Nach Überhitzung 2022: Deshalb bleibt Heizungstausch wichtige Option

Wärmepumpenmarkt beruhigt sich nach „Energie-Panik“ im vergangenen Jahr wieder.
Knittelfeld, Schwarzach Das vergangene Jahr hat die Hersteller von Wärmepumpen an ihre Produktionsgrenzen gebracht, Installateuren ging es ebenso. Lange Wartezeiten für die Kunden waren die Folge, die regelrechte Panik angesichts des drohenden Energieengpasses ist jetzt allerdings vorbei. Und zwar gründlich. Die Österreicher wiegen sich in Sicherheit angesichts der Informationen, welche die Regierung gebetsmühlenartig unters Stimmvolk streut. Doch man solle sich nicht täuschen, sagt der Bregenzer Martin Hagleitner, Vorstandsvorsitzender der Austria Email AG und Konzernleiter der Groupe Atlantic in der DACH-Region, und verweist auf die nach wie vor vorhandenen Risiken. Das kleinste Risiko ist dabei noch der bereits jetzt wieder steigende Heizölpreis, das größte nach wie vor die Gasversorgung. Dafür, jetzt einen Wechsel zu energieeffizienten Systemen zu realisieren, spreche zudem, dass der Engpass bei Handwerkern und beim Material überwunden sei.

Das vergangene Jahr sorgte in seinem Unternehmen wie in der Branche überhaupt für ein sensationelles Wachstum. Das heimische Traditionsunternehmen mit rund 470 Beschäftigten steigerte als führender Spezialist für Speicher- und Heizungstechnik den Jahresumsatz von 94,9 Millionen Euro im Jahr 2021 um beachtliche 31,5 Prozent auf 124,8 Millionen Euro 2022. Damit hat sich der Umsatz innert fünf Jahren verdoppelt. Die gesamte Austria-Email-Gruppe inklusive der 100-Prozent-Tochter Austria Email GmbH sowie der akquirierten 70-Prozent-Tochter Thermic Energy in Deutschland weisen einen Zuwachs von rund 68 Prozent auf: von 107,3 Millionen Euro im Jahr 2021 (ohne Thermic Energy) auf 180,1 Millionen Euro 2022. Das Wachstum schafft neue „Green Jobs“: Aktuell werden 50 zusätzliche Mitarbeitende gesucht, zieht Hagleitner eine Erfolgsbilanz.
Prall gefüllte Fördertöpfe
Heuer wird das wohl nicht zu erreichen sei, allerdings sei jetzt ein guter Zeitpunkt, die Therme im Haus auf den neuesten Stand zu bringen. Denn nicht nur die volatile Lage am Energiemarkt berge Gefahren, es gehe auch darum, die Energiewende in den eigenen vier Wänden voranzutreiben. Zumal „die Fördertöpfe von Republik und oft auch der Länder prall gefüllt sind“, und man nicht wisse, wie lange das noch so ist. Eine Sanierung könne auch in kleinen Schritten angegangen werden, entgegnet er Befürchtungen, dass diese zu teuer werde. Mit wenig Interventionen können zum Beispiel mit einem smarten Elektroboiler bis zu zwei Drittel Energie gespart werden. Ein weiterer Grund seien auch die gesetzlichen Vorgaben: „Denken Sie an die CO2-Steuer oder die ab 2027 geplanten Abgaben auf fossile Energie“, so der Bregenzer Manager im Gespräch.
Die acht kostspieligsten Irrtümer zum Thema Heizung & Co
Irrtum 1: „Im Sommer muss man sich nicht mit dem Thema Heizung beschäftigen.“ Ganz im Gegenteil: Gerade die Sommermonate sind die perfekte Zeit, um Vorsorge für die nächste Heizsaison zu treffen und sich vom Fachinstallateur vor Ort umfassend beraten zu lassen. Die heißen Tage sind auch ein drastischer Weckruf, um mit einer nachhaltigen Heizungslösung wie zum Beispiel mittels Wärmepumpe selbst etwas gegen die Klimakrise zu tun, mit der man zu Hause neben Heizung und Warmwasser zudem auch von der praktischen Kühlfunktion profitiert. Denn im Herbst, wenn die Heizperiode startet, sind die Installateurbetriebe sehr stark ausgelastet, und es wird schwer, sich zeitnah einen passenden Beratungstermin zu sichern. Denn das ist die Voraussetzung für eine passgenaue Lösung mit dem besten Kosten-Nutzen-Verhältnis. Parallel dazu lässt sich die Urlaubszeit auch dafür nutzen, um sich umfassend über die reichlich zur Verfügung stehenden Förderungen auf Bundes-, Landes- und Gemeindeebene zu informieren.
Irrtum 2: „Eine kompletter Heizungstausch ist mir zu teuer und zu aufwändig, deshalb mache ich jetzt gar nichts.“ Jetzt nichts zu unternehmen, ist mit Sicherheit die kostspieligste Variante. Es lassen sich effiziente Schritte setzen, ohne die bestehende Heizung gleich komplett zu ersetzen: Der Umstieg von einem alten Boiler auf einen energieeffizienten Elektrospeicher oder der Einbau einer Warmwasserwärmepumpe sind einfache Maßnahmen ohne große Baustelle. Das ist ein perfektes Beispiel dafür, wie man mit kleinen Investitionen Unabhängigkeit bei der Energieversorgung schafft und gleichzeitig laufende Kosten dauerhaft senkt. Denn Warmwasser schlägt mit einem Anteil von rund 40 Prozent bei den Betriebskosten zu Buche. Das Heizungssystem kann dann später ersetzt werden. Beim Umstieg auf erneuerbare Energiequellen sind auch hybride Lösungen wie zum Beispiel die Kombination eines modernen Gas-Brennwert-Geräts mit einer Brauchwasserwärmepumpe eine gute Option.
Irrtum 3: „Bei einer bestehenden, noch gut funktionierenden Anlage bringt doch ein Heizungstausch außer hohen Kosten nicht viel.“ Die Erfahrung und ein Blick auf die Betriebskosten zeigen, dass gerade bei Heizungs- und Warmwasseranlagen, die seit mehr als 15 Jahren in Betrieb sind, das größte finanzielle Einsparungspotenzial gegeben ist. Ein Tausch dieser überalterten Anlagen gewährleistet hinsichtlich Energieverbrauch und CO2-Ausstoß den wirksamsten Beitrag zum Klimaschutz. Selbst bei jüngeren Geräten entfalten einfache und günstige Maßnahmen wie ein hydraulischer Abgleich – der auch gefördert wird – oder fachmännische Justierungen der Anlage sowie der Komponenten große Wirkung. Dieses Potenzial gilt es, gemeinsam mit Fachinstallateuren auszuloten und zu nutzen.
Irrtum 4: „Wenn das Gebäude in einem energetisch schlechten Zustand ist, brauche ich mich mit Heizung und Warmwasser doch erst gar nicht auseinanderzusetzen.“ Dass man zuerst eine Vollsanierung mit einer kompletten Fassadendämmung und einem Fenstertausch umsetzen muss, bevor man die Heizung erneuert, ist ein hartnäckiger Irrglaube. Als Faustregel gilt: Mit einem Drittel der Investitionskosten lassen sich rund zwei Drittel an Einsparungseffekten bei den Energiekosten erreichen. Wer bei Heizung und Warmwasser sparen will, muss sich also nicht vor enormen Investitionen und einer großen Baustelle fürchten. Denn eine aufwändige Vollsanierung mit großen Umbauten ist oft nicht nötig. Eine Teilsanierung mit überschaubaren Kosten, zum Beispiel ein Warmwasserspeicher- und -heizungstausch und die Dämmung der obersten Geschossdecke reichen meist aus.
Irrtum 5: „Öl und Gas sind ja billiger geworden, aber Strom ist teuer. Da rechnet sich eine Investition in eine Wärmepumpe bzw. in erneuerbare Energie nicht.“ Laut Österreichischer Energieagentur sinken die Großhandelspreise für Strom derzeit deutlich. Diese Effekte werden zeitnah auch die heimischen Haushalte erreichen, denn die Energieversorger haben bereits Strompreissenkungen eingeleitet (siehe illwerke vkw). Auch die staatlichen Maßnahmen wie die Strompreisbremse und Energiekostenzuschüsse wirken. Für Öl und Gas werden allerdings nach Einschätzung von Experten wie auch laut der Internationalen Energieagentur im Herbst steigende Preise erwartet. Beim Betrieb von Öl- und Gasheizungen muss man einen wesentlichen Punkt bedenken: Hier gelten seit 2022 schrittweise steigende CO2-Steuern, die fossile Brennstoffe langfristig verteuern. Bei Einfamilienhäusern entstehen jetzt schon Mehrkosten von bis zu 300 Euro pro Jahr, die aber mit der Nutzung von erneuerbaren Energieträgern vermieden werden können.
Irrtum 6: „Wärmepumpen sind teuer im Betrieb, weil sie viel Strom brauchen.“ Der hohe Wirkungsgrad gegenüber anderen Systemen spricht für sich: Mit 1 kW Strom kann eine Wärmepumpe bis zu 4 kW Heizwärme erzeugen, somit stammen 3 kW aus kostenloser Umweltenergie. Der heimische Strommarkt ist derzeit stark in Bewegung, die Strompreise sinken und die österreichischen Haushalte profitieren von günstigeren Tarifen. Einzelne Energieversorger bieten mittlerweile spezielle Stromtarife für Wärmepumpen. Auch der aktuelle PV-Boom spricht dafür, denn durch die Anbindung an eine hauseigene PV-Anlage nutzt man den selbst erzeugten Strom. Bei Hitzewellen im Sommer profitiert man außerdem von einer Kühlfunktion und ist nicht ausschließlich auf den stromintensiven Betrieb von Klimaanlagen und Kühlgeräten angewiesen.
Irrtum 7: „Ich möchte zwar etwas gegen die Klimakrise und die steigenden Betriebskosten unternehmen, aber ich kann es mir finanziell einfach nicht leisten.“ Mit einer Wärmepumpe holt man sich ein förderfähiges Heizsystem ins Haus. Die Fördertöpfe sind aktuell so gut gefüllt wie noch nie. Allein für die staatliche Förderungsaktion „Raus aus Öl und Gas“ und die Sanierungsoffensive 2023/24 stehen für Private und Betriebe 940 Millionen Euro zur Verfügung. Auch die Antragsfristen wurden verlängert. Zusätzlich gibt es Förderungen der Bundesländer und der Gemeinden. Hier heißt es, schnell und gut vorbereitet sein, um von der maximalen finanziellen Unterstützung zu profitieren. Mittlerweile bieten außerdem viele Banken attraktive Finanzierungsmodelle für den Bereich Energie und Wärme an. Darüber hinaus gibt es spezielle Förderungen für einkommensschwache Haushalte, die eine fossile Heizung gegen ein förderbares Heizsystem wie zum Beispiel Luft/Wasser-Wärmepumpen, Anschlüsse an Fernwärme, Pellet- oder Hackgutkessel tauschen. Hier werden bis zu 100 Prozent der Investitionskosten rückerstattet.
Irrtum 8: „Eine Wärmepumpe ist doch nur etwas für den Neubau. Außerdem sind Wärmepumpen nur für Fußbodenheizungen, aber nicht für Heizkörper geeignet.“ Richtig ist: Wärmepumpen sind sowohl für Neubauten als auch für die Sanierung gut geeignet. Sie sind mit Fußbodenheizungen kompatibel, aber auch für Gebäude mit Heizkörpern geeignet. Alles, was es dazu braucht, ist ein fachkundiger Check durch einen fachkundigen Installateur und eine sinnvolle Planung für den Wechsel des Heizungssystems.

Austria Email
Das österreichische Traditionsunternehmen Austria Email mit Hauptsitz und Werken in Knittelfeld setzt seit über 165 Jahren auf energieeffiziente Qualitätsprodukte. Austria Email ist als österreichischer Marktführer in den Verbund des weltweit tätigen familiengeführten Groupe-Atlantic-Konzerns eingebunden und expandiert laufend. Das Unternehmen fertigt und vertreibt mit über 400 Beschäftigten energieeffiziente Qualitätsprodukte von Warmwasserbereitern bis zu Wärmepumpen. Neben der Fertigung und der Innovation am Standort Österreich zählt das Vertriebs- und Servicenetz zu den großen Stärken des Unternehmens. In den Jahren 2021 und 2022 konnte das Unternehmen jeweils Produktionsrekorde verzeichnen.