Top-Architekt stellt alles noch mal auf „Anfang“

Markt / 24.11.2023 • 17:30 Uhr
Top-Architekt stellt alles noch mal auf „Anfang“
Der Bregenzer Architekten Helmut Dietrich kehrt zu seinen Wurzeln zurück. Canva/FA

„Zurück zu den Wurzeln“ will Helmut Dietrich. Aus dem international aufgestellten Architekturbüro Dietrich Untertrifaller hat er sich zurückgezogen.

Bregenz Das Bregenzer Festspielhaus ist international und das auch in der weiteren Zukunft wohl das berühmteste Gebäude Vorarlbergs, seit Regisseur Marc Forster es im James-Bond-Film „Ein Quantum Trost“ auf die Leinwand brachte.

Die Architekten Helmut Dietrich und Much Untertrifaller haben das Haus auf die internationale Architekturbühne gehoben, ihr 1994 gegründetes Büro Dietrich Untertrifaller hat in den vergangenen Jahrzehnten in ganz Europa Akzente am Bau und mit großen Projekten auch in der Stadtplanung gesetzt. Aus dem kleinen Büro zweier Jungplaner ist eines der größten Architekturbüros mit Sitz in Österreich geworden. Fünf Standorte in Österreich, der Schweiz, Deutschland und Frankreich und insgesamt rund 140 Mitarbeiter realisieren viel beachtete Projekte und werden regelmäßig dafür mit renommierten Preisen ausgezeichnet. „Wir haben zwischen 400 und 500 Projekte realisiert und an über 1000 Wettbewerben teilgenommen“, zieht er Resümee.

Helmut Dietrich hat zusammen mit Partner Much Untertrifaller circa 500 Projekte umgesetzt, nun kehrt er zurück zu den Wurzeln. <span class="copyright">FA</span>
Helmut Dietrich hat zusammen mit Partner Much Untertrifaller circa 500 Projekte umgesetzt, nun kehrt er zurück zu den Wurzeln. FA

1994 gründeten Untertrifaller und Dietrich ihr Unternehmen – und für Helmut Dietrich, inzwischen 66 Jahre alt, ist jetzt Schluss. Er hat sich aus der florierenden Firma zurückgezogen, nicht aber aus dem Beruf. „Back to the roots“, argumentiert er im Gespräch mit den VN den Schritt. Von seinem langjährigen Kompagnon Untertrifaller und von seinen Kollegen hat er sich verabschiedet – fast: Denn bis er ein neues Domizil gefunden hat, ist das neue Büro des Architekturstars ein Stockwerk über der bisherigen Wirkungsstätte angesiedelt.

Eines der aktuellen Projekte des Bregenzer Architekten im benachbarten Baden-Württemberg. <span class="copyright">FA</span>
Eines der aktuellen Projekte des Bregenzer Architekten im benachbarten Baden-Württemberg. FA

Umbauten, Holzbau …

Doch was macht Helmut Dietrich jetzt anders? „Ich werde mich eher auf regionale Projekte konzentrieren, auf Umbauten, öffentliche Projekte, den Holzbau“, nennt er seinen Fokus. „Umgebaut habe ich immer schon gerne“, sagt er mit Verweis auf das Festspielhaus und die ehemalige Textilschule. Ein verantwortungsbewusster Umgang mit Bestand, seine Passion für den Holzbau und für öffentlich nutzbare Projekte sind heute noch aktueller als zu der Zeit, als Dietrich seine berufliche Laufbahn gestartet hat.

Der Umbau des Festspielhauses in Bregenz wurde von Dietrich Untertrifaller geplant und zählt auch international zu den ikonischen Kulturbauten. <span class="copyright">FA</span>
Der Umbau des Festspielhauses in Bregenz wurde von Dietrich Untertrifaller geplant und zählt auch international zu den ikonischen Kulturbauten. FA

Sein „Zurück zu den Wurzeln“ zeigt, dass die Themen heute so wichtig sind wie damals: Neue Wohnformen waren und sind ein Thema, kostengünstiges Bauen, generationenübergreifendes, gemeinschaftliches Wohnen nennt er als Bereiche im neuen Büro, wo er mit kleinem Team Akzente setzen wolle und auch schon erste Projekte ausarbeite. Von Pension keine Spur: Einerseits habe er damit ein Stück berufliche Freiheit als Architekt zurückgewonnen, andererseits sei der Beruf geistig herausfordernd, was ihn ebenfalls beflügele.

Stadtbibliothek in Dornbirn. <span class="copyright">Fa</span>
Stadtbibliothek in Dornbirn. Fa

Seine Erfahrung und sein Wissen gibt er auch an künftige Architekten weiter: Er ist Leiter des Lehrgangs „über holz“ der Kunstuniversität Linz. Diese Funktion habe er quasi von seinem Kollegen Roland Gnaiger übernommen, der den Lehrgang auch gründete. „Das ist total interessant für alle Mitwirkenden“, erzählt er über den Lehrgang, dessen Aktivitäten zu wesentlichen Teilen in Vorarlberg stattfinden. Als Vortragender und Gastprofessor ist er außerdem für weitere Hochschulen tätig. Und wie gesagt: Als Architekt will er auch weiterhin Akzente setzen.

Abschied vom Mitgründer

Dietrich | Untertrifaller Architekten verabschiedet sich vom Mitgründer so: „Mit 23. Oktober 2023 kam es zu einer Veränderung in der Geschäftsführung von Dietrich | Untertrifaller. Helmut Dietrich, Mitbegründer und einer der vier geschäftsführenden Gesellschafter des Büros, wird beruflich neue Wege gehen. Nach seinem Ausscheiden werden Dominik Philipp, Patrick Stremler und Much Untertrifaller weiterhin das Büro leiten.

Helmut Dietrich und Much Untertrifaller haben ihr Büro 1994 gegründet, aber bereits zuvor zusammengearbeitet. <span class="copyright">FA</span>
Helmut Dietrich und Much Untertrifaller haben ihr Büro 1994 gegründet, aber bereits zuvor zusammengearbeitet. FA

Seit der Gründung 1994 hat Helmut Dietrich die Entwicklung des Büros Dietrich | Untertrifaller entscheidend mitgeprägt. Nicht zuletzt dank seiner großen Expertise im Holzbau sowie seiner Liebe zu feinen Details und klaren Formen haben wir uns regional und international einen Namen gemacht. Heute, beinahe 30 Jahre nach Gründung, blicken wir auf ein enormes gemeinsames Œuvre. Einige Projekte sind zu Ikonen für Nachhaltigkeit, Holzbau und alpines Bauen geworden und finden international Anerkennung.

Helmut Dietrich zählt außerdem zu den Initiatoren von ‚überholz‘, dem Masterlehrgang für Holzbaukultur an der Kunstuniversität Linz. Seit 2011 leitet er diesen Lehrgang, um sein großes Wissen im Holzbau an die Studierenden weiterzugeben.

Danke, Helmut, für fast 30 Jahre erfolgreiche, spannende, konstruktive Zusammenarbeit!“

Europas modernster und größter Sportcampus in München.  <span class="copyright">Fa</span>
Europas modernster und größter Sportcampus in München.  Fa

Helmut Dietrich

Das umfangreiche Œuvre des in Mellau geborenen Architekten zeigt ein Blick auf die von der Architekturplattform nextroom veröffentlichte Liste seiner Tätigkeit:

Architekturstudium an der TU Wien bei Ernst Hiesmayr

Mitarbeit im Studio Paolo Piva in Biella und Venedig

1986–1993 Bürogemeinschaft mit Christian Lenz, Hermann Kaufmann und Elmar Gmeiner in Schwarzach

1994 Gründung Dietrich | Untertrifaller Architekten

2004 Bürogründung in Wien

2005 Bürogründung in St. Gallen

2015 Bürogründung in Paris

2016 Bürogründung in München

Lehrtätigkeit

Seit 2011 Leitung des Universitätslehrgangs „überholz“, Kunstuniversität Linz

Seit 2006 Workshop Design FH Technikum Kärnten, Spittal und Udine

2011 Lehrauftrag Uni Liechtenstein, Vaduz

2004 Entwurfsworkshop Ecole d’Architecture, Nancy

Mitgliedschaften

Mitglied in den Gestaltungsbeiräten Bludenz (seit 2011), Lustenau (seit 2004), Widnau (CH, seit 2012) und Mellau (seit 2005)

Seit 2011 Fachbeirat, Plattform für raumrelevante Betrachtungen, Land Vorarlberg

Publikationen

Architektur & Bauforum 140, Wien 1990; Kapfinger, Otto; Schöllhammer, Georg (Red.): Möbel für sich. Ausgewählte Stücke österreichischer Architektinnen/Architekten. Wien 1992; Architekturjournal Wettbewerbe 115, 116, Wien 1992; Onken, Michael (Hrsg.): Art. Fine and/or Applied 1992. An exhibition by artists from Vorarlberg. Austria, Carondale 1992 Berufsvereinigung der bildenden Künstler Vorarlbergs (Hrsg.): Architektur in Vorarlberg seit 1960. Bregenz 1993; Architektur & Bauforum 175, Wien 1995

Auszeichnungen

Vorarlberger Holzbaupreis 2023, Anerkennung, Wood’Art, ZAC de la Cartoucherie, Toulouse

Holzbaupreis Steiermark 2021, Preisträger, Legero United Campus

ZV-Bauherrenpreis 2021, Nominierung, Stadtbibliothek Dornbirn

wienwood 21, Auszeichnung, Volksschule Christian Bucher Gasse

Vorarlberger Holzbaupreis 2021, Anerkennung, Kaltensteinhalle

GerambRose 2020, Auszeichnung, Legero United Campus

Auszeichnung des Landes Tirol für Neues Bauen 2020, Nominierung, Haus der Musik

8. Vorarlberger Hypo-Bauherrenpreis 2020, Preisträger, Stadtbibliothek Dornbirn

8. Vorarlberger Hypo-Bauherrenpreis 2020, Anerkennung, Wohnanlage Kreuzbergstraße

8. Vorarlberger Hypo-Bauherrenpreis 2020, Preisträger, Volksschule Unterdorf

ZV-Bauherrenpreis 2019, Nominierung, Wohnbau „In der Wiesen Süd“

Vorarlberger Holzbaupreis 2019, Anerkennung, Volksschule Unterdorf

Vorarlberger Holzbaupreis 2019, Anerkennung, Apartmenthaus Warth

Vorarlberger Holzbaupreis 2019, Anerkennung, Collège Simone Veil

Holzbaupreis Niederösterreich 2019, Preisträger, WIBEBA Wieselburg

Staatspreis Architektur & Nachhaltigkeit 2017, Preisträger, Volksschule Edlach

ZV-Bauherrenpreis 2015, Preisträger, OMICRON Campus

wienwood 15, Preisträger, Dachaufbau Flachgasse

Vorarlberger Holzbaupreis 2015, Preisträger, Sporthalle und Mehrzweckgebäude der Mittelschule Klaus-Weiler-Fraxern

Vorarlberger Holzbaupreis 2015, Preisträger, Wohnanlage Hof

Staatspreis Architektur & Nachhaltigkeit 2014, Nominierung, Verwaltungsgebäude i+R Gruppe

Staatspreis Architektur 2014 für Tourismus und Freizeit, Sonderpreis, BUS:STOP Krumbach Unterkrumbach Nord

Architekturpreis Land Salzburg 2010, Anerkennung, Fachhochschule Salzburg – Campus Kuchl, Erweiterung

6. Vorarlberger Hypo-Bauherrenpreis 2010, Auszeichnung, Ulmer Areal

6. Vorarlberger Hypo-Bauherrenpreis 2010, Preisträger, Festspielhaus und Kongresshaus – 2. Bauetappe

6. Vorarlberger Hypo-Bauherrenpreis 2010, Auszeichnung, Angelika Kauffmann Museum

ZV-Bauherrenpreis 2009, Preisträger, Hypo Landesbank Vorarlberg

Staatspreis Architektur & Nachhaltigkeit 2006, Preisträger, Hauptschule Klaus – Weiler – Fraxern

ZV-Bauherrenpreis 2006, Preisträger, Stadthalle Wien Halle F

Oberösterreichischer Holzbaupreis 2005, Auszeichnung, Lehner-Schölmberger Büro und Schauraum

wienwood 05, Auszeichnung, Bar-Restaurant Naschmarkt Deli

5. Vorarlberger Hypo-Bauherrenpreis 2005, Preisträger, inatura – Erlebnis Naturschau Dornbirn

ZV-Bauherrenpreis 2003, Preisträger, inatura – Erlebnis Naturschau Dornbirn

ZV-Bauherrenpreis 2000, Preisträger, Fachhochschule Vorarlberg – Revitalisierung

Ausstellungen, Vorträge

Österreichisches Design. Sevilla, Barcelona 1992; Architektur in Vorarlberg seit 1960. Künstlerhaus Bregenz 1993; ÖFORM Internationales Designzentrum. Berlin 1993