Diskonter-Manager weist Schuld für hohe Preise durch den Handel zurück

Das Obst- und Gemüseangebot ist der große Trumpf des Diskonters – künftig soll der Fokus noch stärker darauf gelegt werden. FA
Lidl-Österreich-Chef vor Ort: Alessandro Wolf macht Praxistag in Vorarlberger Filiale.
Götzis, Salzburg Die Lidl-Filiale in Götzis ist am frühen Morgen schon gut besucht. Bevor die Frequenz um 8 Uhr zunimmt, kontrolliert ein Mitarbeiter die Präsentation der Früchte, positioniert die saftigen Weingartenpfirsiche ins richtige Licht, sorgt bei den Bananen für Ordnung. Auch in den Regalreihen sieht er nach dem Rechten. Der Mitarbeiter ist nicht jeden Tag in der Vorzeigefiliale Götzis anzutreffen, er ist quasi zu Gast. Den größten Teil seiner Arbeitszeit ist er am österreichischen Firmensitz des Diskontunternehmens in Salzburg zu finden. Alessandro Wolf ist der Chef von Lidl Österreich. Die im Konzern sogenannten Praxistage sind für ihn weniger Pflicht denn Chance mit den Mitarbeitern zu kommunizieren, sagt er im Gespräch mit den VN, das im Pausenraum des Marktes stattfindet.
Ambitionierter Umweltschutz
Alessandro Wolf ist Vorstandsvorsitzender mit Ablaufdatum. Er wird im nächsten Sommer die Leitung der österreichischen Lidl-Märkte an Nicholas Pennanen übergeben, er selbst nimmt dann auf dem Chefsessel von Lidl Schweiz Platz. Doch bis es so weit ist, werde der gebürtige Tessiner in Österreich noch einiges umsetzen. Neben der weiteren Attraktivierung von Lidl als Arbeitgeber will das Unternehmen seine Umweltaktivitäten weiterführen. Sechs der zwölf Vorarlberger Filialen sind schon mit E-Tankstellen ausgestattet, österreichweit ist es das Ziel, bis 2025 für jede zweite Filiale mit Parkplatz eine E-Tankstelle zu bauen. „Als „klimaaktiv Partner“ verpflichten wir uns, die jährlichen Treibhausgasemissionen um 50 Prozent oder mehr als 5000 Tonnen CO2 zu reduzieren und den Anteil an erneuerbaren Energien auf 80 Prozent zu erhöhen”, so Wolf.

Dafür wird an allen möglichen Schrauben gedreht. Auch die Vorarlberger Filialen werden energetisch optimiert, Bereits jetzt sind E-Autos im Einsatz, auch elektrische Lkw liefern schon Waren aus. In Vorarlberg wird ein Standort rundumerneuert, in den anderen werden jetzt die Pfandautomaten installiert. „Wir sind auch offen für weitere Standorte“, erklärt Wolf die nächsten Exopansionsschritte, „insbesondere in Bregenz suchen wir nach einem neuen Standort.“ Ein Thema sind auch die Verkaufsflächen. Lidl hat im Branchenvergleich kleine Flächen, aber die höchste Flächenproduktivität. Das Unternehmen fokussiere sich weiter auf den Frischebereich, so der Handelsmanager, „wir haben das beste Obst- und Gemüseangebot im Lebensmittelhandel“, weil die Lieferketten kurz sind und Lidl durch die internationale Präsenz in allen relevanten Anbauregionen vor Ort ist. Daneben werde auch das regionale und biologische Angebot ständig erweitert. „Mit Christine Stürmer haben wir ein Testimonial, das diese Bemühungen und Werte verkörpert“, freut sich Wolf darüber, dass die Partnerschaft verlängert wurde.
Preise bleiben höher
Glaubwürdig will der Diskontriese, der im vergangenen Jahr seinen Marktanteil auf 5,5 Prozent weiter ausbauen konnte, auch bei den Preisen sein. „Wir haben in diesem Jahr die Preise für über 500 Produkte gesenkt“, so Wolf im Gespräch und weist jegliche Vorwürfe aus der Politik in Richtung Lebensmittelhandel scharf zurück. „Wenn die Politik keine Lösung hat, ist der Lebensmittelhandel immer für ein Bashing gut und wenn etwas in Österreichs Lebensmittelhandel funktioniert, dann ist es der Wettbewerb“, berichtet er aus der Branche, der er deshalb auch rundum attestiert, dass man die Preise sehr knapp kalkuliere.

Die neuen Filialen des Unternehmens werden energieeffizient gebaut, die bestehenden weiter optimiert. FA
„Der Preis entsteht nicht nur durch Einkaufs- und Verkaufspreis“ erklärt er das kaufmännische Einmaleins und verweist auch auf hohe Energiekosten, die Inflation und die anstehenden KV-Verhandlungen, die für den Handel wieder schwierig werden. Auch der Klimawandel müsse bewältigt werden. „Von der Idee, dass die Preise wieder auf das Niveau von 2019 sinken, muss man sich jedenfalls verabschieden“, stellt er fest. Neben den Aktivitäten zur Klimaneutralität bleibt der Engpass am Arbeitsmarkt eine Herausforderung. Lidl ist Dauersieger bei den besten Arbeitgebern Österreichs – das wird vom „Great Place to Work Institute” Jahr für Jahr bestätigt. „Die Mitarbeiter sind die Basis unseres Erfolgs“, so Wolf, der seinen Praxistag in Götzis für ausführliche Gespräche nutzte. Mit einer deutlichen Überbezahlung – „wir zahlen bis zu 16 Prozent über KV“ –, einer bezahlten sechsten Urlaubswoche und Vaterschaftsurlaub will man weitere Attraktivitätspunkte sammeln. Außerdem habe man die Sabbaticalregeln vereinfacht, biete im Büro Gleitzeit und Homeoffice an. „Uns ist die Gesprächskultur wichtig, mit unserer Mitarbeiter-App können wir auch immer schnell auf Anregungen und Kritik der Mitarbeiter reagieren.“
Diese sind auch zur Optimierung in den Filialen erste Ansprechpartner: „Unser Filialleiter in Götzis hat bemerkt, dass unsere neuen elektronischen Preisschilder von Einkaufswagen touchiert werden. Aufgrund dieses Hinweises aus der Praxis konnten wir das schnell ändern.“ Apropos Preisschilder: Durch die elektronischen Preisschilder werden die Mitarbeiter entlastet, die Preise werden zentral immer auf dem neuesten Stand gehalten und nebenbei sparen wir auch noch zwölf Millionen A4-Blätter jährlich.”
Lidl Fakten
Filialen 12 in Vorarlberg, über 250 in Österreich, 8944 insgesamt in 31 Ländern
Mitarbeiter in Vorarlberg 200 Mitarbeiter und 9 Lehrlinge, österreichweit rd. 5800
Vorstandsvorsitzender Alessandro Wolf
Umsatz 2022 1,6 Mrd. Euro
Marktanteil 5,5 Prozent