Was Signa-Sanierer Grossnigg mit Vorarlberg zu tun hat

Markt / 04.12.2023 • 17:15 Uhr
Erhard Grossnigg  soll für die zwei wichtigsten Signagesellschaften die Kastanien aus dem Feuer holen. <span class="copyright">APA/PFARRHOFER</span>
Erhard Grossnigg soll für die zwei wichtigsten Signagesellschaften die Kastanien aus dem Feuer holen. APA/PFARRHOFER

Erhard Grossnigg ist der wohl bekannteste und umtriebigste Sanierer Österreichs. Bei Signa soll er retten, was zu retten ist. Zu Vorarlberg hat der gebürtige Linzer zahlreiche Bezugspunkte.

Wien, Schwarzach Eigentlich wollte Erhard Grossnigg nicht mehr ins Scheinwerferlicht treten, jetzt steht er dennoch wieder auf der großen Bühne. Grossnigg kündigte im Frühjahr 2016 an, dass er sich im Herbst 2016 aus dem operativen Geschäft zurückziehen werde. Er werde nach seinem 70. Geburtstag nur noch das Vorstandsmandat in seinen eigenen Stiftungen ausüben. Schaut man aktuell ins österreichische Firmenbuch, ist seine neueste Aufgabe zwar noch nicht eingetragen, doch der inzwischen 77-Jährige ist Eigentümer von vier Unternehmen und Geschäftsführer von sieben Unternehmen bzw. Holdings und Gruppen, in welchen wiederum weitere bekannte Unternehmen ihren Platz haben.

Ohne den im Jahr 1946 in Linz geborenen Grossnigg scheint in Österreichs Wirtschaft – zumal bei großen Problemfällen – bis heute nichts zu gehen. Es ist anzunehmen, dass Hans Peter Haselsteiner, mit dem der Unternehmer und Unternehmenssanierer befreundet ist, dem 77-Jährigen eine Mammutaufgabe schmackhaft gemacht hat. Am Freitagabend gab die Signa bekannt, dass der Sanierungsprofi als Manager der wichtigsten Teilgesellschaften Signa Prime Selection AG und Signa Development Selection AG an Bord geholt wurde. Als zusätzliches Mitglied der Vorstände werde er „die nächsten Sanierungs- und Restrukturierungsschritte für die beiden Immobilien-AGs umsetzen”, hieß es.

„Mit diesem nächsten konsequenten Schritt schaffen wir weiteres Vertrauen in der jetzigen Situation”, hofft Ex-Bundeskanzler Alfred Gusenbauer, Aufsichtsratsvorsitzender der beiden Signa-Gesellschaften, auf die Expertise Grossniggs.

Saniererlegende Erhard Grossnigg im VN-Interview im Jahr 2007. <span class="copyright">VN/Zellhofer</span>
Saniererlegende Erhard Grossnigg im VN-Interview im Jahr 2007. VN/Zellhofer

Grossnigg ist seit Jahren auch in Vorarlberg engagiert – mal mehr, mal weniger. Er sei ein „ausgewiesener Finanzfachmann für einen neu strukturierten, stark operativ ausgerichteten Holding-Vorstand”, so der damalige Vorstandsvorsitzende der Huber Holding AG, Dr. Klaus Lange, zum Engagement Grossniggs in der Textilgruppe ab Mitte 2000 im Vorstand, bereits seit 1993 im Aufsichtsrat des Unternehmens und wieder von 2009 bis 2012, das heute im Eigentum der in Hongkong ansässigen Benger Brands Limited des Unternehmers Ng Man Choong ist. Die Verbindung mit den früheren Eigentümern mit Grossnigg ist nach wie vor aufrecht: Mitglieder der Eigentümerfamilie Huber und Rhomberg sind bis heute Gesellschafter der von Grossnigg gegründeten Austro Holding AG, in deren Portfolio eine ganze Reihe bekannter österreichischer Firmen zu finden sind. Auch in Aufsichtsräten und Stiftungsvorständen ist der Linzer tätig, z. B. in der Rhomberg Privatstiftung der gleichnamigen Bauunternehmer-Familie.

„Gibt keinen Besseren”

Unternehmer Hubert Rhomberg spricht in den höchsten Tönen von Grossnigg und betont, „es gibt keinen Besseren für die schwierige Aufgabe bei Signa.” Er habe ihn kennengelernt als Unternehmer und Sanierer, der für Mitarbeiter und Unternehmen das beste Ergebnis zu erreichen versuche. Der aber auch einen Schlussstrich zieht, sollten seine Bemühungen nicht fruchten, wie verschiedene Beispiele in Österreich zeigen. „Aus meiner Erfahrung erkennt man in längstens zwei Jahren, ob der Turnaround in einem Unternehmen geglückt ist”, sagte er im Jahr 2007 in einem Interview mit den VN.

Die Firma Sleepwell Kauffmann ist am Standort Hörbranz inzwischen Geschichte. <span class="copyright">VN</span>
Die Firma Sleepwell Kauffmann ist am Standort Hörbranz inzwischen Geschichte. VN

In Vorarlberg übernahm er im Jahr 2007 die Sanierung des Wolff-Nachfolgeunternehmens Lupus und im selben Jahr auch die der insolventen Alpenländischen Bettfedernfabrik Kauffmann, die als „Sleepwell Kaufmann” reüssierte und schlussendlich in die Sanders.eu GmbH in Bramsche (D) eingegliedert wurde. Auch bei Bug Alu Technik in Kennelbach war Grossnigg an Bord. Das Unternehmen, das Richard Eckstein 1984 von den Gründern Karl und Paul Uhl aus Vogt bei Ravensburg übernommen hatte und das in der Folge stark expandierte, wurde von der Strabag gekauft, die später Arbeitsplätze nach Ungarn auslagerte.

Grossnigg anlässlich einer Veranstaltung der Westbahn, an der er ebenfalls Anteile hält. <span class="copyright">APA/GEORG HOCHMUTH</span>
Grossnigg anlässlich einer Veranstaltung der Westbahn, an der er ebenfalls Anteile hält. APA/GEORG HOCHMUTH

Mit einer weiteren Tochter, der Austro Immo, die teil der Austro Holding ist, ist Grossnigg auch an der CityOffice Feldkirch Development GmbH beteiligt, die das sogenannte Bärahus an der Bärenkreuzung errichtet hat. Die Austro Holding ist dem Textilgeschäft treu geblieben und ist heute Hälfteeigentümer der Kunert Fashion in Immenstadt im Allgäu (die nichts mit Kunert Rankweil bzw. Lindau zu tun hat). Auch in der Lebensmittelproduktion ist Grossnigg aktiv. 2019 übernahm er von der Dornbirner Großbäckerei Ölz deren 19-Prozent-Anteil an der Wiener Ankerbrot, der einst größten Bäckerei der Welt, die zum Zeitpunkt des Anteilerwerbs 2019 über 100 Filialen betrieb und rund 1100 Mitarbeiter beschäftigt hat.

Martin Summer (Rhomberg Bau), Investoren Erhard F. Grossnigg (2. v.l.), Elke Auer und Alexander Budasch sowie AK-Direktor Rainer Keckeis. <span class="copyright"> CityOffice Feldkirch Development</span>
Martin Summer (Rhomberg Bau), Investoren Erhard F. Grossnigg (2. v.l.), Elke Auer und Alexander Budasch sowie AK-Direktor Rainer Keckeis.  CityOffice Feldkirch Development

Er habe sich nie als Sanierer gesehen, so Grossnigg in einem Interview mit den VN, „ich verstehe mich eher als ‚Company Doctor‘, der seinen Beitrag leistet, um Firmen wieder herzustellen. Jemand, der krank ist, geht auch zum Arzt.” Krank sind seine neuesten Patienten, die beiden Signa-Gesellschaften, ohne Frage. Bleibt zu hoffen, dass seine Behandlung erfolgreich ist.

Zur person

Dr. Erhard F. Grossnigg

geboren am 22.9.1946 in Linz

1 Tochter, 1 Enkel

Ausbildung:

1956 – 1960 Realschule Linz

1960 – 1964 Handelsakademie Linz, Abschluss in Wiener Neustadt

1964 – 1968 Studium an der Hochschule für Welthandel, Abschluss

1975 Diplom

1980 Doktorat

1985 Stanford University SEP 85

Berufsweg:

1968 – 1974 Chase Manhattan Bank, Wien, N.Y., Paris, Düsseldorf

1974 – 1979 geschäftsführender Gesellschafter der DONAU FINANZ Treuhand- und FinanzierungsgesmbH & Co. KG, Wien

seit 1979 geschäftsführender Gesellschafter der E. F. Grossnigg Finanzberatung und TreuhandgesmbH

Interessen in Vorarlberg: (in der Vergangenheit und heute) Huber Holding, Sleepwell Kauffmann, Stiftungsvorstand Rhomberg Familienstiftung, CityOffice Feldkirch Development GmbH