Bauunternehmerin Graziella Hefel: “Bauen wird kaum günstiger”

Hohe Lohnkosten und Vorschriften als Gründe. Aktuell kaum neue Wohnbauprojekte.
Lauterach Die Forderung nach einer Senkung der Kosten für das Bauen und Wohnen in Vorarlberg – Stichwort “leistbares Wohnen” – gehört mittlerweile zum täglichen politischen Standard-Repertoire. Graziella Hefel, geschäftsführende Gesellschafterin der privaten Lauteracher (Wohn-)Baufirmengruppe Hefel, kann diese Forderung zwar gut nachvollziehen. Sie glaubt allerdings nicht, dass dies auch tatsächlich passieren wird.
“Jedenfalls wird das Bauen nicht günstiger, solange man nicht an den großen Stellschrauben dreht oder die Menschen deutliche Komforteinbußen hinnehmen und die Ansprüche runtergehen”, so Hefel.
Löhne und Gehälter
Sie verweist zum Beispiel darauf, dass die Löhne und Gehälter in der Baubranche am 1. Mai 2023 um 9,5 Prozent angehoben wurden, was man angesichts der steigenden Lebenshaltungskosten mitunter nachvollziehen könne. Die Kosten für die Errichtung von Wohngebäuden würden aber im Schnitt “zu gut 50 Prozent” aus Personalkosten bestehen. Trotz aller Bemühungen hinsichtlich seriellen bzw. modularen Bauens und vermehrter Vorfertigung werde man den Lohn- und Gehaltskostenanteil nicht so schnell deutlich runterbringen. “Werden dann die Löhne und Gehälter um 9,5 Prozent erhöht, dann weiß jeder, was das für die Baukosten bedeutet.”

Vorschriften und Normen
Dazu käme eine ganze Reihe von nicht weniger werdenden Vorschriften und Normen in Bezug auf Lärm- und Brandschutz, Wärmedämmung und Energieeinsparung sowie Klimaschutz, Tiefgaragenplätzen und dem Einbau von Liften. “Diese Themen wie auch die Energieautonomie mögen alle für sich gesehen gerechtfertigt und notwendig sein. Man muss sich allerdings im Klaren darüber sein, dass diese Vorgaben jemand bezahlen muss. Und das sind in der Regel die Wohnungskäuferinnen und -käufer”, sagt Hefel. Solange sich die Politik also nicht dazu entscheide, hier Entschärfungen vorzunehmen, könne man nicht davon ausgehen, dass das Bauen von dieser Seite her günstiger werde.

Neues Zinsniveau
Angesprochen auf die aktuelle Situation ihres Unternehmens sagt Graziella Hefel, dass sich der private Wohnbau-Markt in Vorarlberg unverändert in Schockstarre befinde. Vermutlich werde noch einige Zeit vergehen, bis sich Wohnungskäufer an das höhere Zinsniveau und an die KIM-Verordnung gewöhnt haben werden. “Vor allem will man wissen, dass die Zinsen nicht noch weiter steigen.” Dann werde die Nachfrage wahrscheinlich wieder anziehen. Momentan stelle Hefel Wohnbau alle begonnenen Neubauprojekte wie geplant fertig. Neue Projekte werde man derzeit aber nicht im großen Stil beginnen. Es gibt allerdings eine Ausnahme: “Im September haben wir mit den Arbeiten für eine kleine Wohnanlage in Bregenz begonnen. Denn Wohnen bleibt ein Grundbedürfnis.”

Personalstand wird so gut wie möglich gehalten
Hat die Schockstarre im Markt auch Auswirkungen auf den Personalstand bei Hefel Wohnbau? Graziella Hefel: “Selbstverständlich ist man in Zeiten wie diesen vorsichtig bei den Personalkosten, nützt die natürliche Fluktuation und besetzt nur jene Stellen nach, die notwendig sind.”
Mitte Juli 2023 beschäftigte die Firmengruppe Hefel 98 Mitarbeiter, zu Jahresbeginn 2024 werden es 88 Beschäftigte sein. Dabei handle es sich in mehreren Fällen um Pensionierungen oder den Wunsch nach persönlicher Veränderung. “Angesichts des starken Rückganges im Wohnbaumarkt ist diese Verringerung beim Personal eher überschaubar. Wir wollen unsere Beschäftigten so lange wie möglich halten, denn die Nachfrage wird mit Sicherheit irgendwann wieder anziehen.”