Vorarlberger Industrie fürchtet weiteren Absturz und Rückgang der Arbeitsplätze

Markt / 24.10.2023 • 17:30 Uhr
Die Metall- und Maschinenbauindustrie, seit vielen Jahren die Paradebranche in Vorarlberg, hat derzeit mit Einbrüchen zu kämpfen.  <span class="copyright">VN/Hartinger</span>
Die Metall- und Maschinenbauindustrie, seit vielen Jahren die Paradebranche in Vorarlberg, hat derzeit mit Einbrüchen zu kämpfen. VN/Hartinger

Geschäftsklimaindex der größten Industriebetriebe im Land so pessimistisch wie seit 15 Jahren nicht mehr.

Lustenau Der Geschäftsklima-Index der Vorarlberger Industrie ist eine repräsentative vierteljährliche Konjunkturumfrage, die seit 2001 druchgeführt wird. Dieser Index zeigt das Mittel der derzeitigen und der erwarteten Geschäftslage in sechs Monaten und gibt daher einen realistischen Wirtschaftsausblick für das gesamte Bundesland. An der aktuellen Umfrage haben sich 37 Vorarlberger Unternehmen mit insgesamt rund 24.000 Beschäftigten beteiligt und sie geben wenig Anlass zur Hoffnung – zumindest kurz- und mittelfristig.

IV-Geschäftsführer Christian Zoll: „Es muss damit gerechnet werden, dass in nächster Zeit Mitarbeiter freigestellt werden.“ <span class="copyright">VN/Paulitsch</span>
IV-Geschäftsführer Christian Zoll: „Es muss damit gerechnet werden, dass in nächster Zeit Mitarbeiter freigestellt werden.“ VN/Paulitsch

Die Befragung, die von der Industriellenvereinigung und der Sparte Industrie in der Wirtschaftskammer gemeinsam durchgeführt und ausgewertet wird, zeigt nämlich eine so schlechte Stimmung wie zuletzt vor 15 Jahren zu Beginn der Wirtschaftskrise 2008. Insgesamt ist das der zweitschlechteste Wert seit Beginn der Aufzeichnungen, leitet der Geschäftsführer der Industriellenvereinigung den Bericht über die Ergebnisse ein. Die schlechten Nachrichten kommen just zu einer Zeit, in der die Metallindustrie um die Löhne ringt. Dass die Wirtschaft in der Krise steckt, zeigen nicht nur die Zahlen des Geschäftsklimaindexes, sondern werden ebenso von jedem auch nur halbwegs ernstzunehmenden Wirtschaftsforscher bestätigt. Selbst Gewerkschafter Karl Dürtscher schränkte ein, dass es wohl einige Firmen gebe, die sich in der Krise befinden. Doch der größte Teil, da ist er sich mit weiteren Gewerkschaftern einig, verdienen prächtig und wollen davon nichts an ihre Mitarbeiter abgeben.

Doch die hohe Zeit des Mitarbeiter- und Fachkräftemangels ist vorbei. Zwar werden immer noch Mitarbeiter gesucht, doch 37 Prozent der Vorarlberger Industriebetriebe gehen in den nächsten Monaten von einer fallenden Beschäftigtenzahl in ihren Betrieben aus.

Von Optimismus fehlt derzeit jede Spur: Die Geschäftslage in einem halben Jahr sehen 47 Prozent unverändert und 49 Prozent sogar schlechter als heute. Und was ist zu verdienen? Nur jeder Achte sieht eine Verbesserung, 41 Prozent sehen die Ertragssituation gleich und 47 Prozent schlechter.

Die Paradebranche der vergangenen Jahre, die Maschinen- und Metallindustrie, auf die nach den bisherigen Verhandlungen nun auch noch Streiks zukommen könnten, leidet besonders: In allen Bereichen, also Auftragsbestand, Auslandsaufträge und Ertragssituation derzeit sowie Produktionstätigkeit, Verkaufspreise, Produktionskapazität, Beschäftigtenstand und Geschäftslage in drei Monaten, weiters bei der Ertragssituation in sechs Monaten, erwarten neun von zehn Firmen klar schlechtere Aussichten.

Vorarlberger Industrie fürchtet weiteren Absturz und Rückgang der Arbeitsplätze

Was tun? Für Christian Zoll, dem es diesmal oblag die Zahlen zu präsentieren, ist das klar und zielt auf die aktuellen KV-Verhandlungen: „Was zählt, sind vernünftige Ergebnisse in der aktuellen Herbstlohnrunde. Überzogene Forderungen sind fehl am Platz, auch die Arbeitnehmervertreter müssen sich der besonderen Rahmenbedingungen bewusst sein. Ein höherer Abschluss bei uns als in anderen Ländern bedeutet weniger Wettbewerbsfähigkeit und gefährdet unseren Standort, und damit den Wohlstand von Bevölkerung und Betrieben sowie die Sicherheit der Arbeitsplätze.“

Geschäftsklima in den verschiedenen Industriebranchen

Dass besonders das Flaggschiff Maschinen- und Metallindustrie schwächelt, ist bekannt. Doch wie geht es den anderen Industriebranchen im Land?

Ein kleiner Lichtblick ist laut Geschäftsklimaindex die Nahrungs- und Genussmittelindustrie; rund zwei Drittel sehen die Geschäftslage derzeit als besser an und erwarten hier steigende Verkaufspreise in drei Monaten. Weiters geht die Hälfte von einer besseren Ertragssituation in sechs Monaten aus. Alle Befragten sehen sowohl ihre Produktionstätigkeit als auch die Produktionskapazität und den Beschäftigtenstand in drei Monaten unverändert gegenüber heute.

In der Textilindustrie geben zwei Drittel einen besseren derzeitigen Auftragsbestand an, aber zwei Drittel einen Rückgang beim Ertrag in einem halben Jahr. In der Elektro- und Elektronikindustrie sehen die Hälfte der Befragten niedrigere Verkaufspreise in drei Monaten.

Zuletzt die Verpackungsindustrie: In diesem traditionellen Frühindikator für die Wirtschaft sehen nahezu alle ihre Geschäftslage, den Auftragsbestand und die Auslandsaufträge derzeit unverändert, aber mehr als ein Drittel sieht niedrigere Verkaufspreise in drei Monaten und weniger Ertrag in sechs Monaten.