Messepark: Gutachten empfehlen Erweiterung

Markt / 17.07.2023 • 13:53 Uhr
Messepark: Gutachten empfehlen Erweiterung
Die Erweiterung des Messeparks wird die Nutzungsflächen betreffen, sie soll aber auf den schon bisher genutzten Grundstücksflächen durchgeführt werden. VN/Stiplovsek

Land startet neues Auflageverfahren: Gutachten sehen keine Umweltauswirkungen und veränderte Voraussetzung für Erweiterung.

Bregenz, Dornbirn Vor gut eineinhalb Jahren hat die Stadt Dornbirn beschlossen, der Causa Messepark eine neue Chance einzuräumen. Einstimmig wurde von der Stadtvertretung beim Land der Antrag eingereicht, ein neues Auflageverfahren zu starten. Nun ist es soweit: Morgen, Dienstag, startet die Landesregierung das Auflageverfahren zur Anpassung des Landesraumplans für das Areal des Messeparks, wie vor wenigen Minuten bekannt gegeben wurde.

Stellungnahmen ab Dienstag möglich

Das Ansuchen der Dornbirner Stadtpolitik sieht eine Erweiterung der zulässigen Verkaufsfläche auf ein Höchstmaß von 22.200 Quadratmeter für verschiedene Waren vor, maximal 5000 Quadratmeter sollen für den Lebensmittelhandel gelten. Stellungnahmen können ab Dienstag bis zum 18. August abgegeben werden. Und zwar von jeder oder jedem, der sich dafür interessiert. Alle Informationen dazu finden sich auf dem Veröffentlichungsportal des Landes.

Im Gutachten ein Beispiel für eine qualitative Neuansiedlung: Das Planungsstudio von Ikea. <span class="copyright">VN/Mayer</span>
Im Gutachten ein Beispiel für eine qualitative Neuansiedlung: Das Planungsstudio von Ikea. VN/Mayer

Natürlich wird nicht einfach eingereicht, was schon einmal angesucht wurde. Sachverständige haben die Projektunterlagen auf ihre Auswirkungen auf die Verkehrssituation sowie die handelsspezifischen wie raumplanerischen Auswirkungen hin abgeklopft. “Die durchgeführte strategische Umweltprüfung hat ergeben, dass bei der Erlassung des Landesraumplans mit keinen erheblichen Umweltauswirkungen zu rechnen ist”, heißt es nun seitens der Landesregierung.

Nach Ende des Auflageverfahrens kann aber noch lange nicht mit der Planung begonnen werden. Die Behördenmühlen mahlen langsam und deshalb wird sich nach diesem Verfahren erst einmal der Raumplanungsbeirat mit der Angelegenheit befassen bzw. eine Empfehlung aussprechen. Danach ist wieder die Stadt Dornbirn am Zug und muss die entsprechenden Beschlüsse fassen.

Messepark-Management erfreut, aber zurückhaltend

Noch ist es nicht also soweit. Im Messepark-Management zeigt man sich erfreut über den Start des Auflageverfahrens, bleibt in der Sache aber zurückhaltend: Mit qualitiativ neuen Angeboten und hochwertigen Investitionen wolle man den Einzelhandel attraktiver machen, betont Geschäftsführer Burkhard Dünser in einer ersten Stellungnahme gegenüber den VN: “Wir verpflichten uns mit der Erweiterung neue Marken und innovative Konzepte, zum Beispiel Flagship-Stores, die es bislang in Vorarlberg noch nicht gibt, in den Messepark zu bringen.” Damit hole man Kaufkraft aus dem Ausland und Online-Kunden wieder zurück in den stationären Handel und stärke die Wertschöpfung im Land.

<p class="infozeile"><span class="namen">Messepark-Geschäftsführer Burkhard Dünser: Holen Kaufkraft aus dem Ausland und Online-Kunden wieder zurück in den stationären Handel im Land. <span class="copyright">FA </span></span></p>

Messepark-Geschäftsführer Burkhard Dünser: Holen Kaufkraft aus dem Ausland und Online-Kunden wieder zurück in den stationären Handel im Land. FA

Das sieht ein wohl entscheidendes Gutachten genauso, das das Land im Vorfeld der Neuaufnahme des Auflageverfahrens in Auftrag gab. Und zwar bei der Firma CIMA, auf dessen Gutachten die Regionalentwicklung des Landes seit vielen Jahren baut. CIMA-Gutachten waren in den vergangenen Jahren Grundlage für die Ablehnung der Erweiterungspläne.

Nun legte Roland Murauer, Geschäftsführer des Handelsforschungsinstitutes CIMA, eine 82 Seiten starke “Beurteilung der Auswirkungen der Erweiterungspläne des Einkaufszentrums Messepark in Dornbirn” vor, die die Entwicklungen seit dem 2016 veröffentlichen Gutachten einbezogen haben. “Der Einzelhandelsstandort Dornbirn präsentiert sich mit mehr als 109.000 Quadratmeter Verkaufsfläche als leistungsstärkstes Handelszentrum in Vorarlberg….”, heißt es auf Seite 47 des Gutachtens, “daher wird durch ein Messepark-Erweiterungsflächenwachstum von rund 5 Prozent nur von geringen Auswirkungen auf die Kaufkrafteigenbindung ausgegangen. Die Chancen, aus dem eigenen Ort durch weitere Verkaufsflächen die Kaufkraftabflüsse zu reduzieren, fallen in Dornbirn relativ moderat aus. Es sind kaum stärkere Effekte auf die Kaufkrafteigenbindung erwartbar.”

“Klare Erweiterungsempfehlung”

Auf Seite 62 wird Murauer noch konkreter: “….klare Erweiterungsempfehlung unter definierten Rahmenbedingungen”. Auch diese Bedingungen bleibt CIMA nicht schuldig: “Auf Basis dieser Prämissen erscheint das Messepark 3.0-Konzept und hier vor allem die maßgeblichen Verkaufsflächenerweiterungspläne mit am Handelsstandort Vorarlberg neuen Anbietern schlüssig und empfehlenswert… dass der Großteil der Erweiterungsflächen mit qualitativ hochwertigen Handelsanbietern belegt wird, welche entweder neu in den Vorarlberger Markt eintreten wollen oder einen standortexklusiven Flasgshipstore errichten wollen.” Ein eindeutiges Nein der Handelsforscher gibt es zu “more of the same”, wenn man sich also in Richtung Austauschbarkeit des bisherigen Angebots entwickeln würde.

<p class="caption">Aufenthaltsqualität seit vielen Jahren auf demselben Niveau, andere Einkaufszentren sind laut CIMA weit über dem Messepark einzuordnen. <span class="media-container dcx_media_rtab" data-dcx_media_config="{}" data-dcx_media_type="rtab"> </span><span class="marker"><span class="copyright">VN/Steurer</span></span></p>

Aufenthaltsqualität seit vielen Jahren auf demselben Niveau, andere Einkaufszentren sind laut CIMA weit über dem Messepark einzuordnen.  VN/Steurer

Dass das neuerliche Auflageverfahren und die nachfolgenden Beschlüsse nicht automatisch zur Baugenehmigung führen, ist im Fazit des Gutachtens aber auch nachzulesen: “Die standortspezifischen Fragen werden überwiegend kritisch bewertet, verkaufsflächenbezogen zeigt sich ein „gemischtes“ Bild, wohingegen die kaufkraftrelevanten Kriterien positiv ausfallen. Somit ergibt sich für dieses Projekt kein eindeutiges positives bzw. negatives Bild. Daher wird es notwendig sein, die kritischen Fragen in einer vertiefenden Betrachtung eingehender zu behandeln.” Und das Team des Handelsforschungsunternehmens macht sich auch keine Illusionen, dass die Debatte, die in den vergangenen Jahren abgeebbt ist, wieder an Intensität zunimmt: “Die, teilweise emotionale, (landesweite) Debatte hinsichtlich der Erweiterungspläne des Messeparks wird in den nächsten Monaten weiter zulegen und auch Gutachten werden, nach langjährigen Erfahrungswerten der CIMA, nur zum Teil zur Versachlichung des Themas führen.”

CIMA Studie 2023

Fazit Seite 36 Das rund 36 Jahre alte Einkaufszentrum Messepark ist ein hochproduktives Einkaufszentrum mit einer soliden Angebotsstruktur und nach wie vor hoher Kund*innen-Frequenz. Während in den letzten Jahrzehnten, insbesondere peripher situierte, Einkaufszentren sowohl im regionalen Umfeld als auch in, zu Dornbirn vergleichbaren, innerösterreichischen Standorten ihre Verkaufsflächenangebote massiv erweiterten, veränderte sich die rein quantitative Verkaufsfläche des Messeparks nicht. Dadurch weist der Messepark im mikrospezifischen Standortvergleich – eine unterdurchschnittliche Größe auf.

Ausgangslage Gegenüber 2016 hat sich die Konkurrenzsituation zum Online-Sektor im Vorarlberger Einzelhandel enorm verschärft (insgesamt 250,2 Mio. € Gesamtabfluss oder 62 % aller Vorarlberg-Abflüsse; + 140 % seit 2015), insbesondere bei den „Messepark Ausbau“-Kernsortimenten im Modesektor (Online-Kaufkraftvolumenanteil von 11

auf 24 % seit 2015)… Sofern zum Online-Sektor „austauschbare“ bzw. an anderen Standorten im näheren und weiteren Umfeld vorhandene Neuflächen geschaffen werden, ist von keiner erhöhten Kaufkraftrückholung aus den virtuellen Einkaufswelten auszugehen. Vielmehr wird dadurch nur der Wettbewerb zwischen den einzelnen Handelsstandorten im Umfeld verschärft. Gelingt es jedoch, neue und im größeren räumlichen Umfeld bislang nicht vertretene Anbieter anzusiedeln, können grundsätzlich positive stationäre Kaufkraft- und geringere Konkurrenzierungseffekte generiert werden. Die CIMA wird diese Aspekte im 2023er Gutachten ebenfalls neu bewerten.