrastruktur des globalen Warenverkehrs zu einer Unzeit. Was Claus Weselsky, dem Vorsitzenden der Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) in die Hände spielt, sorgt für hektisches Treiben bei produzierenden Firmen und vor allem ihren Logistik- und Speditionspartnern – auch im Exportland Vorarlberg.

Containerversand mit der Bahn

Für Vorarlbergs Exporteure sind die Häfen in Rotterdam und Hamburg entscheidend. „Normalerweise erfolgt der Containerversand zu den Seehäfen zu 95 Prozent mit der Bahn“, informiert der Sprecher des Logistik-Konzerns Gebrüder Weiss, Merlin Herrmann, auf VN-Anfrage. „Die Alternative ist der Transport per Lkw – also die Verlagerung auf die Straße.“ Das hat auch Auswirkungen auf die Kosten: „Die große Nachfrage nach Transportmöglichkeiten mit Lkw und der erhöhte Aufwand in der Planung und Abwicklung führt auch zu höheren Transportkosten, so Herrmann. Doch nicht nur der Transport ist eine Herausforderung. „Hinzu kommen längere Standzeiten der Container in den Seehäfen, die nicht abgenommen oder verschifft werden können“, klärt er auf.

Der Streik geht ins Geld. „Ein eintägiger bundesweiter Bahnstreik kostet etwa 100 Millionen Euro am Tag an Wirtschaftsleistung“, sagte der Konjunkturchef des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW), Michael Grömling, ob die Kosten eins zu eins auf einen sechstägigen Streik umgerechnet werden können, darüber sind sich die Ökonomen mangels Erfahrung aber uneinig. Dass es Mehrkosten in Millionenhöhe gibt, ist unbestritten, auch in Vorarlberg müssen diese Mehrkosten erst einmal erwirtschaftet werden. Zumal eine weitere „Baustelle“ auf den globalen Lieferwegen für Umwege und Engpässe sorgt.

Enorme Auswirkungen

Die Unsicherheiten und die Angriffe der jemenitschen Bürgerkriegspartei Huthi auf Frachtschiffe, die den Suezkanal nutzen wollen, „hat bereits jetzt enorme Auswirkungen auf alle globalen Schifffahrtsrouten und führt zu längeren Transitzeiten, Routenänderungen, massiven Tariferhöhungen und Notfallzuschlägen“, berichtet Merlin Hermann über die Auswirkungen auf die Branche insgesamt und speziell auch für Österreichs größte Spedition, Gebrüder Weiss. Klar ist auch, dass das zu erheblichen Mehrkosten führt. „Aufgrund der prekären Ausnahmesituation können Reedereien früher getroffene Vereinbarungen über Frachtkosten und Schiffsplätze nicht aufrecht­erhalten.“ Wenn die kritische Lage anhalte, sei außerdem mit massiven Kapazitätsproblemen zu rechnen. Die Nutzung der Route über das Kap der Guten Hoffnung führe zu Verzögerungen von zwei bis drei Wochen. Viele Importeure haben aufgrund der Erfahrungen aus früheren Engpässen Pufferlager aufgebaut und seien somit weiterhin lieferfähig. Alternativ seien auch der Bahntransport aus China sowie kombinierte Luft- und Seefrachttransporte möglich. VN-sca

Auch Schiffsverkehr zwischen Asien und Europa ist unter Druck. Fa
Auch Schiffsverkehr zwischen Asien und Europa ist unter Druck. Fa