„Kein Rückgang auf 2019-Niveau“

Markt / 15.08.2023 • 19:44 Uhr
Energieeffiziente Filialen sind Ziel. FA (2)
Energieeffiziente Filialen sind Ziel. FA (2)

Lidl-Österreich-Chef Alessandro Wolf zur Preisen, Nachhaltigkeit und Arbeitsmarkt.

GÖTZIS, SALZBURG Die Lidl-Filiale in Götzis ist am frühen Morgen schon gut besucht. Bevor die Frequenz um 8 Uhr zunimmt, kontrolliert ein Mitarbeiter die Präsentation der Früchte, positioniert die saftigen Weingartenpfirsiche im richtigen Regal, sorgt bei den Bananen für Ordnung. Auch in den Regalreihen schaut er nach dem Rechten. Der Mitarbeiter ist nicht jeden Tag in der Vorzeigefiliale Götzis anzutreffen, er ist quasi zu Gast. Den größten Teil seiner Arbeitszeit ist er am österreichischen Firmensitz des Diskontunternehmens in Salzburg zu finden. Alessandro Wolf ist der Chef von Lidl Österreich. Die im Konzern sogenannten Praxistage seien für ihn weniger Pflicht denn Chance, mit den Mitarbeitern zu kommunizieren, sagt er im Gespräch mit den VN, das im Pausenraum des Marktes stattfindet.

Ambitionierter Umweltschutz

Alessandro Wolf ist Vorstandsvorsitzender mit Ablaufdatum. Er wird im nächsten Sommer die Leitung der österreichischen Lidl-Märkte an Nicholas Pennanen übergeben, er selbst nimmt dann auf dem Chefsessel von Lidl Schweiz Platz. Doch bis es soweit ist, werde der gebürtige Tessiner in Österreich noch einiges umsetzen. Neben der weiteren Attraktivierung von Lidl als Arbeitgeber will das Unternehmen seine Umweltaktivitäten weiterführen. So sind bereits jetzt sechs der zwölf Vorarlberger Filialen mit E-Tankstellen ausgestattet, österreichweit ist das Ziel, bis 2025 für jede zweite Filiale mit Parkplatz eine E-Tankstelle zu bauen.

Dafür wird an allen möglichen Schrauben gedreht. Auch die Vorarlberger Filialen werden energetisch optimiert, bereits jetzt sind E-Autos im Einsatz, auch elektrische Lkw liefern schon Waren aus. In Vorarlberg wird ein Standort runderneuert, in dem anderen werden jetzt die Pfandautomaten installiert. „Wir sind auch offen für weitere Standorte“, erklärt Wolf die nächsten Expansionsschritte, „insbesondere in Bregenz suchen wir nach einem neuen Standort.“ Das Unternehmen fokussiere sich weiter auf den Frischebereich, so der Handelsmanager, „wir haben das beste Obst- und Gemüseangebot im Lebensmittelhandel“, weil die Lieferketten kurz seien und Lidl durch die internationale Präsenz in allen relevanten Anbauregionen vor Ort sei.

Preise bleiben hoch

Glaubwürdig will der Diskontriese auch bei den Preisen sein. „Wir haben in diesem Jahr die Preise für über 500 Produkte gesenkt“, so Wolf im Gespräch und weist jegliche Vorwürfe aus der Politik in Richtung Lebensmittelhandel scharf zurück. „Wenn die Politik keine Lösung hat, ist der Lebensmittelhandel immer für ein Bashing gut“, berichtet er über die Branche und Politik.

„Der Preis entsteht nicht nur durch Einkaufs- und Verkaufspreis“, erklärt er das kaufmännische Einmaleins und verweist auch auf hohe Energiekosten, die Inflation und die anstehenden KV-Verhandlungen, die für den Handel wieder schwierig werden. Auch der Klimawandel müsse bewältigt werden. „Von der Idee, dass die Preise wieder auf das Niveau von 2019 sinken, muss man sich jedenfalls verabschieden“, stellt er fest. Neben den Aktivitäten zur Klimaneutralität bleibt der Engpass am Arbeitsmarkt eine Herausforderung. Lidl ist Dauersieger bei den besten Arbeitgebern Österreichs. „Die Mitarbeiter sind die Basis unseres Erfolgs“, so Wolf, der seinen Praxistag in Götzis für ausführliche Gespräche nutzte. Mit einer deutlichen Überzahlung – „wir zahlen bis zu 16 Prozent über KV“ –, mit einer bezahlten sechsten Urlaubswoche und Vaterschaftsurlaub will man weitere Attraktivitätspunkte sammeln. Außerdem habe man die Sabbaticalregeln vereinfacht, biete im Büro Gleitzeit und Homeoffice an. „Uns ist die Gesprächskultur wichtig.“

Die Mitarbeiter sind auch zur Optimierung in den Filialen erste Ansprechpartner: „Unser Filialleiter in Götzis hat bemerkt, dass die neuen elektronischen Preisschilder von Einkaufswagen touchiert werden. Aufgrund dieses Hinweises konnten wir das schnell ändern.“ Apropos Preisschilder: Durch die Preisschilder werden die Mitarbeiter entlastet, die Preise seien immer am neuesten Stand, und „nebenbei sparen wir auch noch zwölf Millionen A4-Blätter jährlich.“ VN-sca

Fokus auf Obst- und Gemüseangebot.
Fokus auf Obst- und Gemüseangebot.
Lidl-Chef Wolf in Götzis: „Wenn etwas im Lebensmittelhandel funktioniert, dann der Wettbewerb.“VN/RP
Lidl-Chef Wolf in Götzis: „Wenn etwas im Lebensmittelhandel funktioniert, dann der Wettbewerb.“VN/RP