WKÖ-Mahrer schlägt Alarm: „Wer macht die Arbeit?”

Markt / 13.08.2023 • 18:30 Uhr
WKÖ-Mahrer schlägt Alarm: „Wer macht die Arbeit?"

Wirtschaftskammer-Präsident Harald Mahrer warnt eindringlich vor flächendeckender Arbeitszeitverkürzung.

Wien In der österreichischen Wirtschaft geht ein Gespenst um, das in vielen Betrieben die Alarmglocken läuten lässt. Zur Unzeit für die Betriebe macht die Gewerkschaft Druck für eine 32-Stunden-Woche bei vollem Lohnausgleich. Für die Arbeitnehmervertreter ist der Zeitpunkt freilich gut: Der Arbeitsmarkt hat sich gedreht – nicht die Arbeitnehmer müssen sich bei den Firmen anstellen, sondern umgekehrt. Der Mangel an Mitarbeitern – von der Fach- bis zur Hilfskraft – bremst trotz nachlassender Konjunktur den Geschäftsgang.

Die Arbeitszeit steht derzeit in einem harten Disput: Die Gewerkschaft will 32 Stunden bei vollem Lohnausgleich durchsetzen, die Wirtschaftskammer widersetzt sich den Wünschen. <span class="copyright">Picasa</span>
Die Arbeitszeit steht derzeit in einem harten Disput: Die Gewerkschaft will 32 Stunden bei vollem Lohnausgleich durchsetzen, die Wirtschaftskammer widersetzt sich den Wünschen. Picasa

Doch nicht nur die Wirtschaft sucht verzweifelt: Vor allem in der Gesundheitspflege sowie im Bildungsbereich und in der Verwaltung ringt die öffentliche Hand mit allen Mitteln um Mitarbeiter: Das Land Vorarlberg etwa wirbt mit einer großen Plakatkampagne und einem schönen Handgeld um Lehrer in anderen Bundesländern.

Wirtschaftskammer-Präsident Harald Mahrer stellt eine Arbeitsmarkt-Rechnung auf, welche die Argumentation der Wirtschaftskammer unterstützt. <span class="copyright">VN/Paulitsch</span>
Wirtschaftskammer-Präsident Harald Mahrer stellt eine Arbeitsmarkt-Rechnung auf, welche die Argumentation der Wirtschaftskammer unterstützt. VN/Paulitsch

Wirtschaftskammer-Präsident Harald Mahrer, seit Mai 2018 an der Spitze der Interessenvertretung findet für die Situation starke Worte. Im Gespräch mit den VN bezeichnet er die Diskussion um die 32-Stunden-Woche als „Katastrophenszenario, ein absolutes No-Go“ und legt Zahlen vor: Waren 2019 128.200 Stellen im Land offen, waren es 2021 bereits 146.100 und heuer 220.590 laut der Zahlen der Statistik Austria und dem WB-Stellenmonitor. „Bei einer Arbeitszeitreduzierung würden 230.000 Beschäftigte zusätzlich fehlen“, nach Berechnungen der WKÖ würden bis 2040 mindestens 814.000 Arbeitskräfte fehlen. „Wer macht die Arbeit?“, fragt Mahrer.

„Ultrapopulismus”

Der Ruf nach Verkürzung der Arbeitszeit sei „Ultrapopulismus“, der den Standort Österreich in die Katastrophe führe. Das gehe schlicht und einfach nicht, sagt er zur Argumentation der Gewerkschafter, der Arbeitsmarkt habe sich gewandelt, die Produktivität sei höher geworden. Das möge in manchen Industriebetrieben möglich sein, „aber ein Arzt kann nicht schneller operieren“, auch die Pflege könne man nicht zurückfahren. „Das kann niemand fordern, das ist bar jeder Realität.“ Er fordert ein Ende der Debatte und weist darauf hin, dass es auf betrieblicher Ebene zahlreiche auch gesetzlich festgelegte Möglichkeiten gibt, flexibel zu arbeiten.

WKÖ-Mahrer schlägt Alarm: „Wer macht die Arbeit?"

„Warum macht die Regierung nicht endlich was?“, nimmt er zur aktuellen Arbeitsmarktsituation Stellung. Statt zu reden, könne man endlich Erleichterungen realisieren: Zum Beispiel Steuerbegünstigungen für Überstunden, Anreize für Menschen, die bereit sind in der Pension zu arbeiten: „Keine Abgaben, echte Anreize“ betont er. „Mehr Netto vom Brutto“ ist auch seine Devise, um Menschen für den Arbeitsmarkt zu aktivieren. Eine gute Kinderbetreuung würde mehr Frauen in den Arbeitsmarkt bringen, hier seien schnell Maßnahmen notwendig. Ein weiteres Thema: Die Zuwanderung. „Wenn Menschen aus anderen Ländern hier arbeiten wollen, muss man ihnen auch die Möglichkeit dazu geben. Deutschland ist ein gutes Beispiel: Dort wurde das Westbalkankontingent drastisch erhöht.“ 96 Prozent der Bevölkerung würden das mittragen. „Als wir in den 70er-Jahren Arbeitskräfte brauchten, hat das auch sehr gut funktioniert“.

Die Gewerkschaft bewege sich immer noch in alten Mustern, wenn sie Zuwanderung von Arbeitskräften, zum Beispiel Saisonarbeitskräfte, verhindern wolle und von schlechten Arbeitsbedingungen spreche. „Quasi überall wird über Kollektivvertrag bezahlt, schlechte Arbeitsbedingungen kann sich heute keine Firma mehr leisten“, stellt er seine Sicht der Dinge als oberster Vertreter der österreichischen Wirtschaft klar.