Dieses Bauunternehmen trotzt rauem Gegenwind

Erfolgreiche Bilanz in einem schwierigen Jahr: Hilti & Jehle mit Wachstum und Zukauf zweier Unternehmen.
Feldkirch Tüchtig waren Vorarlbergs Bauunternehmen in den vergangenen Jahren auch, doch bis 2022 waren die Bedingungen trotz Herausforderungen wie der Covid-Ausnahmesituation oder des Materialengpasses deutlich besser – sowohl für die Baufirmen als auch für die nachgelagerten Handwerksbetriebe. Das Feldkircher Bauunternehmen Hilti & Jehle konnte aber auch in diesem alles andere als einfachen Geschäftsjahr 2022 seinen Wachstumskurs fortsetzen.
Gleich zwei Feldkircher Traditionsbauunternehmen wurden 2023 Teil der Hilti & Jehle Gruppe, die Mitarbeiterzahl erhöhte sich auf rund 650 Mitarbeiter und auch die Kennzahlen belegen diese positive Entwicklung. Das betonen die Geschäftsführer CEO Alexander Stroppa und CFO Stefan Peherstorfer gegenüber den VN. Mit der Erweiterung der Geschäftsleitung hat sich die Hilti & Jehle Gruppe außerdem für die Herausforderungen der Zukunft gut aufgestellt.

„Gegen externe Verwerfungen können wir uns nicht wehren“, resümiert CEO Alexander Stroppa die Situation des vergangenen Jahres, aber: „Umso mehr sind wir unserer jahrzehntelangen Firmenphilosophie treu geblieben, nur in jenen Segmenten zu wachsen, die wir gut beherrschen. Unsere Stärke liegt im Kerngeschäft des Bauens. Darauf haben wir erfolgreich unseren Fokus gelegt und konnten auch im vergangenen Geschäftsjahr unsere Bauproduktion auf einem soliden Fundament weiter steigern.“
Bei der Betriebsleistung wurde ein Zuwachs von 118,3 Mill. auf 125,5 Millionen Euro im Geschäftsjahr 2022/23 erreicht, erklärt CFO Stefan Peherstorfer. „Als stabiler Faktor, gerade in Zeiten steigender Zinsen, erweist sich unsere traditionell hohe Eigenkapitalquote von über 50 Prozent.“
Solides Wachstum
Mit der Entscheidung, zwei erfolgreiche Feldkircher Familienunternehmen mit hoher Baukompetenz in die Firmengruppe zu integrieren, habe man in diesem Geschäftsjahr die Weichen für weiteres Wachstum gestellt. Durch die Übernahme von LOT Holzbau eröffnen sich in Verbindung mit der Baukompetenz von Hilti & Jehle interessante neue Märkte. LOT Holzbau wird unter eigenem Namen am bisherigen Standort in Feldkirch mit dem bestehenden Team weitergeführt.

Das Feldkircher Bauunternehmen stellt – wo das bereits möglich ist – die Antriebstechnologie von Verbrennern auf Elektro um. Fa
Mit einer Beteiligung am Tiefbauspezialisten Mähr Bau könne Hilti & Jehle seine führende Position im Tiefbau und im Pflasterbetrieb weiter ausbauen. Das Traditionsunternehmen mit rund 60 Mitarbeitern bleibt als eigenständige Firma am Standort Feldkirch Nofels und unter eigenem Namen. Markus Mähr leitet das Familienunternehmen weiterhin als Geschäftsführer und Gesellschafter gemeinsam mit Alexander Stroppa.
Zufriedenstellende Auftragslage
Die Sanierung der A14 im Bereich Dornbirn war und ist eines der im Land bekanntesten Bauprojekte von Hilti & Jehle. Ebenfalls bei laufendem Betrieb wurde die Brauerei Frastanz modernisiert und erweitert. Als Generalunternehmen arbeitete Hilti & Jehle nach dem „Open Book“-Verfahren, indem sämtliche Entscheidungen transparent mit dem Auftraggeber getroffen werden. In Tirol wurde die Komperdellbahn nach zweijähriger Bauzeit fertiggestellt, eine der wichtigsten Zubringerbahnen im Skigebiet Serfaus Fiss Ladis. Die neue Bahn geht in wenigen Tagen pünktlich in Betrieb.
Die Auftragslage im laufenden Jahr bezeichnet Stroppa als „überraschend gut“ und nennt ein aktuelles Projekt: „Gerade waren wir als Generalunternehmer beim Spatenstich in der Carina-Gasse in Feldkirch dabei, da entsteht eines der größten Wohnbauprojekte Vorarlbergs in einer Kooperation zwischen den Landeskrankenhäusern und der Wohnbauselbsthilfe.“
Strategie gegen Einbrüche im Wohnbau
Emotional wird der CEO des Bauunternehmens, wenn es um den Bereich Wohnbau geht – ein ehemals erfolgreicher Markt, der in Vorarlberg praktisch zusammengebrochen ist. „Die Ursachen dafür sind vielschichtig: Einerseits die hohe Inflation, andererseits die stark gestiegenen Zinsen, die in Österreich durch die strengen Kredit-Finanzierungsmaßnahmen zusätzlich verschärft werden.” Man sei jedoch breit aufgestellt und so flexibel, dass das Wegbrechen des Wohnbaus rechtzeitig in anderen Bereichen aufgefangen und mit GU-Projekten kompensiert werden konnte. So sei es gelungen eine stabile Auslastung aufrechtzuerhalten und die Mitarbeitenden immer voll zu beschäftigen. „Allerdings macht sich eine sinkende Ertragslage bemerkbar. Wir sind bestrebt diesen Trend abzufedern, indem wir durch kontinuierliche Verbesserungen im Bauprozess im Sinne von digitaler Unterstützung und neuen Technologien auf Effizienzgewinne setzen”, so Stroppa zur weiteren Firmenstrategie.
Stroppa spricht sich vehement dafür aus, dass der langfristige Erwerb von Wohnungseigentum für die Menschen im Land wieder möglich sein muss: „Die restriktive Kredit-Regelung KIM-Verordnung muss sofort abgeschafft werden, nicht nur für die Bauwirtschaft, sondern für eine ganze Generation von jungen Menschen, die sich derzeit niemals Wohnungseigentum anschaffen können.“
Auch die angepassten Richtlinien für die neue Wohnbauförderung ab Anfang 2024 gehören laut Stroppa jetzt dringend auf den Tisch. „Die Landeswohnbauförderung muss wieder als Lenkungsinstrument dienen, hierfür sind jedenfalls die Förderungshöhe sowie auch die Preiskosten und die anrechenbaren Grundkosten entsprechend anzupassen.“
Investition in Technik und Nachhaltigkeit
CFO Stefan Peherstorfer betont, wie wichtig Investitionen in die laufenden Verbesserungen der Arbeit sind. „Einerseits wollen wir unsere Mitarbeitenden mit ihrem über viele Jahre erworbenen Wissen unterstützen, andererseits sollen die Produktionsmittel modernen Ansprüchen und den Nachhaltigkeitszielen entsprechen.“
Fünf Millionen Euro werden in den Bau einer neuen Asphalt-Mischanlage beim Logistik- & Dienstleistungszentrum in Götzis investiert. Die ehemalige Mischanlage vom Standort Nenzing wird mit der neuen zentralen Anlage am Standort Götzis zusammengeführt: Eine Investition in eine ressourcenschonende und besonders lärmarme moderne Anlage für eine hochwertige Asphalterzeugung. Elektromobilität und digitale Prozesse werden im gesamten Unternehmen immer mehr zum Standard. In einem Pilotprojekt wurde der Einsatz von Elektro-Lkw für innerbetriebliche Fahrten zwischen den Werken und die Belieferung von Baustellen getestet – das Ergebnis war erfolgreich: Bei Hilti & Jehle wird Mitte 2024 der erste eigene Elektro-Lkw zum Einsatz kommen.
Erweiterte Geschäftsleitung
Hilti & Jehle hat sich 2023 außerdem mit einer erweiterten Geschäftsleitung zukunftsfit aufgestellt. Stroppa: „Mit unserem neuen breit aufgestellten Führungsteam haben wir Strukturen geschaffen, um notwendige Veränderungen rasch und wirkungsvoll durchführen zu können. So sind wir gut aufgestellt, um gemeinsam mit unserer Belegschaft sicher weiterzuwachsen.“

Die Geschäftsleitung (v.l.): Philipp Wessiak, Wolfgang Lenz, Anna Hilti, Alexander Stroppa, Stefan Peherstorfer. Fa
Hilti & Jehle 2022/23
Betriebsleistung 125,5 Mill. Euro
Mitarbeiter 650, davon 45 Lehrlinge an den Standorten Vorarlberg und Tirol
Sparten Hoch- und Tiefbau, Straßenbau, Spezialtiefbau, Generalunternehmer (GU), Holzbau