Pächter abgesprungen: Lechwelten stehen wohl länger leer

Markt / 02.11.2023 • 16:15 Uhr
Pächter abgesprungen: Lechwelten stehen wohl länger leer
Lech-Zürs-Tourismus, VN/Steurer

Herber Rückschlag: Suche nach Pächter für Geschäftsflächen in den Lechwelten beginnen von Neuem.

Lech Es ist DAS Gesprächsthema. Vor dem Start in die Wintersaison macht die Nachricht über den Ausstieg der bereits als Pächter der Handelsfläche in den Lechwelten präsentierten Strolz GmbH die Runde. Die Verhandlungen scheiterten auf der Zielgeraden. Bürgermeister Gerhard Lucian bestätigt auf Nachfrage das Ende der Gespräche. Gegen die Vergabe der Flächen an Strolz hatte sich demnach Widerstand in der Gemeindevertretung formiert. Wohl auch in den eigenen Reihen, wie Insider den VN berichten. In einer Demokratie müsse man das zur Kenntnis nehmen, so Lucian. Er räumt ein, dass es für den Plan wohl keine Mehrheit gegeben hätte.

Die Suche nach Mietern für die Handelsfläche in den Lechwelten geht weiter. <span class="copyright">VN/MIH</span>
Die Suche nach Mietern für die Handelsfläche in den Lechwelten geht weiter. VN/MIH

Dabei ist es keine zweieinhalb Monate her, als der Lecher Bürgermeister noch voller Begeisterung eine sich anbahnende Lösung präsentiert hatte. „Mit der Strolz GmbH würden wir erfahrene Profis an Bord holen, die von hier sind, die den Ort kennen, die wissen, was er braucht und wie er tickt“, schrieb Lucian in einer Medieninformation. Tatsächlich haben sich allerdings beim alteingesessenen Traditionsbetrieb bereits im Vorjahr die Besitzverhältnisse geändert. Das Unternehmen war finanziell in Schieflage geraten. Investoren stiegen ein. Mehrheitseigentümer ist heute der Manager und Deripaska-Vertraute Siegfried Wolf, der zuletzt mit umfangreichen Immobilienankäufen im Nobelort den Argwohn vieler Einheimischer auf sich gezogen hat – wohl auch in der Gemeindevertretung.

<p class="caption">Gruppenbild der Strolz-Gesellschafter 2022. Mittlerweile hält Siegfried Wolf (ganz rechts) laut Firmenbuch 45,1 Prozent der Anteile. <span class="copyright">Handout/Kaiser</span><span class="marker"><br></span></p>

Gruppenbild der Strolz-Gesellschafter 2022. Mittlerweile hält Siegfried Wolf (ganz rechts) laut Firmenbuch 45,1 Prozent der Anteile. Handout/Kaiser

Für die Lechwelten bedeutet das überraschende Aus jedenfalls ein „Zurück an den Start“. Lucian räumt eine „gewisse Enttäuschung“ ein. Er bleibe aber optimistisch. Wenn es mit einer Verpachtung eben nicht wie geplant mit der Wintersaison 2024/25 klappe, dann halt im Sommer darauf oder ein Jahr später. „Wir werden nichts über den Zaun brechen und weiter die beste Lösung suchen“, so der Bürgermeister. Gesucht werden auch noch Pächter für Gastronomie und Veranstaltungssaal. Auch hier tickt die Uhr. Laut VN-Informationen wird für erste bereits geplante Veranstaltungen schon nach Ersatz-Locations gesucht.

Das Gemeindezentrum kostete Langzeitbürgermeister Ludwig Muxel schließlich den Chefsessel. Er verlor in einer Stichwahl 2020 gegen Stefan Jochum, der das Amt aus gesundheitlichen Gründen wieder zur Verfügung stellte. <span class="copyright">VN/Sams</span>Gerhard Lucian wurde daraufhin zum neuen Bürgermeister gewählt.
Das Gemeindezentrum kostete Langzeitbürgermeister Ludwig Muxel schließlich den Chefsessel. Er verlor in einer Stichwahl 2020 gegen Stefan Jochum, der das Amt aus gesundheitlichen Gründen wieder zur Verfügung stellte. VN/SamsGerhard Lucian wurde daraufhin zum neuen Bürgermeister gewählt.

Das Gemeindezentrum bleibt Spaltpilz im Nobelort. Dabei hatten seine Erfinder hochtrabende Ziele. Langzeitbürgermeister Ludwig Muxel, der die Geschicke Lechs von 1993 bis 2021 lenkte, wollte ein Leuchtturmprojekt realisieren und sich dabei wohl auch ein Denkmal setzen. Geblieben sind tiefe Gräben in der Bevölkerung und ein Millionenloch in der Gemeindekasse. 450.000 Euro sollte die Verpachtung der Handelsflächen jährlich ins Budget spülen. Der Geldsegen dürfte noch länger ausbleiben und sich damit die finanziell angespannte Lage Lechs weiter zuspitzen. Über Geld spricht der aktuelle Bürgermeister Gerhard Lucian nicht so gerne in den Medien. Es sei aber alles im „grünen Bereich“, beschwichtigt er.

Bürgermeister Gerhard Lucian bei der Präsentation der Baufortschritte im Dezember 2022. <span class="copyright">VN/Steurer</span><p class="caption"></p>
Bürgermeister Gerhard Lucian bei der Präsentation der Baufortschritte im Dezember 2022. VN/Steurer

„Im Geschäftsleben läuft nicht immer alles nach Plan“, kommentiert Lucian die gescheiterte Verpachtung der Handelsfläche an Strolz. Planmäßig lief es schon vorher nicht. Die Gemeinde hatte zum Baustart des Gemeindezentrums unter Ausschluss der Öffentlichkeit mit der KaDeWe-Gruppe erste Gespräche zur Vermietung von 2500 Quadratmetern Handelsflächen aufgenommen. Dass Immobilien-Tycoon René Benko mit seiner Luxus-Einkaufshausmarke in Lech Fuß fassen könnte, ließ die Stimmung im Ort endgültig kippen. Am Ende musste Ludwig Muxel seinen Stuhl räumen. Auch drei Jahre und zwei Bürgermeister später ist das Problem nicht gelöst.

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Gerhard Lucian sähe in den damaligen Plänen mit dem KaDeWe bis heute eine gute Lösung. In der momentanen Situation des Konzerns seien Gespräche freilich ausgeschlossen. Gemeint ist damit die offensichtliche finanzielle Schieflage einzelner Unternehmensbereiche. Laut Medienberichten jedenfalls scheint das Imperium des Tiroler Immobilienjongleurs René Benko mit Chaletbesitz in Lech auf wackeligen Beinen zu stehen.

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Die Suche also geht weiter. Dabei werden ohnedies längst kleinere Brötchen gebacken. So sollen in den Lechwelten, jenem Teil des Gemeindehauses, der für Unterhaltung, Kultur und Shopping vorgesehen ist, 575 Quadratmeter (davon 148 Quadratmeter Gastronomie) von der Gemeinde, die ihre Aktivitäten im angrenzenden Dorfhus bündelt, vermietet werden. Die Einnahmen jedenfalls werden dringend benötigt. Die Opposition im Nobelort spricht von einem Wettlauf gegen die Zeit.