Bäckermeister Wolfgang Fitz: “Energiekosten haben sich versechsfacht”

Markt / 18.07.2023 • 16:00 Uhr
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Wolfgang Fitz schlägt Alarm. vn

Situation sei durch Energiekrise und Teuerung nahezu ausweglos. Energiekostensteigerung auf rund 66.000 Euro im Jahr.

Wolfurt Die allgemeine Geschäftslage der Vorarlberger Bäckereibetriebe erscheint auf den ersten Blick gut, sagt Wolfgang Fitz. Bei näherer Betrachtung sei die Situation aber durch Energiekrise und Teuerung nahezu ausweglos.

„Für einen Großteil der heimischen Bäckereien kann es so nicht weitergehen. Wir brauchen finale Lösungen vonseiten der Politik und Wirtschaft“, fordert der Bäckermeister, der auch als Sprecher der Branche fungiert.

Brot ist teurer geworden. Die Energiekosten tragen dazu bei. <span class="copyright">vn</span>
Brot ist teurer geworden. Die Energiekosten tragen dazu bei. vn

Grenzen kommen näher

Fitz spricht von einer Wachstumsbremse, die er auch selbst erlebe. Per 31. Dezember 2022 waren 65 Bäcker in Vorarlberg aktiv. Vor knapp zehn Jahren waren es noch 89 Bäcker. Seit der allgemeinen Teuerung habe sich die Lage in der Branche massiv verschlechtert.

Von den ehemals adäquaten Beträgen, die Fitz in seinem Unternehmen für Strom und Gasverbrauch bezahlt hat, ist man heute „meilenweit entfernt“, sagt der Innungsmeister. Für seinen Betrieb bedeutet das eine Energiekostensteigerung auf rund 66.000 Euro im Jahr. „Die Versechsfachung der Energiekosten hat schließlich auch dazu geführt, dass unsere Produkte für die Endkonsumenten immer teurer wurden“, betont der Inhaber und Geschäftsführer der Schwanen Bäckerei in Wolfurt.

Die Schwanen Bäckerei in Wolfurt.<span class="copyright"> fa/Dietrich</span>
Die Schwanen Bäckerei in Wolfurt. fa/Dietrich

Höhere Löhne

Noch würden das die Kunden hinnehmen, weil sie Qualität und traditionelles Handwerk schätzen, aber diese Preisspirale heize die Situation nur noch mehr an, hält Fitz fest. Denn die Teuerung führe dazu, dass kleine und mittlere Unternehmen ihren Mitarbeitern immer höhere Löhne auszahlen müssen, was im Umkehrschluss die Inflationsentwicklung abermals antreibe.  

Zwei Schließungen

Sein Bedauern drückt der Innungsmeister über die Schließung von zwei Bäckereibetrieben in ländlichen Gebieten Vorarlbergs aus. Deren Besitzer mussten jeweils nur wenige Jahre vor der Pensionierung ihre Geschäfte schließen, da sie durch die aktuell viel zu hohen Energiekosten nicht mehr rentabel wirtschaften konnten.

Im Jahr 1938 erwarben Rudolf und Josefa Fitz aus Lustenau den „Schwanen“ als Gasthaus mit kleiner Gemischtwarenhandlung und Bäckerei. <span class="copyright">volare</span>
Im Jahr 1938 erwarben Rudolf und Josefa Fitz aus Lustenau den „Schwanen“ als Gasthaus mit kleiner Gemischtwarenhandlung und Bäckerei. volare

Neben den Energiekosten erschwert zudem der Fachkräftemangel die Situation der Vorarlberger Bäckereibetriebe. „Das Handwerk muss wieder attraktiver werden, Überstunden müssen fair entlohnt werden und uns als Arbeitgeber muss es auch möglich gemacht werden, durch Lohnsteuersenkungen und Teuerungsprämien unsere Mitarbeiter wieder zu motivieren“, fordert Fitz. Da wäre mehr Unterstützung vonseiten der Gewerkschaft in Sachen Steuererleichterung angebracht.  

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Energiekostenzuschuss II umsetzen

Um die Situation besser zu machen, verweist Wirtschaftskammer-Präsident Wilfried Hopfner auf die immer noch fehlende Richtlinie zum Energiekostenzuschuss 2 (EKZ 2): „Die Richtlinie EKZ 2 ist trotz Ankündigung vor einem Dreivierteljahr immer noch nicht veröffentlicht. Die enorme Preisentwicklung auf den Energiemärkten bedeuten für Unternehmen und für Haushalte massive Kostensteigerungen. Für die Unternehmen heißt das zudem, diese bestmöglich in den Preisen unterbringen zu müssen. Diese Notwendigkeit wäre durch die Umsetzung des Energiekostenzuschuss 2 abgemildert.“ 

Wilfried Hopfner, Präsident der Wirtschaftskammer Vorarlberg. <span class="copyright">vn</span>
Wilfried Hopfner, Präsident der Wirtschaftskammer Vorarlberg. vn