Martin Ohneberg

Kommentar

Martin Ohneberg

Bekommt mehr Kinder

Markt / 28.11.2023 • 22:25 Uhr

Unserem Land fehlt der Nachwuchs. Das ist ein echtes Problem, nicht zuletzt für Unternehmen. Erfreulicherweise wachsen diese noch und brauchen entsprechendes Personal. Doch die Geburtenzahlen sinken, aus der Schweiz und Liechtenstein werden viele Arbeitskräfte abgesaugt und zahlreiche junge Studierende kehren nach ihrem Abschluss nicht wieder in die Heimat zurück. Dass die Demografie nicht Schritt halten kann, ist zwar nichts Neues, die Dimensionen jedoch schon: Seit 2020 ist die Geburtenbilanz in Österreich negativ, was bedeutet, dass wir ohne Zuwanderung schrumpfen würden.

Bei den Verantwortlichen sollten hier die Alarmglocken schrillen, denn Nachwuchs ist nicht nur für die Wirtschaft, sondern auch für das gesamtstaatliche Gefüge wesentlich. Unser Pension- und Gesundheitssystem braucht Einzahlende und der öffentliche Dienst junge Mitarbeitende. Dass Zuwanderung aktuell die einzige Lösung zu sein scheint, entpuppt sich als gesellschaftliche Mammutaufgabe. Gelungene Zuwanderung steht und fällt mit der Integration der Zugewanderten in unsere Gesellschaft, doch spätestens seit dem Israel-Hamas-Krieg und dem damit offensichtlich gewordenen Antisemitismus in manchen Bevölkerungsgruppen kann man feststellen, dass diese Integration weniger gut gelungen ist als erhofft. Was also tun? Kann man die Steigerung von Geburtenraten fördern? Beispiele aus anderen Ländern zeugen von der Schwierigkeit eines solchen Unterfangens. In Vorarlberg wurde ein Prozess gestartet, mit dem das Land zum „chancenreichsten Lebensraum für Kinder“ werden soll. Prinzipiell eine großartige Sache; je besser die Rahmenbedingungen für ein Leben mit Kindern sowie für die Kinder selbst, desto eher bekommt man auch welche. Leider wird diese Vision mit zu wenig Anstrengung vorangetrieben. Was es bräuchte, wäre ein fokussiertes Vorgehen, das über Legislaturperioden und Ideologien hinaus greift: Vom Ausbau der Kinderbetreuung über die Modernisierung der Bildung bis zur Förderung der Nachtszene für Junge – der Anspruch, der chancenreichste Lebensraum für Kinder zu werden, setzt einen umfassenden Kraftakt voraus. Leider bezweifle ich, dass die aktuelle politische Kultur zu einem solchen fähig ist. Was bleibt, ist der Eindruck, dass hier ein wichtiges Thema verpasst wird. Den (werdenden) Eltern kann man nur die Hoffnung mitgeben, dass wir in Vorarlberg und Österreich schon noch die nötigen Weichen stellen werden, um kindergerechte und enkelfitte Rahmenbedingungen zu schaffen. Dennoch, liebe Leute: Bekommt mehr Kinder!

„Gelungene Zuwanderung steht und fällt mit der Integration der Zugewanderten in unsere Gesellschaft.“

Martin Ohneberg

martin.ohneberg@vn.at

Martin Ohneberg ist CEO der HENN Industrial Group, früherer IV-Präsident und sitzt in den Aufsichtsräten mehrerer Unternehmen.