Top-Architekt stellt alles noch mal auf „Anfang“

„Zurück zu den Wurzeln“ will Helmut Dietrich. Aus dem international aufgestellten Architekturbüro Dietrich Untertrifaller hat er sich zurückgezogen.
Bregenz Das Bregenzer Festspielhaus ist international und das auch in der weiteren Zukunft wohl das berühmteste Gebäude Vorarlbergs, seit Regisseur Marc Forster es im James-Bond-Film „Ein Quantum Trost“ auf die Leinwand brachte.
Die Architekten Helmut Dietrich und Much Untertrifaller haben das Haus auf die internationale Architekturbühne gehoben, ihr 1994 gegründetes Büro Dietrich Untertrifaller hat in den vergangenen Jahrzehnten in ganz Europa Akzente am Bau und mit großen Projekten auch in der Stadtplanung gesetzt. Aus dem kleinen Büro zweier Jungplaner ist eines der größten Architekturbüros mit Sitz in Österreich geworden. Fünf Standorte in Österreich, der Schweiz, Deutschland und Frankreich und insgesamt rund 140 Mitarbeiter realisieren viel beachtete Projekte und werden regelmäßig dafür mit renommierten Preisen ausgezeichnet. „Wir haben zwischen 400 und 500 Projekte realisiert und an über 1000 Wettbewerben teilgenommen“, zieht er Resümee.

1994 gründeten Untertrifaller und Dietrich ihr Unternehmen – und für Helmut Dietrich, inzwischen 66 Jahre alt, ist jetzt Schluss. Er hat sich aus der florierenden Firma zurückgezogen, nicht aber aus dem Beruf. „Back to the roots“, argumentiert er im Gespräch mit den VN den Schritt. Von seinem langjährigen Kompagnon Untertrifaller und von seinen Kollegen hat er sich verabschiedet – fast: Denn bis er ein neues Domizil gefunden hat, ist das neue Büro des Architekturstars ein Stockwerk über der bisherigen Wirkungsstätte angesiedelt.

Umbauten, Holzbau …
Doch was macht Helmut Dietrich jetzt anders? „Ich werde mich eher auf regionale Projekte konzentrieren, auf Umbauten, öffentliche Projekte, den Holzbau“, nennt er seinen Fokus. „Umgebaut habe ich immer schon gerne“, sagt er mit Verweis auf das Festspielhaus und die ehemalige Textilschule. Ein verantwortungsbewusster Umgang mit Bestand, seine Passion für den Holzbau und für öffentlich nutzbare Projekte sind heute noch aktueller als zu der Zeit, als Dietrich seine berufliche Laufbahn gestartet hat.

Sein „Zurück zu den Wurzeln“ zeigt, dass die Themen heute so wichtig sind wie damals: Neue Wohnformen waren und sind ein Thema, kostengünstiges Bauen, generationenübergreifendes, gemeinschaftliches Wohnen nennt er als Bereiche im neuen Büro, wo er mit kleinem Team Akzente setzen wolle und auch schon erste Projekte ausarbeite. Von Pension keine Spur: Einerseits habe er damit ein Stück berufliche Freiheit als Architekt zurückgewonnen, andererseits sei der Beruf geistig herausfordernd, was ihn ebenfalls beflügele.

Seine Erfahrung und sein Wissen gibt er auch an künftige Architekten weiter: Er ist Leiter des Lehrgangs „über holz“ der Kunstuniversität Linz. Diese Funktion habe er quasi von seinem Kollegen Roland Gnaiger übernommen, der den Lehrgang auch gründete. „Das ist total interessant für alle Mitwirkenden“, erzählt er über den Lehrgang, dessen Aktivitäten zu wesentlichen Teilen in Vorarlberg stattfinden. Als Vortragender und Gastprofessor ist er außerdem für weitere Hochschulen tätig. Und wie gesagt: Als Architekt will er auch weiterhin Akzente setzen.
Abschied vom Mitgründer
Dietrich | Untertrifaller Architekten verabschiedet sich vom Mitgründer so: „Mit 23. Oktober 2023 kam es zu einer Veränderung in der Geschäftsführung von Dietrich | Untertrifaller. Helmut Dietrich, Mitbegründer und einer der vier geschäftsführenden Gesellschafter des Büros, wird beruflich neue Wege gehen. Nach seinem Ausscheiden werden Dominik Philipp, Patrick Stremler und Much Untertrifaller weiterhin das Büro leiten.

Seit der Gründung 1994 hat Helmut Dietrich die Entwicklung des Büros Dietrich | Untertrifaller entscheidend mitgeprägt. Nicht zuletzt dank seiner großen Expertise im Holzbau sowie seiner Liebe zu feinen Details und klaren Formen haben wir uns regional und international einen Namen gemacht. Heute, beinahe 30 Jahre nach Gründung, blicken wir auf ein enormes gemeinsames Œuvre. Einige Projekte sind zu Ikonen für Nachhaltigkeit, Holzbau und alpines Bauen geworden und finden international Anerkennung.
Helmut Dietrich zählt außerdem zu den Initiatoren von ‚überholz‘, dem Masterlehrgang für Holzbaukultur an der Kunstuniversität Linz. Seit 2011 leitet er diesen Lehrgang, um sein großes Wissen im Holzbau an die Studierenden weiterzugeben.
Danke, Helmut, für fast 30 Jahre erfolgreiche, spannende, konstruktive Zusammenarbeit!“

Helmut Dietrich
Das umfangreiche Œuvre des in Mellau geborenen Architekten zeigt ein Blick auf die von der Architekturplattform nextroom veröffentlichte Liste seiner Tätigkeit:
Architekturstudium an der TU Wien bei Ernst Hiesmayr
Mitarbeit im Studio Paolo Piva in Biella und Venedig
1986–1993 Bürogemeinschaft mit Christian Lenz, Hermann Kaufmann und Elmar Gmeiner in Schwarzach
1994 Gründung Dietrich | Untertrifaller Architekten
2004 Bürogründung in Wien
2005 Bürogründung in St. Gallen
2015 Bürogründung in Paris
2016 Bürogründung in München
Lehrtätigkeit
Seit 2011 Leitung des Universitätslehrgangs „überholz“, Kunstuniversität Linz
Seit 2006 Workshop Design FH Technikum Kärnten, Spittal und Udine
2011 Lehrauftrag Uni Liechtenstein, Vaduz
2004 Entwurfsworkshop Ecole d’Architecture, Nancy
Mitgliedschaften
Mitglied in den Gestaltungsbeiräten Bludenz (seit 2011), Lustenau (seit 2004), Widnau (CH, seit 2012) und Mellau (seit 2005)
Seit 2011 Fachbeirat, Plattform für raumrelevante Betrachtungen, Land Vorarlberg
Publikationen
Architektur & Bauforum 140, Wien 1990; Kapfinger, Otto; Schöllhammer, Georg (Red.): Möbel für sich. Ausgewählte Stücke österreichischer Architektinnen/Architekten. Wien 1992; Architekturjournal Wettbewerbe 115, 116, Wien 1992; Onken, Michael (Hrsg.): Art. Fine and/or Applied 1992. An exhibition by artists from Vorarlberg. Austria, Carondale 1992 Berufsvereinigung der bildenden Künstler Vorarlbergs (Hrsg.): Architektur in Vorarlberg seit 1960. Bregenz 1993; Architektur & Bauforum 175, Wien 1995
Auszeichnungen
Vorarlberger Holzbaupreis 2023, Anerkennung, Wood’Art, ZAC de la Cartoucherie, Toulouse
Holzbaupreis Steiermark 2021, Preisträger, Legero United Campus
ZV-Bauherrenpreis 2021, Nominierung, Stadtbibliothek Dornbirn
wienwood 21, Auszeichnung, Volksschule Christian Bucher Gasse
Vorarlberger Holzbaupreis 2021, Anerkennung, Kaltensteinhalle
GerambRose 2020, Auszeichnung, Legero United Campus
Auszeichnung des Landes Tirol für Neues Bauen 2020, Nominierung, Haus der Musik
8. Vorarlberger Hypo-Bauherrenpreis 2020, Preisträger, Stadtbibliothek Dornbirn
8. Vorarlberger Hypo-Bauherrenpreis 2020, Anerkennung, Wohnanlage Kreuzbergstraße
8. Vorarlberger Hypo-Bauherrenpreis 2020, Preisträger, Volksschule Unterdorf
ZV-Bauherrenpreis 2019, Nominierung, Wohnbau „In der Wiesen Süd“
Vorarlberger Holzbaupreis 2019, Anerkennung, Volksschule Unterdorf
Vorarlberger Holzbaupreis 2019, Anerkennung, Apartmenthaus Warth
Vorarlberger Holzbaupreis 2019, Anerkennung, Collège Simone Veil
Holzbaupreis Niederösterreich 2019, Preisträger, WIBEBA Wieselburg
Staatspreis Architektur & Nachhaltigkeit 2017, Preisträger, Volksschule Edlach
ZV-Bauherrenpreis 2015, Preisträger, OMICRON Campus
wienwood 15, Preisträger, Dachaufbau Flachgasse
Vorarlberger Holzbaupreis 2015, Preisträger, Sporthalle und Mehrzweckgebäude der Mittelschule Klaus-Weiler-Fraxern
Vorarlberger Holzbaupreis 2015, Preisträger, Wohnanlage Hof
Staatspreis Architektur & Nachhaltigkeit 2014, Nominierung, Verwaltungsgebäude i+R Gruppe
Staatspreis Architektur 2014 für Tourismus und Freizeit, Sonderpreis, BUS:STOP Krumbach Unterkrumbach Nord
Architekturpreis Land Salzburg 2010, Anerkennung, Fachhochschule Salzburg – Campus Kuchl, Erweiterung
6. Vorarlberger Hypo-Bauherrenpreis 2010, Auszeichnung, Ulmer Areal
6. Vorarlberger Hypo-Bauherrenpreis 2010, Preisträger, Festspielhaus und Kongresshaus – 2. Bauetappe
6. Vorarlberger Hypo-Bauherrenpreis 2010, Auszeichnung, Angelika Kauffmann Museum
ZV-Bauherrenpreis 2009, Preisträger, Hypo Landesbank Vorarlberg
Staatspreis Architektur & Nachhaltigkeit 2006, Preisträger, Hauptschule Klaus – Weiler – Fraxern
ZV-Bauherrenpreis 2006, Preisträger, Stadthalle Wien Halle F
Oberösterreichischer Holzbaupreis 2005, Auszeichnung, Lehner-Schölmberger Büro und Schauraum
wienwood 05, Auszeichnung, Bar-Restaurant Naschmarkt Deli
5. Vorarlberger Hypo-Bauherrenpreis 2005, Preisträger, inatura – Erlebnis Naturschau Dornbirn
ZV-Bauherrenpreis 2003, Preisträger, inatura – Erlebnis Naturschau Dornbirn
ZV-Bauherrenpreis 2000, Preisträger, Fachhochschule Vorarlberg – Revitalisierung
Ausstellungen, Vorträge
Österreichisches Design. Sevilla, Barcelona 1992; Architektur in Vorarlberg seit 1960. Künstlerhaus Bregenz 1993; ÖFORM Internationales Designzentrum. Berlin 1993