Wie die Generation Z ihre Vorsorge finanzieren will

Studie zeigt: Eltern und Großeltern spielen für viele junge Vorarlberger eine wichtige Rolle bei finanziellen Entscheidungen.
Bregenz, Wien Ein Blick ins Budget des Bundes zeigt es ganz offensichtlich. Rund ein Viertel des österreichischen Budgets wird jetzt schon für Pensionen ausgegeben – Tendenz steigend.
Die Politik versichert zwar gebetsmühlenartig, dass die Pensionen nicht angetastet werden und heben diese im kommenden Jahr um 9,7 Prozent an. Doch ewig wird das nicht so weitergehen, sind sich Alters- und Finanzexperten einig. Schon heute können viele Menschen nach dem Ende der Berufstätigkeit nur durch die eigene Vorsorge den Lebensstandard halten.

Doch die Zahlen und Appelle, natürlich auch von Banken und Versicherungen, die entsprechende Produkte anbieten, werden trotz entsprechendem Bewusstsein der Bevölkerung nicht beachtet. Das zeigt eine brandneue Studie, die von der Uniqa und der Raiffeisen Versicherung beim Marktforschungsinstitut MindTake Research in regelmäßigen Abständen in Auftrag gegeben wird. Insgesamt wurden dafür 4080 Personen in ganz Österreich befragt, heuer, so Studienleiterin Martina Oberrauch im Gespräch mit den VN, wurde der Schwerpunkt auf die Gemeinsamkeiten und Abhängigkeiten der unterschiedlichen Generationen gelegt.
Familiäre Vorsorge

Generell aber gilt: „Finanzielle Vorsorge ist den in Vorarlberg lebenden Menschen ein wichtiges Anliegen, doch tatsächlich treffen immer weniger der Befragten konkrete Maßnahmen. Vor allem ist aber auch ein Wissensdefizit bei Finanz- und Veranlagungsthemen zu beobachten“, sagt Markus Stadelmann, Landesdirektor der Uniqa in Vorarlberg, anlässlich der Auswertung der Vorarlberger Ergebnisse der Studie. Vorsorge getroffen haben indes 46 Prozent, in Österreich sind das nur 37 Prozent der Menschen, so Oberrauch. Bei der Generation Z, also den 16- bis 27-Jährigen, herrscht einerseits die Meinung, dass sie noch jung genug sind, um sich später des Themas anzunehmen, anderseits setzen sie aber auf Eltern und Großeltern bei der Vorsorge bzw. Vermögensbildung. 41 Prozent der Vorarlberger der Generation Z geben an, dass ihre finanzielle Vorsorge zumindest teilweise von ihren Eltern (28 Prozent) und ihren Großeltern (13 Prozent) übernommen wird. Sie liegen nicht falsch, denn 25 Prozent wurden tatsächlich schon von den Eltern, 22 Prozent von Oma und Opa subventioniert. 18 Prozent der Generation Z setzt außerdem auf ihr Erbe, 24 Prozent verlassen sich selbstbewusst auf ihre künftigen beruflichen Einnahmen. Und obwohl sie ihre Kinder und Kindeskinder unterstützen, sehen das die Altvorderen doch ein wenig anders: Nur 18 Prozent der 59- bis 77-Jährigen sehen sich in der Pflicht.
Was den Generationen gemeinsam ist: Sie schätzen ihr Finanzwissen als rudimentär ein. 81 Prozent der in Vorarlberg befragten Personen sind der Meinung, dass Kindern und Jugendlichen Finanzwissen bereits in der Schule vermittelt werden sollte. Darauf pocht auch Uniqa-Landesdirektor Stadelmann, der an die Bildungspolitiker appelliert, diese wichtige Lücke zu schließen. “In Vorarlberg hat die Finanzwirtschaft mit FiRi, der Ausbildung für Finanz- und Risikomanagement, einen Ausbildungsschwerpunkt geschaffen, der freilich derzeit nur an Handelsakademien angeboten wird. 25 Prozent der in Vorarlberg befragten Menschen sind aber sogar der Meinung, dass Finanzbildung bereits ein Thema für die Volksschule ist”, insistiert Stadelmann. Derzeit – auch das zeigt die Studie – verlassen sich die Generationen X (43 bis 58 Jahre), Y (28 bis 42 Jahre) und Z (16 bis 27 Jahre) auch beim Finanzwissen auf ihre Familie. Auch die beiden Versicherungen wollen ihren Teil zum besseren Wissen beitragen, versichert Stadelmann: “Unsere Mitarbeiter und Versicherungsagenten werden ständig geschult, um zuverlässig über die verschiedenen Anlageformen und die besten individuellen Möglichkeiten informieren zu können.”

Kein Geld für Vorsorge
75 Prozent der befragten Vorarlberger zwischen 16 und 60 Jahren stimmen zu, dass Kinder und Jugendliche das Grundwissen im Bereich Finanz-Themen von den Eltern (86 %) vermittelt bekommen sollten und die Untersuchung zeigt, dass die folgenden Generationen bei der Vorsorge auch dieselben Wege wie die älteren Familienmitglieder einschlagen: Die da wären: 58 Prozent der Vorarlberger nutzen Sparbuch oder Sparkonto, 34 Prozent wählen den Bausparvertrag, immerhin 29 Prozent horten ihr Bargeld zu Hause und 38 Prozent investieren in private Lebens- und Pensionsversicherung. Die Frage, wie sie ihr Geld anlegen, stellt sich allerdings für viele Menschen gar nicht: “32 Prozent der Vorarlberger geben an, dass sie sich finanzielle Vorsorge gar nicht leisten können”, so Studienautorin Oberrauch.
Daten zur Umfrage
Berfragte Personen
Stichprobe von 3152 Personen zwischen 16 und 60 Jahren, repräsentativ für Frauen, Männer sowie die österreichische Bevölkerung insgesamt nach Geschlecht, Alter, Bundesland und Bildungsniveau, was die Vergleichbarkeit zu den Vorjahresstudien gewährleistet.
Zusätzliche Befragung von 928 Personen im Alter von 61–77 Jahren, um Aussagen für die Gruppe der Babyboomer treffen zu können.
Generationen repräsentativ nach Geschlecht, Bundesland und Bildungsniveau pro Generation (Gen Z: 16–27 Jahre, Gen Y: 28–42 Jahre, Gen X: 43–58 Jahre, Babyboomer: 59–77 Jahre)
Befragungszeitraum
5.06. bis 7.07.2023