Hubert Rhomberg: “Das klassische Baugeschäft vor schwierigen Jahren”

Markt / 15.09.2023 • 14:00 Uhr
Hubert Rhomberg: "Das klassische Baugeschäft vor schwierigen Jahren"

Bilanz für Geschäftsjahr 2022 fällt mit einer Betriebsleistung von 1,19 Milliarden Euro positiv aus. Nun wird es herausfordernd.

bregenz Nach Jahren des Wachstums steht die Rhomberg Gruppe anspruchsvollen Herausforderungen gegenüber. Die Bilanz des abgelaufenen Geschäftsjahrs fällt mit einer Betriebsleistung von 1,19 Milliarden Euro zwar positiv aus. Und auch die Zahl der Mitarbeitenden nahm, projektbedingt vor allem im Bereich Bahn, insgesamt von 3550 auf rund 3800 zu.

Doch während die Bahnsparte ihren Kurs wohl fortsetzen kann, hat sich der Ausblick für den Bau eingetrübt. „Das klassische Baugeschäft wird zumindest in den kommenden zwei bis drei Jahren schwierig werden“, erklärt Hubert Rhomberg, Geschäftsführer der Rhomberg Holding. „An der einen oder anderen Stelle spüren wir schon jetzt einen Rückgang.“

Eine von Rhomberg Bau errichtete Wohnanlage in Lustenau.<span class="copyright"> rhomberg</span>
Eine von Rhomberg Bau errichtete Wohnanlage in Lustenau. rhomberg

Klassisches Baugeschäft stark unter Druck

Insgesamt sei man aber gut aufgestellt, um durch dieses schwierige Fahrwasser steuern zu können. „Großen Anteil daran hat die Transformation vom Bauunternehmen zum Bautechnologie-, Produkt- und Lösungsanbieter“, so Rhomberg. „Darauf arbeiten wir seit Jahren konsequent hin.“ 

Eine zentrale Rolle spiele dabei der Systembau mit Holz, der für jede Anforderung eine passgenaue Lösung bietet – für den Wohnbau ebenso wie für Industrie, Hotel und Gewerbe, für großvolumige Gebäude oder bei Sanierungen. „Im Systembau, wo wir neben unserer Erfolgsgeschichte Goldbeck Rhomberg seit Jahren ebenfalls verstärkt auf Holz setzen, sehen wir weiterhin Chancen für uns“, so Hubert Rhomberg.

Ein Projekt von Systembauspezialist Goldbeck Rhomberg. <span class="copyright">gr</span><p class="caption"></p><p class="caption"></p>
Ein Projekt von Systembauspezialist Goldbeck Rhomberg. gr

Wichtige Puzzleteile, die sich mit dem Holzbau zum großen Ganzen verbinden, seien beispielsweise die serielle Sanierung mit dem jungen Joint Venture Renowate oder Rhomberg Energie als Anbieter von 360-Grad-Energielösungen.

Renowate-Projekt mittels vorgefertigten Fassadenelementen. <span class="copyright">renowate</span>
Renowate-Projekt mittels vorgefertigten Fassadenelementen. renowate

Zukunft des Bauens digital gestalten

„Um Abläufe in der Bau- und Immobilienwelt zu optimieren, loten wir auch die Möglichkeiten der Digitalisierung immer weiter aus“, fügt Rhomberg hinzu. Dabei würden auch Synergien innerhalb der Gruppe genutzt: So schafft der von der Rhomberg Sersa Rail Group mitentwickelte KI-Baustellencontainer „Q-tainer“ die Basis für ein digitales Netzwerk auf Baustellen. Und ein ursprünglich im Bahnbereich eingesetztes Bauablaufmanagement sorgt für eine reibungslose Anlieferung der Holzbaumodule. Darüber hinaus wird an vielen Stellen im Unternehmen mit künstlicher Intelligenz experimentiert. Die im Vorjahr erstmals durchgeführte Konferenz für KI in der Bauindustrie „DataCon.AI“ wird dieses Jahr in Kooperation mit der Strabag in Wien stattfinden. 

Einstieg bei SolarImpuls: Hubert Greber und Peter Gschliesser, mit Franz Blauensteiner, Stephan Descher (beide SolarImpuls) und Matthias Moosbrugger. <span class="copyright">rhomberg</span>
Einstieg bei SolarImpuls: Hubert Greber und Peter Gschliesser, mit Franz Blauensteiner, Stephan Descher (beide SolarImpuls) und Matthias Moosbrugger. rhomberg

Vor einem Jahr startete auch Rhomberg Energie als Innovationsprojekt mit ganzheitlichen Energiekonzepten aus einer Hand am Markt. Die Nachfrage ist gut. Im vergangenen April wurden durch den Einstieg bei dem auf Planung und Montage von PV-Anlagen spezialisierten Feldkircher Unternehmen SolarImpuls die Kapazitäten erhöht.

Trotz verschlechterter Rahmenbedingungen entwickelte sich die Bausparte im Wirtschaftsjahr 2022/23 dank einer gemeinsamen Anstrengung aller Geschäftsbereiche positiv und erreichte eine Betriebsleistung von 520 Millionen Euro (Vorjahr: 418 Millionen Euro).

Ein David Micro-Apartment von Rhomberg. <span class="copyright">rhomberg</span>
Ein David Micro-Apartment von Rhomberg. rhomberg

Insgesamt rücke das Thema Wohnen als gesellschaftliches Thema immer mehr in den Fokus. „Die finanziellen Hürden auf dem Weg zum Eigenheim haben sich massiv erhöht“, verweist Ernst Thurnher, Geschäftsführer der Rhomberg Holding, auf die steigende Inflationsrate und die daraus folgende verminderte Kaufkraft sowie verschärfte Kriterien für Wohnbaukredite. „Die anhaltende Verteuerung lässt den Bedarf an leistbarem Wohnraum weiter steigen.“ Was es dringend brauche, seien entsprechende Rahmenbedingungen. Hier sei die Politik gefordert.

Ernst Thurnher und Hubert Rhomberg. <span class="copyright">Rhomberg</span>
Ernst Thurnher und Hubert Rhomberg. Rhomberg

Zukunftsfähiges Ortsteilzentrum

Von Vandans bis Fußach entstanden im vergangenen Jahr leistbare Wohnungen beziehungsweise wurden entsprechende Bauvorhaben in Angriff genommen. „Die Situation ist schwierig. Dennoch haben wir aktuell in all unseren Märkten eine Reihe an Großprojekten in Vorbereitung, in Arbeit oder zuletzt erfolgreich abgeschlossen“, sagt Thurnher. Angefangen von eigenen Wohnbauprojekten in Dornbirn über das Funkhaus Wien bis hin zum Wohnquartier „Halde Nord“ im Kempten, Deutschland, oder einem Hotel- und Office-Gebäude mit dem Holz-Hybrid-System von Cree Buildings am Flugplatz St. Gallen-Altenrhein, Schweiz.

Wien auf Erfolgskurs

„Mit einem kräftigen Volumenzuwachs in Wien liegen wir voll im Plan“, freut sich Hubert Rhomberg über die Performance im vergangenen Geschäftsjahr in der Bundeshauptstadt. Belegschaft und Umsatz mittelfristig weiter deutlich zu steigern, ist auch das erklärte Ziel des Führungsteams. Ein Fokus von Rhomberg Wien liegt darauf, mehr aus in Städten naturgemäß knappem Wohnraum herauszuholen. Angeboten werden umfassende Leistungen in den Bereichen Umbau, Sanierung und Nachverdichtung.

Erfreuliche Entwicklung der Rhomberg Sersa Rail Group

Die Rhomberg Sersa Rail Group (RSRG), an der Rhomberg und der Schweizer Unternehmer Konrad Schnyder jeweils 50 Prozent halten, legte im vergangenen Wirtschaftsjahr bei der Betriebsleistung um 93 Millionen Euro auf 667 Millionen Euro zu. Im April 2023 erfolgte die Expansion in den hohen Norden – konkret nach Kopenhagen. „Zum einen wickeln wir laufende Projekte, wie beispielsweise die Metrolinie M4 zum Sydhavnen in Kopenhagen, nun über diesen Unternehmenssitz ab“, informiert Hubert Rhomberg. Zum anderen stünden spannende neue Herausforderungen an: „Mit dem dänischen Bahnbauunternehmen Aarsleff Rail haben wir uns um den Bau der elektrifizierten Eisenbahnstrecke im Fehmarnbelt-Tunnel beworben und sind in der Präqualifizierung in die engere Wahl gekommen.“ Der Auftrag mit einem voraussichtlichen Gesamtwert von rund 200 Millionen Euro soll Anfang 2025 vergeben werden.

Rhomberg Sersa Rail realisiert weltweit Bahnprojekte. <span class="copyright">rsrg</span>
Rhomberg Sersa Rail realisiert weltweit Bahnprojekte. rsrg

Ein historischer Moment war die erste Fahrt eines Personenzugs durch den Koralmtunnel am 12. Juni dieses Jahres. An diesem Lückenschluss im europäischen Verkehrsnetz waren auch die Bahntechnik-Expert:innen der RSRG beteiligt. Die Inbetriebnahme des sechstlängsten Bahntunnels der Welt ist für Dezember 2025 geplant.

Rhomberg Sersa Rail ist am Bau des Koralm-Tunnels beteiligt. <span class="copyright">rsrg</span>
Rhomberg Sersa Rail ist am Bau des Koralm-Tunnels beteiligt. rsrg