„Grand Dame der Logistik“ Heidi Senger-Weiss verstorben

Heidi Senger-Weiss übernahm 1968 die Führung des Familienunternehmens und machte es zusammen mit Ehemann Paul zum größten Logistiker Österreichs. FA
Heidi Senger-Weiss war eine der beeindruckendsten Unternehmerpersönlichkeiten Vorarlbergs.
Bregenz Im Kreise ihrer Familie ist Heidegunde Senger-Weiss, eine der beeindruckendsten Unternehmerpersönlichkeiten Vorarlbergs, am Donnerstag 82-jährig gestorben. Senger-Weiss, die 2016 zusammen mit ihrem Ehemann Paul Senger-Weiss mit dem Preis für ihr unternehmerisches Lebenswerk geehrt wurde, führte eines der ältesten Unternehmen Österreichs, den Speditions- und Logistikkonzern Gebrüder Weiss vom vornehmlich regional und national tätigen Familienunternehmen zum heute größten österreichischen Logistiker.

2016 wurden Heidi und Paul Senger-Weiss mit dem Ehrenpreis für ihr Lebenswerk ausgezeichnet. Gratulanten waren v. l: IV-Präsident Ohneberg, WKV-Direktor Steurer, VN-Herausgeber Eugen A. Russ und Heinz Senger-Weiss. Foto: DS
Heidi Senger-Weiss trat 1965 ins Unternehmen ein, ab 1968 führte sie mit ihrem Mann Paul Senger-Weiss die Geschäfte. Und stand wie schon die Väter und Vorväter vor großen Herausforderungen. Gebrüder Weiss ist das älteste Unternehmen des Landes. Bereits 1474 betrieb die Familie Vis (Weiss) im Auftrag den Lindauer Boten in Fußach. 1823 führten die Gebrüder Josef, Leonhard und Johann Alois Karl Weiss die Geschäfte in einem neuen Unternehmen. Und in der Geschichte von Weiss gab es zahlreiche Neuanfänge, die durch die Wirren der Geschichte bedingt waren. Immer wieder musste neu aufgebaut werden – etwa nach den beiden Weltkriegen. Als Senger-Weiss die Geschäfte übernahm, zählte die Firma bereits 1000 Mitarbeiter in Österreich und in einer Niederlassung in Hamburg.

Im Haus hatte Heidi Senger-Weiss von Anfang an viel Unterstützung, in der Branche musste man sich daran gewöhnen, dass eine Frau in die Führungsetage eines Spediteurs einzog. Doch auch die Kunden bemerkten schnell die Kompetenz der Weiss-Chefin. „Wir haben in einer guten Phase begonnen“, erzählte sie in einem von vielen Gesprächen mit den VN. Sie trieb mit ihrem Ehemann ab Anfang der 1970er-Jahre die Internationalisierung des Unternehmens voran. Bis zur Ölkrise. Diese ließ das Geschäft auf ein Zehntel einbrechen, die Energiekosten stiegen um 70 Prozent. Man reagierte mit neuen Transportmitteln und Angeboten. In der Firma wurden in den folgenden Jahren die geeigneten Strukturen für den weiteren Aufbau geschaffen.

Die Vorarlberger Spedition („Vorarlberg ist nach wie vor unser Heimatmarkt“) war auch bei den ersten Firmen, die nach der Öffnung der Ostblockländer zuerst vor Ort waren. Schon 1988 entschieden Heidi und Paul Senger-Weiss, ins Paketgeschäft einzusteigen. Die nächste Herausforderung: Mit dem Eintritt in die EU fielen die Verzollungen weg. „Da war mit einem Schlag die Hälfte des Umsatzes weg und ein Drittel der Wertschöpfung“, schilderte Heidi Senger-Weiss diese Phase. Durch massive Reorganisation aller Abläufe und intensiven Einsatz aller Beteiligten ging die Firma, die inzwischen auch zum Logistiker wurde, gestärkt aus dieser Krise hervor. Neben der Arbeit im eigenen Unternehmen, das unter ihrer Führung von 1000 auf heute 8400 Mitarbeiter gewachsen ist und 180 Standorte in 34 Ländern betreibt, hat sich die Bregenzerin über Jahrzehnte in Vorarlberg, Österreich und international für die Branche stark gemacht.

Ab 1968 war sie Vizepräsidentin, später Präsidentin des Zentralverbandes Spedition und Logistik bis ins Jahr 2007, von 1990 bis 2005 führte sie die Sparte Transport und Verkehr der Wirtschaftskammer Vorarlberg. Senger-Weiss wurde dafür von den Branchenkollegen hoch geachtet, auch Politiker brachten ihr ebenfalls Hochachtung entgegen, aber fürchteten zuweilen auch ihren ehrlichen, direkten Verhandlungsstil, gepaart mit ihrem Fachwissen. Senger-Weiss wurde 2015 als erste Frau in die Logistics Hall of Fame aufgenommen, der Ruhmeshalle der weltweit besten Logistikerpersönlichkeiten. Die Juroren begründeten die Auszeichnung damit, dass sie, „durch zahlreiche Impulse in der Unternehmensführung, Internationalisierung und Mitarbeitermotivation die Wettbewerbsfähigkeit der Transportlogistik über die Grenzen Österreichs hinaus positiv beeinflusst und damit zur Professionalisierung der Transportlogistikbranche maßgeblich beigetragen“ habe. Zusammen mit ihrem Ehemann wurde Senger-Weiss von der Wirtschaftsuniversität Wien als WU-Manager des Jahres ausgezeichnet – nur zwei von einer ganzen Reihe von Ehrungen für Heidi Senger-Weiss.

Zur Person
Dkfm. Heidegunde Senger-Weiss
Geboren in Wien, 20. Mai 1941
Familie: verheiratet seit 1969 mit Paul Senger-Weiss, 2 Söhne, 1 Tochter, 9 Enkelkinder
Ausbildung Volksschule und Realgymnasium in Bregenz, Studium an der Hochschule für Welthandel, Wien, zwei Jahre Speditionspraktikum im Ausland
Karriere 1965 Eintritt bei Gebrüder Weiss, 1968 Gesamtverantwortung, ab 1969 Geschäftsleitung gemeinsam mit Paul Senger-Weiss 1997 Erweiterung der Geschäftsleitung auf vier Personen, bis Ende 2004 Vorstandsvorsitzende, 2005 Wechsel in den Aufsichtsrat, 2009–2015 Aufsichtsratsvorsitzende
Zusätzliche Engagements ab 1968 Vizepräsidentin, später Präsidentin des Zentralverbandes Spedition und Logistik bis 2007, Spartenobfrau Transport und Verkehr der Wirtschaftskammer Vorarlberg in den Jahren 1990 bis 2005
