Wie sich KMU in der schwierigen Wirtschaftslage bewähren

Markt / 05.10.2023 • 20:30 Uhr
Bei seiner Rede beim KMU-Preis mahnte Thomas Oberholzner eine Bürokratie-Reform ein. <span class="copyright">VN/Paulitsch</span>
Bei seiner Rede beim KMU-Preis mahnte Thomas Oberholzner eine Bürokratie-Reform ein. VN/Paulitsch

Thomas Oberholzner, Leiter der KMU-Forschung Austria, fordert Verwaltungsvereinfachung für Betriebe.

Dornbirn Unzweifelhaft sind kleine und mittlere Unternehmen nach wie vor die zentrale Säule der österreichischen Wirtschaft: Im Jahr 2021 gab es rund 358.000 kleine und mittlere Betriebe, die über 2 Millionen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer beschäftigten und rund 53.000 Lehrlinge ausbildeten. Sie erwirtschafteten rund 64 Prozent der Umsätze und rund 63 Prozent der Bruttowertschöpfung der Wirtschaft in Österreich. Die Dominanz der KMU ist wie in Österreich auch in Vorarlberg bei nahezu 100 Prozent der Unternehmen. Ein guter Grund also, dass auch die Tätigkeit der kleinen und mittleren Betriebe wissenschaftlich begleitet wird.

Daten und Analysen

Die KMU-Forschung Austria wurde im Jahr 1954 gegründet und ist ein privater, gemeinnütziger Verein, der wissenschaftlich fundierte Analysen und Daten zu aktuell und zukünftig relevanten Themenstellungen als Grundlage für wirtschaftspolitische und unternehmerische Entscheidungen zur Verfügung stellt. Der Leiter des Instituts, Thomas Oberholzner, berichtete in seiner Ansprache beim KMU-Preis über die aktuelle Situation der kleinen und mittleren Firmen in einer Wirtschaft, die derzeit an mehreren Fronten zu kämpfen hat und sich in vielen Bereichen neu aufstellen muss. Die momentane Konjukturschwäche, so Oberholzner im Gespräch mit den VN, habe auf die verschiedenen Branchen auch “ganz unterschiedlich starke Auswirkungen”.

Thomas Oberholzner: "Von einer Insolvenzwelle sind wir allerdings noch weg."<span class="copyright"> VN/Paulitsch</span>
Thomas Oberholzner: "Von einer Insolvenzwelle sind wir allerdings noch weg." VN/Paulitsch

Bau, Baunebengewerbe und Anlagenbau spüren das Minus im Wohnbau stark, der Handel schwächle schon länger, der Tourismus habe heuer allerdings ganz gut reüssieren können. “Natürlich kämpfen alle Betriebe mit der Stagflation”, also dem Stillstand des Wachstums bei gleichzeitiger Geldentwertung. Auch die gerade angelaufenen KV-Verhandlungen seien herausfordernd, so der Institutsleiter, der auch eine Investitionszurückhaltung bemerkt, die sich in den Auftragsbüchern vieler kleiner Unternehmen abbilde. “Von einer Insolvenzwelle sind wir allerdings noch weg”, so Oberholzner, in den vergangenen Jahren sei es vielen Betrieben gelungen, Rücklagen zu bilden, die jetzt notwendig sind.

Gute einzelne Maßnahmen

Herausfordend sei auch die Energiesituation und der Umstieg auf neue Energiequellen. Politik und Regierung attestiert er, dass man gute Einzelmaßnahmen gesetzt habe, doch eine Strategie wäre auch für die Unternehmen wichtig.

KMU-Forschung Austria

Die Forschungsergebnisse der KMU-Forschung Austria richten sich an Agierende der regionalen, nationalen und internationalen Politikgestaltung, Interessenvertretungen, beratende Organisationen, andere Forschungseinrichtungen, Führungsverantwortliche in Unternehmen sowie die interessierte Öffentlichkeit. Die gewonnenen Erkenntnisse sollen zu einer positiven Weiterentwicklung der österreichischen und europäischen Wirtschaft und Gesellschaft beitragen.

Die KMU-Forschung Austria setzt auf ein Team von hochqualifizierten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern und kann auf mehr als 60 Jahre Erfahrung und Kontinuität aufbauen. Langjährige Expertise, Objektivität, Interdisziplinarität, Methodenvielfalt, die Orientierung an wissenschaftlichen Standards, die Kooperation mit nationalen und internationalen Forschungseinrichtungen sowie die Einbettung in zentrale (inter-)nationale Forschungsnetzwerke sind wesentliche Qualitätsmerkmale der KMU-Forschung Austria und gewähren die Anschlussfähigkeit der Forschungsergebnisse des Instituts an den State of the Art in allen Themenfeldern. Das Institut ist in den folgenden Kompetenzbereichen tätig: Entrepreneurship und Innovation, Wirtschaftssektoren und Branchen, Regionale Analysen, Arbeitsmarkt und Qualifikation, Evaluierungen und Wirkungsanalysen sowie Bilanzkennzahlen und Benchmarking.