Auswirkungen der KIM-Verordnung: Private Immobilienfinanzierung wandert nach Deutschland ab

Bankensprecher Michel Haller sieht für Vorarlbergs Banken einen groben Wettbewerbsnachteil.
Bregenz Die seit August 2022 gültige KIM-Verordnung, welche die Kreditvergabe bei Wohnimmobilien in Österreich an diverse Kriterien knüpft, hat nicht nur schwerwiegende Auswirkungen auf die Finanzierbarkeit von Hausbauten und Wohnungskäufen durch Privatpersonen. Ihre Folgewirkungen betreffen auch Österreichs und Vorarlbergs Banken. So haben sich in den vergangenen Wochen die Anzeichen verdichtet, wonach das noch verbliebene Finanzierungsvolumen im privaten Immobilienbereich gerade in Vorarlberg mit kurzen Wegen zur Grenze immer stärker das Interesse von deutschen Banken weckt.

KIM-Verordnung nicht für deutsche Banken
Denn die KIM-Verordnung (Kreditinstitute-Immobilienfinanzierungsmaßnahmen-Verordnung) und ihre verschärften Kriterien für die Kreditvergabe gilt nur für jene Banken, die ihren Sitz in Österreich haben, hier eine Zweigstelle betreiben oder im Inland konzessioniert sind. Eine deutsche Bank mit Sitz beispielsweise in Lindau, die hierzulande nur über Kooperationspartner bzw. Vermittler oder verstärkte Werbetätigkeit private Kunden im Bereich Immobilienfinanzierung gewinnen möchte, ist von der KIM-Verordnung nicht betroffen.
Bauträger werben damit
Zwischenzeitlich werben schon diverse Bauträger in Vorarlberg mit der Beratung der Finanzierung durch deutsche Banken, wie etwa der Bauträger Fussenegger Wohnbau mit einem Standort in Dornbirn. Auch von Immobilienmaklern ist zuletzt verstärkt davon zu hören, dass man Kunden einen Termin bei einer deutschen Bank empfiehlt. Aufgrund der EU-Dienstleistungsrichtlinie dürfen deutsche Banken – wie auch vice versa – hierzulande Geschäfte machen. Sie müssen sich dabei naturgemäß an diverse Gesetze halten, wie etwa den Konsumentenschutz, nicht aber an die KIM-Verordnung.

Banken spüren Konkurrenz aus Deutschland
Dieser jüngste Trend, nämlich der KIM-Verordnung über Finanzierungen in Deutschland auszuweichen, ist auch Vorarlbergs Banken nicht entgangen. Michel Haller, Sprecher der Vorarlberger Banken und Vorstandsvorsitzender der Hypo Vorarlberg, sagt dazu: “Die Aufsichtsbehörden haben mit der KIM-Verordnung eine Lösung geschaffen, die dem inländischen Immobilienmarkt schadet und Österreichs Banken gegenüber anderen Banken in der EU massiv benachteiligt.”
Vorarlbergs Banken können nur wenig entgegenhalten
Die Vorarlberger Banken sind deshalb in einer wenig vorteilhaften Situation: So werde nicht nur das Finanzierungsvolumen bei privaten Wohnimmobilien auch aus anderen bekannten Gründen immer kleiner. Jetzt müsse man im Privatkundengeschäft auch noch zusehen, wie Kunden verstärkt nach Deutschland ausweichen. “Mitunter wird den Beratern bereits im Beratungsgespräch mitgeteilt, dass man ein besseres Finanzierungsangebot einer deutschen Bank vorliegen habe”, sagt Haller.
Vorarlberger Banken könnten in so einer Situation nur versuchen, mit ihrem Beratungs-Know-how, der genauen Kenntnis der Förderlandschaft in Österreich und mit dem Bekenntnis zu punkten, dass man immer hier in Vorarlberg tätig sein werde. “Auch dann, wenn sich die Situation wieder ändert und deutsche Banken vielleicht die Lust am österreichischen Immobiliengeschäft schnell verlieren”, so Haller.
KIM-Verordnung entschärfen
Der Vorarlberger Bankensprecher wiederholt in dem Zusammenhang die zentralen Wünsche der Bankenbranche: “Die KIM-Verordnung sollte entschärft und entschlackt werden.” So gelte es, das sehr strikte und komplexe Ausnahmen-Regime zu vereinfachen, über die strengen, statischen Prozent-Grenzen nachzudenken und den Sanierungsbereich komplett herauszunehmen.