Arbeitswelt vor großen Veränderungen

AMS-Chef Bernhard Bereuter sieht aber keinen „harten Schnitt“. Jobs würden wegfallen, andere dazukommen.
Bregenz Es ist der Megatrend. Künstliche Intelligenz (KI) erobert immer mehr Lebensbereiche und wird künftig auch den Arbeitsmarkt prägen. „Es wird in fast allen Berufen Änderungen geben, weil Tätigkeiten und Prozesse wegfallen“, sagt Bernhard Bereuter, Geschäftsführer des Arbeitsmarktservice Vorarlberg (AMS). Es würden neue Berufe entstehen und es könne auch sein, dass es einige Berufe so nicht mehr geben werde. Allerdings sieht Bereuter keinen „harten Schnitt“. „Das wird nicht von heute auf morgen passieren.“ Ein Wegfall von Arbeitsplätzen im großen Stil, wie es manche befürchten, sei nicht zu erwarten.
Angst vor Jobverlust groß
Global gibt es solche Szenarien sehr wohl. Viele Beschäftigte fürchten einen Jobverlust durch künstliche Intelligenz. Mehr als jeder Dritte macht sich demnach Sorgen. Bisher jedenfalls zu Unrecht, wie eine OECD-Studie (Organisation für Zusammenarbeit und Entwicklung) jüngst nachwies. Mit Daten auch aus Österreich wird dokumentiert, dass es wegen KI zu keinen nennenswerten Arbeitsplatzverlusten kam. Wenn in Unternehmen Arbeitsplätze wegfallen, würden Betroffene in andere Geschäftsbereiche versetzt, schreibt die KMU Forschung Austria, die an der Studie beteiligt war.
Die Unsicherheit vieler Beschäftigter dürfte vielmehr mit den vielen offenen Fragen im Zusammenhang mit KI zu tun haben. „Es weiß niemand genau, wie schnell und was genau kommen wird“, so AMS-Chef Bereuter. Am Ende seien jedenfalls die Kompetenzen, auch die Weiterbildungsbereitschaft entscheidend. „Wenn Menschen offen sind, eine positive Haltung zur Weiterbildung haben, dann müssen sie sich nicht vor künstlicher Intelligenz fürchten.“ KI könne dann Bereicherung und Unterstützung sein.
Arbeitsplatz wird attraktiver
Zu diesem Ergebnis kommt auch die OECD-Studie mit Unternehmensfallstudien aus Österreich. Durch den Wegfall monotoner Tätigkeiten bleibe demnach mehr Zeit für interessante Aufgaben. Das wiederum habe bei den Beschäftigten zu einer Motivationssteigerung geführt. „Gleichzeitig trägt künstliche Intelligenz dazu bei, dass viele neue Arbeitsplätze geschaffen werden“, heißt es dazu in der Studie. Konkret wird die Entwicklung und Wartung von KI-Technologien genannt. Schon jetzt seien Beschäftigte mit KI-Kompetenz stark nachgefragt.
Der Arbeitsmarkt wird sich mit KI wandeln. „Es werden komplett neue Berufsfelder entstehen“, sagt Bernhard Bereuter. Gefordert seien da auch die Unternehmen selbst. Sie müssten sicherstellen, dass ihre Mitarbeiter dieses Know-how auch erwerben können. Das sei schließlich für die Innovationskraft und Wettbewerbsfähigkeit entscheidend.
Die Wettbewerbsfähigkeit der heimischen Wirtschaft hängt an hoch qualifizierten Mitarbeitern. „Den Faktor Mensch kann künstliche Intelligenz nicht ersetzen“, ist Bereuter überzeugt. Hausverstand und soziale Kompetenz würden unverändert Bedeutung haben. Vielleicht mit KI noch mehr. „Weil durch den Wegfall von Routinetätigkeiten wieder mehr Zeit für das Zwischenmenschliche bleibt.“
KI wird zu massiven Veränderungen in der Arbeitswelt führen. Daran zweifelt mittlerweile kaum noch jemand. Ob das für den Einzelnen mehr Chance oder Risiko bedeutet, sei schwer einzuschätzen. „In gewissen Bereichen wird es Tätigkeiten nicht mehr brauchen, es kommen aber neue dazu“, bekräftigt Bereuter. Beim Wissenserwerb zählt aber die Geschwindigkeit. „Man darf nicht stehen bleiben, muss täglich lernen.“ Das treffe auf Beschäftige, Unternehmen, aber auch Arbeitslose gleichfalls zu, so der AMS-Chef weiter.
„Wenn Menschen für Weiterbildung offen sind, müssen sie sich nicht vor KI fürchten.“
