Ist das Chalet N Teil der Signa-Masse? Rätselraten in Lech und bei “Experten”

Die Signa Holding hat am Mittwoch Insolvenz angemeldet. Ob das Chalet N in Lech zur Masse gehört, ist noch nicht klar.
Wien, Lech, Bregenz Seit Wochen und zuletzt im Stundentakt wurde über den Fall des inzwischen ehemaligen österreichischen Business- und Politikdarlings Rene Benko und seine Signa berichtet, ohne den Nebel tatsächlich zu lichten. Am späten Mittwoch vormittag war es dann soweit: Die Signa selbst informierte über die bevorstehende Insolvenz und den Plan, Antrag auf Sanierungsverfahren mit Eigenverwaltung zu stellen, was später sowohl vom KSV 1870 und vom Gericht bestätigt wurde. Der Antrag wurde für die Signa Holding gestellt. Ein äußerst komplexes Gebilde, wie der Kreditschutzverband schildert. Die Passiva liegen laut AKV bei rund 5 Mrd. Euro, die Überschuldung laut Creditreform bei 4,9 Mrd. Euro.

Die Signa Holding GmbH selbst ist direkt an sechsunddreißig in Österreich befindlichen Kapitalgesellschaften im unterschiedlichen Ausmaß beteiligt. Durch die komplexen Eigentums- und Stiftungskonstruktionen ist die mittelbare oder gegebenenfalls unmittelbare Möglichkeit der Einflussnahme auf einzelne Gesellschaften zum gegenwärtigen Zeitpunkt allerdings nicht abschließend beurteilbar, stellt Karl-Heinz Götze, Leiter Insolvenz beim KSV 1870 klar. Insgesamt stehen rund 390 österreichische Unternehmen in Zusammenhang mit Signa, wobei es sich großteils um Projektgesellschaften handelt. „Aus heutiger Sicht ist es seriös nicht einschätzbar, ob weitere Gesellschaften der ‚Signa-Gruppe‘ einen Insolvenzantrag stellen werden und es zu einem Dominoeffekt kommen wird“, so Götze weiter.

Ein Rätsel oder auch keines ist der Status von Benkos Vorarlberger Hideaway, das Chalet N in Oberlech. Laut Firmenbuch ist die “SIGNA AT 2020 Vier KG” mit Sitz in Innsbruck Eigentümer der Signa Luxury Collection, in der die drei Hotelperlen Hotel Bauer Palazzo Venedig, das Eden Luxury Resort Gardone und das Chalet N Lech “untergebracht” sind. Neben den Hotels ist diese Gesellschaft auch Eigentümerin der Burgenland Jagdpachtgesellschaft mbH. Als persönlich haftender Gesellschafter führt das Firmenbuch Marcus Mühlberger an, einen langjährig bei Signa tätigen Manager, der auch für Dutzende weitere Firmen des Signa-Reiches Verantwortung trägt.

Doch wie und ob die Luxusherbergen nun über weitere Stiftungen und Firmen zum Privatbesitz des gefallenen Unternehmers gehören oder nicht, darüber herrscht momentan nicht nur bei den Aufräumern im Signa-Reich Unklarheit, sondern auch bei den Nachbarn in Lech. “Viele bei uns in Lech sind der festen Meinung, dass Benko tatsächlich persönlich Eigentümer des Chalets N ist”, erzählt ein Nachbar. Auch er selbst sei dieser Meinung. Sollte aber das Chalet in die zu veräußernde Masse fallen, so ein Unternehmer aus dem Ortszentrum, dann wäre das bei dieser Lage und Ausstattung überhaupt kein Problem. “Dafür findet man schnell einen Abnehmer”, ist er sich sicher. Gekostet hat der Bau des Chalets damals zwischen 35 und 40 Millionen Euro, entsprechend hoch ist der Preis heute.
Weiterer Immobilienbesitz in Lech
Zum Besitz der Signa bzw. Benko gehört außerdem die ehemaligen Pension Licca. Dort sind die Personalwohnungen untergebracht. Denn egal ob das Luxusbijou nun von Benko nur privat genutzt oder doch vermietet wird, im Oberlecher Haus herrschte Nachbarn zufolge immer reges Leben. Rund 25 Mitarbeiter sind im Chalet N beschäftigt, das bis kurz vor Weihnachten noch zum Schnäppchenpreis von 250.000 Euro die Woche zu mieten ist, wie auf der auf Luxusferien spezialisierten Homepage www.finest-holidays.com zu erfahren ist. Danach beträgt der Hauspreis in der Hochsaison 510.000 Euro. Zu erfahren ist auf der Seite auch, dass das Chalet von 20. Jänner bis inklusive 16. Februar gebucht ist. Sorgen, dass das Hotel womöglich leer stünde, macht man sich jedenfalls nicht in Lech. Das aktuelle Geschehen wird dennoch in ganz Lech mit großem Interesse verfolgt.

Das Sanierungsverfahren mit Eigenverwaltung über die Signa Holding GmbH ist am Mittwochabend in Wien beim Handelsgericht eröffnet worden, berichteten die Gläubigerschutzverbände AKV und KSV. Laut AKV sind 42 Dienstnehmer und 273 Gläubiger betroffen. Die Gesamtverbindlichkeiten liegen demnach bei 5 Mrd. Euro. Laut Antrag verfügt die Schuldnerin über Aktiva mit einem Buchwert von rund 2,77 Mrd. Euro. Als sogenannter Liquidationswert werden jedoch laut AKV lediglich rund 314 Mill. angesetzt. Zum Masseverwalter wurde Christof Stapf bestellt. Michael Neuhauser ist sein Stellvertreter. Nach Passiva handelt es sich um die bisher höchsten Schuldenstand in der Wirtschaftsgeschichte Österreichs vor Alpine Bau (3,2 Mrd. Euro) und Konsum (1,9 Mrd. Euro).
Hypo Vorarlberg hält sich bedeckt: Sind 200 Millionen Euro ausständig?
Bregenz, Wien Bei Banken hat die gesamte Signa-Gruppe Milliardenschulden offen – alleine in Österreich sind es angeblich rund 2,2 Milliarden, der größte Teil davon bei der Unicredit-Tochter Bank Austria und im Raiffeisen-Sektor. Laut der Tageszeitung “Der Standard” soll das Signa-Engagement der Raiffeisen Bank International (RBI) bei rund 750 Mill. Euro liegen. Bei der kürzlich abgehaltenen außerordentlichen Hauptversammlung hatte die RBI ihr größtes Engagement im Immobilienbereich mit 755 Mill. Euro beziffert. Daneben dürften dem Zeitungsbericht zufolge auch die Raiffeisen-Landesbank Niederösterreich Wien mit 280 Mio. Euro und die Raiffeisen Landesbank Oberösterreich mit 150 Mill. Euro bei der Signa engagiert sein.

Für die Bank Austria gibt die Zeitung ein Signa-Exposure von insgesamt 600 Mill. Euro an, für die Erste Group dürften es 40 bis 50 Mill. Euro sein. Und auch wenn im Land keine Signa-Beteiligungen außer dem Chalet N und auch keine Projekte bekannt sind, ist unser Bundesland betroffen: Die Hypo Vorarlberg, mehrheitlich im Eigentum des Landes Vorarlberg, dürfte mit 200 Mill. Euro ein größeres Volumen bei Signa ausständig haben. Die Bank reagiert auf die Veröffentlichung mit einem Statement, das den Vorarlberger SPÖ-Nationalrat Reinhold Einwallner nicht zufrieden stellt: Er reagiert mit einer Anfrage an Landeshauptmann Markus Wallner darauf und will Details wissen. Die Hypo reagiert so: “Die aktuellen Entwicklungen ändern nichts daran, dass wir für das Geschäftsjahr 2023 unser geplantes Ergebnis erreichen werden. Die Hypo Vorarlberg ist eine sehr gut aufgestellte Bank und verfügt über eine ausgezeichnete Bonität.” Als Hypothekenbank sei die Finanzierung von Immobilien eines ihrer Kerngeschäftsfelder.
Im Finanzsektor wurde bezüglich der Signa zuletzt beruhigt. Der Vize-Gouverneur der Nationalbank (OeNB), Gottfried Haber, sagte kürzlich im Rahmen einer Pressekonferenz, dass auch mögliche Insolvenzen innerhalb der Signa-Gruppe “keinen signifikanten Einfluss auf die Finanzmarktstabilität oder auf einzelne Institute” hätten.