Wie man mit einem neuen Wohnkonzept mehr Wohnraum schaffen kann

Dornbirner Architekt hat Rezept für mehr Wohnraum bei kleinen Flächen. In der Schweiz wird seine Idee umgesetzt.
Dornbirn, Bregenz Vorarlberg hat einen großen Bedarf an Wohnbau. Mit der Leistung, die derzeit aufgrund verschiedener Einflüsse auf kleinster Flamme kocht, ist der Wohnungsnot allerdings nicht beizukommen. Zumal in Vorarlberg auch der Boden, auf dem gebaut werden kann, knapp ist. Die 300 angekündigten „Wohnen 550″-Wohnungen sind ein wichtiger Impuls. Die Eckdaten sind bekannt: Es werden einheitliche Zwei-Zimmer-Wohnungen mit einer Größe von 50 Quadratmetern mit einer Basic-Ausstattung sein. Die Gebäude haben keine Tiefgarage, Unterkellerung oder Lift, wie die Landesregierung bekannt gegeben hat. Wenig Raum – wie man es auch dreht und wendet.

Allerdings gibt es eine Möglichkeit, aus wenig Raum viel Platz zum Wohnen zu machen. Und die Vogewosi hat das auch schon getestet, erhielt bereits 2014 sogar den Anerkennungspreis für innovative Architektur in Österreich für das im Dornbirner Oberdorf umgesetzte Projekt nach Plänen des Dornbirner Architekten Angelo Roventa. Der „outstanding artist award” wird seit 1988 alle zwei Jahre vom Bundeskanzleramt Österreich mit dem Ziel, architektonisch anspruchsvolle und zukunftsträchtige Projekte zu ermitteln und zu präsentieren, vergeben.

Applaus für das Konzept, von Roventa als Marke „Elastic Living” auch markenrechtlich geschützt, gab es auch auf der berühmtesten Möbelmesse der Welt, dem Salone de Mobile Milano, sowie im Jahr 2019 bei der „BCN-NYC Affordable Housing Challenge” in Barcelona, bei der das Konzept ins Finale kam.
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Während es in Dornbirn bei der „Pionierwohnung” im Dornbirner Oberdorf sowie einigen privaten Wohnungen, z. B. als Ferienwohnung, blieb, wurden in der Schweiz bereits rund 200 „Elastic Living”-Wohnungen in Betrieb genommen, wie Roventa bei einem Lokalaugenschein mit den VN berichtet.

Doch wie soll „Elastic Living” aus wenig viel Raum machen? Roventa hat die typische Nutzung einer Wohnung analysiert, bevor er sein Wohnmodell entwickelte, das auf 50 Quadratmetern die Möglichkeiten einer Wohnung in der Größe von 150 Quadratmetern bieten kann. Und er hat Anleihen genommen – bei Archivsystemen, die auf kleiner Fläche ein effizientes Platzsystem bieten. „Die Elastische Wohnung macht immer dort Platz, wo er gebraucht wird”, so der Architekt, der seit über 30 Jahren in Vorarlberg lebt und wirkt.
„Elastic Living” bietet ein 50 Quadratmeter großes Appartement mit verschiebbaren Räumen, die mit Kurbeln einfach und ohne Kraftanstrengung verschoben werden. Bei dem modularen Möbelsystem sind Küche und Bad an den Wänden jeweils fix installiert – alle anderen Wohnfunktionen können je nach Verwendung vergrößert oder verkleinert werden. Was das eine Zimmer nicht nutzt, wird dem belebten zugeschlagen. Es braucht nur eine Raumhülle mit mindestens 20 Quadratmetern und Geometrie, in welche die Elastische Wohnung hineingestellt wird.

Neben den Vorteilen für die Bewohner – im Idealfall Paare bzw. Singles – kann damit auch effizient auf kleinen Grundstücken gebaut werden, so der Architekt im Gespräch mit den VN. Neben diesem Vorteil in Vorarlberg mit seinen begrenzten Flächen brauche man zudem weniger Energie für die so ausgestatteten Wohnungen, auch fallen z. B. weitere Flächen für Fenster weg. „Man muss nur 50 Quadratmeter heizen, kühlen, lüften, beleuchten und reinigen, bewohnt jedoch ein Vielfaches!”, schildert Roventa weitere Vorteile seines Wohnkonzepts, das zum Beispiel bei einer Wohnung mit 50,66 Qudratmetern Wohnfläche auch genügend Platz für eine weitere individuelle Wohngestaltung übrig lasse. Das „Elastic Living”-Modul könne von Handwerkern vor Ort erzeugt werden und schlägt mit rund 50.000 Euro zu Buche, informiert der Architekt weiter. Ein weiterer Vorteil: Wolle man die Wohnfläche andersweitig nutzen, könne das Modul problemlos transportiert werden und woanders Verwendung finden, beispielsweise als Ausstattung einer Ferienwohnung, wie es bereits in Lech umgesetzt wurde.
Mehr Informationen: elasticliving.eu/de/